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Ausstellungen | Ausstellung

Diane Severin Nguyen. Powerless

Haus der Kunst

Die vietnamesisch-amerikanische Künstlerin Diane Severin Nguyen (geb. 1990 in Kalifornien) präsentiert erstmals eine neue Werkreihe, in deren Mittelpunkt die Filminstallation Powerless steht. Eine kinetische Installation in der Mittelhalle und ein fotografisches Environment in der Südgalerie führen ihre Auseinandersetzung mit Opferrollen, Identität und der Verflechtung von Intimität und Macht fort. Mit ihrem Hintergrund in Bildender Kunst und Politikwissenschaft untersucht Nguyen, wie persönliche Erinnerung und historisches Trauma im Kontext zeitgenössischer visueller Kultur verhandelt werden. Dabei richtet sie den Blick darauf, wie Kriegsbilder unsere alltägliche Wahrnehmung und unser heutiges Selbstverständnis prägen. Statt vor diesen Bildern und den mit ihnen verbundenen historischen Ereignissen zu fliehen, setzt sie sich damit auseinander, wie man sie durchleben kann. Zugleich hinterfragt sie die Mechanismen der Bildproduktion und entwickelt neue künstlerische Ausdrucksformen, die der Wahrheit nicht ausweichen, sondern neue Wege eröffnen, sie zu gestalten. Die Filminstallation Powerless spielt in den bayerischen Alpen und folgt einem Kind, das gegen den Willen seiner abwesenden Mutter, deren hörbare Stimme zwischen Zärtlichkeit, Rechtfertigung und Befehl schwankt, das Haus verlässt. Über dem Kind kreist ein Hubschrauber mit einer amerikanischen Folk-Band an Bord, deren wehmütige Lieder Freiheit und Rettung romantisieren. Der Hubschrauber steht zugleich für die Zerstörung des Zuhauses und für das Versprechen einer Flucht. Als sich das Kind der Maschine nähert, überlagern sich familiäre Sehnsucht und militarisierte Perspektiven aus der Luft. Die Grenzen zwischen Fürsorge und Kontrolle verschwimmen. Powerless beschäftigt sich mit der Frage, wie die Opferrolle zur Identitätsgrundlage wird: wie Wunden uns für uns selbst, für Institutionen und für die Geschichte lesbar machen und uns moralische Autorität verleihen, sogar bei fehlender materieller Macht. Nguyens „Dilemma des sentimentalen Blicks“ beschreibt, wie verletzliche Subjekte gleichzeitig ermutigt und bestraft werden, wenn sie ihren Schmerz zum Ausdruck bringen. Die Figur des Kindes verdichtet diese Spannungen im Bild der Unschuld: Sie wird sowohl zur Rechtfertigung des Krieges als auch zur Forderung nach dessen Beendigung herangezogen, vermag jedoch die Bedeutung der Gewalt, die sie offenlegt, nicht abschließend zu klären. Durch am Körper getragene Kameras, Überwachungsaufnahmen und aus der Luft entstandene Bilder wird der*die Betrachter*in in dieses instabile Wahrnehmungsfeld versetzt. Der Hubschrauber erinnert an weithin verbreitete Aufnahmen von Rettungs- und Evakuierungsaktionen während des Vietnamkriegs. Zugleich steht er für eine Perspektive, aus der die Landschaft zur Karte, zur Bühne oder zum Ziel wird. Diese historischen Bezüge verweisen darauf, wie wir Krieg heute über Bildschirme erleben: Gewalt mag fern oder virtuell erscheinen, bleibt jedoch körperlich real und unumkehrbar. Technologien, die objektive Beweise versprechen, schaffen keine Gewissheit darüber, wer Verantwortung übernimmt oder Fürsorge leistet. In der Mittelhalle schießt eine kinetische Installation wiederholt puppenhafte Figuren auf eine Bühne, wo sie sich im Laufe des Tages anhäufen. Ihr mechanischer Rhythmus spiegelt das unerbittliche Kreisen des Hubschraubers wider und hält das Spektakel zwischen Spiel und Katastrophe in der Schwebe. In der Südgalerie verwandeln mit Überwachungskameras aufgenommene Fotografien Beweisbilder in flüchtige Formen, deren Körper instabil und im Wandel begriffen sind. Die Ausstellung führt die Auseinandersetzung unseres Programms mit Formen von Lebendigkeit („Liveness“) in der zeitgenössischen Kunst fort, insbesondere im Bereich des erweiterten bewegten Bildes. Zugleich stellt sie Bezüge zu früheren Projekten von Cyprien Gaillard, Pan Daijing und Wang Shui her. Powerless gibt außerdem einen ersten Ausblick auf einen Schwerpunkt unseres Programms für 2027: künstlerische Fotografie und Bildproduktion im Zeichen des technologischen Wandels. Kuratiert von Xue Tan in Zusammenarbeit mit Lydia Antoniou Die Alexander-Tutsek-Stiftung ist die Hauptförderin dieser Ausstellung. Die Filminstallation Powerless von Diane Severin Nguyen ist gemeinsam in Auftrag gegeben von Haus der Kunst München, Hessel Museum of Art, Bard College, New York, Vega Foundation, Toronto, Alexander-Tutsek-Stiftung, München, LUMA Foundation und Chisenhale Gallery, London. Der Film wurde von if…Productions Film GmbH produziert. Produktionsdesign: Renate Schmaderer Produktionsdesign-Team: Luzi Speth, Lukas Katholik, Yuki Tobiyama Kamera: Nikolai Huber Musik & Sounddesign: Laszlo Horvath Kostüm: Katrin Bobek Produzenten: Ingo Fliess & Jonas Egert Produktionsleiterin: Luzie Lohmeyer Darsteller*innen: Emilie Khanuengnit Phalamat, Laszlo Horvath, Janine Gierszewsky, Leona Grundig, Peter Thoma & Yuki Tobiyama
Ausstellungen | Ausstellung

Maria VMier.
I follow the wind through the stone

Haus der Kunst

Im Rahmen des jährlichen Auftragsprojekts im Haus der Kunst untersucht der*die in New York lebende Künstler*in Maria VMier (geb. 1985 in Passau, Deutschland) die Beziehung zwischen Individuum und Erinnerung, Architektur und Materialität. Der*die Künstler*in verfolgt einen achtsamen Ansatz ortsspezifischer Praxis, der verborgene Geschichten ans Licht bringt und neue Perspektiven auf das Lernen und Verlernen eröffnet. Durch Gespräche mit Mitarbeiter*innen am Haus der Kunst sammelte VMier Geschichten, Routinen und Beobachtungen, die persönliche und kollektive Verbindungen zum Gebäude offenbarten. Manche entstanden im Laufe weniger Jahre, andere über Jahrzehnte hinweg. Die daraus resultierende dreiteilige Installation ist als Reise in das Innenleben einer Kunstinstitution konzipiert, insbesondere in jene Bereiche, die für die Öffentlichkeit unsichtbar und unzugänglich bleiben – und erkundet die Institution praktisch von innen heraus. Die erste Installation befindet sich am Personaleingang an der Rückseite des Gebäudes. Die verwitterten Metallbuchstaben, die einst an der Fassade des Gebäudes standen (2012–2020), wurden im Innenbereich in einer neuen Anordnung wieder zusammengesetzt. Nachdem sie nicht mehr die Identität des Haus der Kunst repräsentieren, ergeben sie nun einen spielerischen und poetischen Ausdruck: „Bauch der Kunst“. Das Werk lehnt an den Wänden eines Durchgangs, der täglich von Mitarbeiter*innen und Lieferant*innen genutzt wird, und hebt damit einen wesentlichen Teil von Kunstinstitutionen hervor: die Menschen, die den Raum am Leben erhalten und die Werke der Künstler*innen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Diese Arbeit kann während Open Haus, jeden letzten Freitag im Monat von 16 bis 22 Uhr, besichtigt werden. Zwei große Zeicheninstallationen bilden den Kern des Projekts und befinden sich in der Passage, einem neuen Raum für Einzelprojekte, der an das Auditorium angrenzt und früher Teil der historischen Südgalerie war. Die dichten Farbfelder, mit Tinte und Acryl ausgeführt, basieren auf Frottagen, die mit Graphit und Pigment von den roten Marmorböden in den Fluren angefertigt wurden. Die Arbeiten erfassen das Gebäude somit als fühlbares Archiv, wobei die geschichteten Kompositionen architektonische Beschaffenheiten auf ein Feld aus Abdrücken und Bewegung übertragen. Die Installationen entfalten sich als physische und zeitliche Begegnung und reagieren auf die Symmetrie des Raums, indem sie sich über die Passage erstrecken. Für VMier wird das Zeichnen zu einer Möglichkeit, die massiven Steinmaterialien sichtbar zu machen und die Institution als Ort angesammelter Spuren, Gesten und materieller Erinnerung neu zu denken. Eine neue Serie kleiner Skulpturen aus Aluminiumguss wird in die bestehenden Öffnungen der Marmorsäulen und Wandflächen der Mittelhalle sowie der Eingangsbereiche eingefügt. Die Arbeiten sind inspiriert von Fossilien von Seerosen, die im Saalburger Marmor eingebettet sind – einem Material, das gewählt wurde, um der Halle Erhabenheit zu verleihen, während sie in den 1930er Jahren für nationalsozialistische Propaganda genutzt wurde. Aus Ecken und Spalten hervorbrechend, erscheinen die Skulpturen als geisterhafte Formen, die zwischen Gesichtszügen und organischem Wachstum schweben. Diese subtilen Ausbrüche des Widerstands führen andere Präsenzen in das monumentale Interieur ein und untergraben dessen architektonische und historische Autorität von innen heraus. In Erweiterung dieser Fokussierung auf übersehene architektonische Details dokumentiert ein Künstler*innenbuch, das in Zusammenarbeit mit VMiers langjährigem Kollaborationspartner The New York Board of Taste entstanden ist, die von dem*der Künstler*in im gesamten öffentlichen Raum identifizierten Öffnungen und Spalten. Demnächst erhältlich in der Buchhandlung Walther König im Haus der Kunst. Seit 2021 vergibt Haus der Kunst ortsspezifische Aufträge an Künstler*innen für den Personal Eingang und darüber hinaus. Die Initiative entstand während der Pandemie, um dem Team beim täglichen Betreten des Hauses einen Moment der Inspiration zu bieten und zugleich Künstler*innen aus München und der Region in einem wichtigen Moment ihrer künstlerischen Entwicklung zu begleiten. Seither wurden jährlich ortsspezifische Projekte von Cyrill Lachauer, Jan Erbelding, Paul Valentin, Luisa Baldhuber, und Gülbin Ünlü realisiert. Kuratiert von Xue Tan Das Auftragsprojekt von Maria VMier wird großzügig unterstützt von Sabine und Thomas Bachmaier. Besuchszeiten der Installationen: Mittelhalle und Passage (angrenzend an das Auditorium): Mi – Mo, 10 – 20 Uhr Personaleingang: Nur während Open Haus, jeden letzten Freitag, 16 – 22 Uhr (Bild: Maria VMier, linking one to the other, holding their difference [∞], 2024-25, Pigmentierte Kalligraphietinte, Tusche, Pigmente, Graphit, Vinyl und Acryl auf Butcher Paper, 500 × 355 cm; Foto: Maria VMier
Ausstellungen | Museum

Robert Walser-Zentrum

Das Zentrum Das Robert Walser-Zentrum ist ein Kompetenz-Zentrum zu Robert Walser und Carl Seelig. Zur Sicherung, Inventarisierung, Erforschung und Vermittlung seiner Bestände unterhält es das Robert Walser-Archiv sowie eine Forschungsbibliothek und eine Wechselausstellung. Das Zentrum realisiert in eigener Regie sowie in Zusammenarbeit mit Partnern Ausstellungen, Veranstaltungen, Publikationen und Editionen. Robert Walser-Archiv Das Robert Walser-Archiv sammelt, erschließt und publiziert seit mehr als 30 Jahren das Werk des Dichters. Es verfügt über eine einzigartige Dokumentation von Manuskripten, biografischen Materialien und wissenschaftlicher Literatur. Die Bestände werden von Besucher/innen aus dem In- und Ausland rege genutzt. Aufbewahrt werden die wertvollen und empfindlichen Manuskripte im Schweizerischen Literaturarchiv (SLA) der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern. Die Autographen können von Benutzern in den Räumlichkeiten des Robert Walser-Zentrums in der Form von Digitalisaten eingesehen werden. In begründeten Fällen können ausnahmsweise die Originale im SLA konsultiert werden (die Anträge sind ans Robert Walser-Archiv zu richten). Zu den mittel- und längerfristigen Arbeitsprojekten des Robert Walser-Archivs gehören die Inventarisierung, Katalogisierung, Digitalisierung und Konservierung der Bestände, die Unterstützung der neuen Gesamtausgabe, die im Robert Walser-Zentrum erarbeitet wird, der Erwerb wichtiger Handschriften, die sich noch in Privathand befinden, sowie die Beteiligung an der Erforschung und Vermittlung von Robert Walsers Werk in Form von Ausstellungen, Tagungen und Publikationen. Robert Walser-Bibliothek Das Robert Walser-Zentrum unterhält die führende Walser-Bibliothek, die alles sammelt, was Walser geschrieben hat und was über ihn geschrieben wurde; darunter fallen auch Übersetzungen, Zeitschriften und unpublizierte universitäre Arbeiten. Katalogrecherchen können über die Datenbank des Robert Walser-Zentrums vorgenommen werden; für die Konsultation der Bestände stehen temporäre Arbeitsplätze zur Verfügung. Ausleihen außer Haus sind nicht möglich. Robert Walser-Ausstellung Das Robert Walser-Zentrum zeigt in seinen Räumlichkeiten thematisch wechselnde Ausstellungen mit Büchern, Manuskripten, Fotografien und Informationsmaterialien zu Robert Walser, seinem Umfeld und seiner Wirkung. Robert Walser-Preis Der Preis wird alle zwei Jahre gleichzeitig an ein französischsprachiges und ein deutschsprachiges Werk vergeben.
Ausstellungen | Ausstellung

Lika Nüssli: ›Für die Katz‹

Robert Walser-Zentrum

Dauerausstellung im Robert Walser-Zentrum Mit 69 Aquarellen von Lika Nüssli nach Feuilletons von Robert Walser Am 24. Oktober 2025 eröffnet das Robert Walser-Zentrum in Bern seine neue Dauerausstellung: Lika Nüssli: ›Für die Katz‹. Die preisgekrönte Künstlerin Lika Nüssli lässt sich von Robert Walsers rund 1000 Kurztexten inspirieren und verwandelt deren subtile Ironie in kraftvolle, poetische Aquarelle. In 69 grossformatigen Arbeiten entfaltet Nüssli einen verspielten und einfallsreichen bildnerischen Dialog mit Walser. Die Ausstellung markiert zugleich die Veröffentlichung der Feuilletonabteilung von Robert Walsers Werken in der massgeblichen Berner Ausgabe im Suhrkamp Verlag – ein literarisches Ereignis, das in Bern auch bildkünstlerisch gefeiert wird. Die sieben Bände umfassende Ausgabe, die in der Ausstellung aufliegt, versammelt Robert Walsers sämtliche kurzen Texte – Erzählungen und Prosastücke, Gedichte und Theaterszenen –, die ursprünglich in Zeitungen und Zeitschriften erschienen, in der Reihenfolge ihres Erscheinens. Dieses ›Schreiben für die Katz‹, wie Walser seine Arbeit für die Medien jener Zeit nannte, bildete sein literarisches Hauptgeschäft. Er betrieb es während seiner ganzen Autorenkarriere – von den ersten Gedichten im Jahr 1898 bis zu den letzten, 1948 von seinem Vormund veröffentlichten Texten. Die Feuilletons zeigen Walser als scharfen Beobachter seiner Zeit, als Meister der Miniatur und als unermüdlichen Experimentator mit Sprache und Form. Mit der Berner Ausgabe werden diese Texte nun erstmals in einer kommentierten Edition vollständig und für ein breites Publikum zugänglich gemacht. Mit Robert Walser ist Lika Nüssli, die St. Galler Künstlerin, die mit ihrer eindrücklichen Graphic Novel Starkes Ding internationale Aufmerksamkeit erlangte, auf besondere Weise vertraut. »Robert Walser ist für mich jemand, den ich schon immer zu kennen glaube«, sagt sie. Bereits in ihrer Jugend stiess sie auf sein Werk – durch die Bücher ihrer Schwester, ein Theaterstück in Herisau und später durch die faszinierenden Mikrogramme. Walsers Schriften, »voll wunderbarer Ironie und frechem Augenzwinkern«, begleiten sie bis heute. »Zeichnen bedeutet für mich nachdenken, die Welt beobachten und in eine Form bringen – als Vorschlag, als Angebot für andere.« In ihrer Ausstellung macht Nüssli sichtbar, wie sie Walsers Geschichten weiterspinnt, verdreht und ins Offene, Fluide erweitert. Ihre Werke entstehen aus dem Moment heraus, im Vertrauen auf die Assoziation, und verwandeln Zeit und Raum in jenes »kleines Nichts«, das sich zwischen Walser, seinem Werk und ihr selbst auftut. Lika Nüssli erforscht und erprobt Narration in vielfältigen Formen. Ihr umfangreiches Werk, das Zeichnungen, Illustrationen, Performances und Texte umfasst, wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Schweizer Literaturpreis 2023 für die Graphic Novel Starkes Ding, erschienen in der Edition Moderne. Die Ausstellung Lika Nüssli: ›Für die Katz‹ ist eine ebenso eigenwillige wie originelle Auseinandersetzung mit Robert Walsers Feuilletons und zugleich eine Hommage an dessen unverwechselbares literarisches Universum. Publikation zur Ausstellung Robert Walser: Feuilletons. Verstreute Publikationen zu Lebzeiten. 7 Bde. Berlin: Suhrkamp 2025. – Erhältlich in jeder Buchhandlung oder direkt im Robert Walser-Zentrum! Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 13–17 Uhr und nach Vereinbarung Freier Eintritt, Führungen auf Anfrage
Ausstellungen | Ausstellung

Ulay, Ulay & Abramović

Staatliche Museen zu Berlin

Vor fünfzig Jahren, am 12. Dezember 1976, „stahl“ Ulay Carl Spitzwegs Der arme Poet (1839) aus der Neuen Nationalgalerie und brachte das Gemälde in die Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie nach Berlin-Kreuzberg. Ein halbes Jahrhundert später greift die Neue Nationalgalerie diese grenzüberschreitende Intervention mit der Ausstellung „Ulay, Ulay & Abramović“ auf und bringt Ulays Werk an den Ort zurück, an dem eine seiner bedeutendsten Aktionen stattfand. Ulay gilt als einer der bedeutendsten deutschen Konzeptkünstler, ist einem breiteren Publikum in Deutschland jedoch bis heute weitgehend unbekannt. Die Ausstellung gibt Einblick in Ulays frühes künstlerisches Schaffen, darunter „S’he“ (1973–1974), eine Serie intimer Selbstporträts, die sich mit Identität und Transformation auseinandersetzt, sowie „FOTOTOT“ (1976), bei der unbelichtete bzw. nicht fixierte Fotografien unter Lichteinwirkung allmählich verschwinden. Die Arbeit ist Teil einer umfassenderen Reihe von Experimenten, in denen Ulay die vermeintliche Objektivität, Dauerhaftigkeit und den Beweischarakter des fotografischen Bildes hinterfragt und die Grenzen der Fotografie hin zur Performance und zu anderen Formen künstlerischer Aktionen erweitert. Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung die einzigartige Zusammenarbeit zwischen Ulay und Marina Abramović über einen Zeitraum von zwölf Jahren, von 1976 bis 1988. „Der arme Poet“ kehrt zurück Im Zentrum der Ausstellung steht Ulays Aktion von 1976 und deren filmische Dokumentation „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“. Die Arbeit stellte das Museum als Ort kultureller Autorität infrage und richtete den Blick auf die gesellschaftlichen Realitäten jenseits des Museums. Indem Ulay Spitzwegs ikonisches Werk „Der arme Poet“ in die Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie brachte, stellte er im West-Berlin der 1970er-Jahre Vorstellungen von kultureller Repräsentation, Zugehörigkeit und Ausschluss infrage. Fünf Jahrzehnte später bringt die Neue Nationalgalerie die Arbeit in einen Dialog mit einer Version von „Der arme Poet“, die aus dem Grohmann Museum in Milwaukee als Leihgabe gezeigt wird. Gemeinsam eröffnen die Werke neue Perspektiven auf künstlerische Interventionen, institutionelle Rahmenbedingungen sowie unterschiedlich erfahrene Lebensumstände und Umgebungen. Ulay und Marina Abramović 1975 lernten sich Ulay und Marina Abramović in Amsterdam kennen und entwickelten bald eine enge persönliche und künstlerische Partnerschaft. Zwischen 1976 und 1988 realisierten die beiden Künstler*innen wegweisende Performances, in denen sie ihre Körper als Medium einsetzten, um Fragen von Identität und institutionellen Grenzen zu untersuchen. Ihre Zusammenarbeit begann mit „Relation in Space“ (1976), das im Rahmen der 38. Biennale di Venezia aufgeführt wurde und in dem sie körperliche Begegnung, Wiederholung und gegenseitige Präsenz erforschten. Ihren Höhepunkt fand sie in „The Lovers“ (1988), ihrer 90-tägigen Reise entlang der Chinesischen Mauer. Die Ausstellung vereint Videos, Fotografien, Skulpturen und Zeichnungen sowie Skizzen und Briefe sowie eine Live-Performance von „Imponderabilia“ (1977), einer wegweisenden Performance von Ulay und Marina Abramović. Darin stehen die beiden Künstler*innen nackt einander zugewandt in einem schmalen Eingang und laden die Besuchenden ein, zwischen ihren Körpern hindurchzugehen. Die Performance wird täglich von 15 bis 16:30 Uhr in der Ausstellung aufgeführt. Gemeinsam geben die Arbeiten nicht nur Einblick in die Performances selbst, sondern auch in die dahinterliegenden Prozesse, Diskussionen und Überlegungen. Sie zeigen, wie Ulay und Marina Abramović ihre künstlerische Praxis in den Alltag integrierten und dabei Zusammenarbeit und Selbstrepräsentation neu definierten. Zugleich stellten sie etablierte Vorstellungen von Autor*innenschaft und Individualität sowie die Grenzen zwischen Kunst und Leben infrage. Ihre Arbeiten untersuchten Verletzlichkeit, Ausdauer, Vertrauen und gegenseitige Abhängigkeit und gelten als Meilensteine der Performancekunst. Die Ausstellung wird von der Neuen Nationalgalerie anlässlich des 50. Jahrestags von Ulays Performance „Irritation – There is a Criminal Touch to Art“ organisiert. Sie zeigt eine Auswahl von Ulays Einzelwerken im Kontext dieser wichtigen Phase seiner künstlerischen Praxis. Darüber hinaus präsentiert sie ausgewählte Materialien und Kunstwerke aus „ART VITAL – 12 Years of Ulay / Marina Abramović“, ursprünglich konzipiert von Alenka Gregorič und Felicitas Thun-Hohenstein und erstmals in der Cukrarna Gallery / MGML (30. November 2025–10. Mai 2026) gezeigt, in Zusammenarbeit mit Lena Pislak – ULAY Foundation und Sydney Fishman – Marina Abramović Archives. Kuratorisches Team: „Ulay, Ulay & Abramović“ wird von Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, gemeinsam mit Ricarda Bergmann, Neue Nationalgalerie, sowie Alenka Gregorič, künstlerische Leiterin der Cukrarna Gallery, kuratiert. Kuratorische Assistenz: Nikola Richolt. Ausstellungsimpressum: Bildung und Vermittlung: Felicitas Fritsche-Reyrink, Julia Freiboth Restaurierung: Hana Streicher, Ella Dudew Kommunikation: Markus Farr, Maribel Nicolás Cabello Sammlungsverwaltung: Paul Markus, Torsten Neitzel Art Handling: Lutz Bertram Ausstellungstechnik und Objektbetreuung Architektur: LICHTblick Bühnentechnik Ausstellungsgrafik: Any Studio Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Bild: Ulay, IRRITATION – THERE IS A CRIMINAL TOUCH TO ART, Detail, 1976, Filmstill © Ulay. Courtesy ULAY Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2026)
Ausstellungen | Ausstellung

„BIZARR“ - Die Geschichte des verrücktesten Wortes der Welt

Staatliche Museen zu Berlin

Seit mehr als 700 Jahren bezeichnet das Wort „bizarr“ Phänomene, die die vertraute Ordnung der Welt radikal in Frage stellen: psychische Ausnahmezustände und Träume, Naturwunder, Monster, kühne Ideen und erstaunliche Erfindungen. Erstmals erzählt eine Ausstellung die ganze Geschichte dieses Wortes – mit historischen Quellen und zahlreichen Gemälden, Zeichnungen und Grafiken. Die Geschichte beginnt in Dantes Inferno mit einem Höllenbewohner, der sich in rasender Wut selbst zerfleischt, und endet 700 Jahre später mit einer überraschenden Umkehrung: Die Wirklichkeit selbst wird bizarr. Die Ausstellung verfolgt die ungewöhnliche Karriere des Wortes „bizarr“ von seinem ersten Erscheinen in Dantes Inferno über die Buch- und Bilderwelten der Renaissance bis zur Bewusstseinstheorie und Kosmologie des 21. Jahrhunderts. Zu sehen sind bislang selten oder noch nie gezeigte Zeichnungen, Druckgrafiken, Bücher aus den Museumssammlungen der Kunstbibliothek sowie Meisterwerke der Gemäldegalerie, der Alten Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts. Die Akteure dieser Geschichte bilden eine denkbar bunte Gesellschaft: unter anderen Dante Alighieri (1265–1321), Hieronymus Bosch (um 1450–1516), Michelangelo (1475–1564), Piero di Cosimo (1462–1522), Francisco de Goya (1746–1828), Frank Zappa (1940–1993) und am Ende Superman mit seinem verrückten Gegenbild „Bizarro“ aus dem Universum „Bizarro World“. Ausstellung in acht Sektionen In acht Sektionen erzählt die Ausstellung, wie Worte und Bilder über Jahrhunderte unsere Vorstellung vom Bizarren formten – und erschließt dabei eine fantastische, vielfach noch unbekannte Bilderwelt der Kunstgeschichte. Furor Die Geschichte des Wortes beginnt mit einem Wutexzess. In Dantes Inferno erscheint „bizarr“ Anfang des 14. Jahrhunderts erstmals auf der großen Bühne der Literatur: als Bezeichnung für die Seele eines Florentiner Adligen („El fiorentino spirito bizarro“), der sich in rasender Wut in der Hölle selbst zerfleischt. Das Wort geht vermutlich auf „bizza“ zurück, einen lautmalerischen Ausdruck für einen plötzlichen Zornausbruch. In der Renaissance wurde der Furor zugleich zum Sinnbild kreativer Schaffenswut. Als „bizarr“ galten nun auch Künstler, deren entfesselte Fantasie Werke jenseits des Vorstellbaren hervorbrachte. So verwandelte sich eine Bezeichnung für den Verlust der Selbstkontrolle in ein Gütesiegel schöpferischer Kühnheit. Traum Der Traum ist der Furor des Schlafes. Wie der Wahnsinn erzeugt er im Kopf eine Wirklichkeit, die nicht den Regeln der Wachwelt gehorcht. Schon im 16. Jahrhundert sprang die Bezeichnung „bizarr“ deshalb vom Furor auf den Traum über. Besonders die Werke von Hieronymus Bosch galten als Traumbilder und Schöpfungen „bizarrer Dinge“. Die Sektion „Traum“ zeigt, wie diese „bizarren“ Traumfantasien der Renaissance unsere Vorstellung von der Gegenwelt der Träume bis heute prägen. Im 20. Jahrhundert wurde „bizarreness“ schließlich zu einem Fachbegriff der Psychologie: Mit ihm beschreibt die Traumforschung, wie stark ein Traum von der persönlichen Wachwirklichkeit abweicht. Capriccio In der Renaissance galt der menschliche Geist als ebenso sprunghaft wie eine Ziege – italienisch „capra“. Menschen, die ihre Gedanken und Gefühle nicht beherrschten, wurden als „kapriziös“ bezeichnet. Um 1600 machten Künstler aus dieser Unberechenbarkeit eine kreative Methode, das „Capriccio“. Im Capriccio ließen sie den Bildern in ihren Köpfen freien Lauf und bannten den Einfall auf Papier. Das Wort „bizarr“ wurde zum Versprechen einer Kunst jenseits der Konventionen. Eine der kühnsten Capriccio-Serien des 17. Jahrhunderts trägt den Titel Bizzarie di varie figure (1624). Ihr Schöpfer Giovanni Battista Bracelli (um 1584–1650) wurde drei Jahrhunderte später von dem Dadaisten Tristan Tzara (1896–1963) als ein Prophet der Moderne gefeiert. Groteske Grotesken verbinden Architektur, Kunsthandwerk sowie Tier- und Pflanzenformen zu fantastischen Bildwelten. Ihren Namen verdanken sie den „Grotten“ verschütteter römischer Ruinen, in denen Ende des 15. Jahrhunderts antike Wandmalereien entdeckt wurden. Im flackernden Fackellicht schienen diese rätselhaften Ornamente wie die Bilder eines Traumes. Der Kunsttheoretiker Daniele Barbaro (1514–1570) bezeichnete Grotesken deshalb als die „Träume der Malerei“. Für das Wort „bizarr“ eröffnete sich damit ein neues Wirkungsfeld. Es kennzeichnete nun vor allem jene Werke, in denen Künstler die konventionelle Kunst mit einer besonderen Mischung aus Furor und träumerischer Fantasie übertrafen. Staunen Das Bizarre fällt aus dem Gewohnten heraus. Es überrascht, fesselt die Aufmerksamkeit und bleibt im Gedächtnis – ein Phänomen, das die moderne Wahrnehmungspsychologie als „bizarreness effect“ bezeichnet. Seit Jahrhunderten brechen Menschen gezielt mit Konventionen, um Staunen hervorzurufen und sich als einzigartig zu inszenieren. Im Barock wurde diese Strategie zu einem gesellschaftlichen Phänomen: In Kunst, Mode und öffentlichem Auftreten wetteiferten Männer und Frauen um Originalität. Auch Frank Zappa setzte mit seinem 1968 gegründeten Musiklabel BIZARRE auf diese Strategie, um sich vom Mainstream abzuheben. Chimäre Chimären sind Wesen, die Merkmale unterschiedlicher Organismen in sich vereinen. Seit der Renaissance faszinieren sie Kunst und Wissenschaft, weil sie jede eindeutige Zuordnung verweigern. „Bizarr“ wurde zum Etikett für solche Grenzwesen und für eine Fantasie, welche die bekannte Tier- und Pflanzenwelt immer wieder neu zusammensetzt. Auch Menschen können sich mit Masken in Chimären verwandeln, um andere Identitäten anzunehmen. In dieser Tradition gewann die Bedeutung des Bizarren im 20. Jahrhundert eine neue Dimension: Das Wort bezeichnete nun nicht mehr nur fantastische Abweichungen von der Natur, sondern zunehmend auch Formen freier Selbstbestimmung. Gelächter Lachen entzündet sich häufig an Ereignissen, die aus dem Rahmen fallen: an Missgeschicken, Übertreibungen oder Anstößigkeiten. Zugleich ist das Lachen selbst eine Störung. Es bricht plötzlich hervor und lässt sich nur schwer kontrollieren. Wie Furor, Traum und Groteske konnte das Komische bestehende Ordnungen infrage stellen. Für die Verbreitung des Wortes „bizarr“ bot es daher ideale Bedingungen. Die im 17. Jahrhundert noch ganz junge Bildgattung der Karikatur wurde als „invenzione bizzarissima“ bewundert, und die Komödien wimmelten von „bizarren“ Charakteren. Lachbilder wurden unter dem Label „bizarria da ridere“ (Bizarrerie zum Lachen) gehandelt. Bizarro World Die Geschichte des Bizarren folgt einem markanten Muster: Das Wort siedelt sich überall da an, wo die vertraute Welt Risse bekommt und geltende Logiken versagen. Lange blieb das Bizarre jedoch die Ausnahme von der Regel, ein Störfall in einer geordneten Wirklichkeit. Nur die Satire wagte es, die ganze Welt ins Bizarre zu verkehren. Die letzte Sektion der Ausstellung versammelt eine Auswahl der kühnsten und fantastischsten dieser kosmologischen Bildsatiren. Im 21. Jahrhundert wird aus Spaß und Humor allerdings Ernst. Physik und Neurowissenschaften stellen die Frage, ob nicht einzelne Erscheinungen, sondern unsere klassischen Weltbilder „bizarr“ sind. In der Theorie der „Universal Bizarreness“ des amerikanischen Philosophen Eric Schwitzgebel (geb. 1968) vollzieht sich die entscheidende Umkehrung: Das Bizarre wird zum neuen Normalzustand – und die vermeintliche Normalwelt selbst erscheint bizarr. Das Schlüsselbild für diese kosmische Eskalation liefert Hieronymus Bosch. Sein doppelseitiges Gemälde aus der Gemäldegalerie zeigt auf der Vorderseite eine harmonische Welt mit dem Evangelisten Johannes. Auf der Rückseite ist diese Normalwelt zu einer bizarren Blase in einem Kosmos geschrumpft, in dem die Mächte des Chaos regieren. Mit diesem Werk verabschiedet die Ausstellung ihr Publikum: Die Reise durch die Geschichte des Wortes „Bizarr“, die mit einem rasenden Menschen in Dantes Hölle begann, endet in einem verrückten Universum. Ein reich bebilderter Ausstellungskatalog bündelt die umfangreiche Forschungsarbeit, auf der die Ausstellung beruht, und rekonstruiert erstmals die Karriere des Wortes „bizarr“. Zahlreiche Geschichten, Quellen und Objekte, die in der Ausstellung keinen Platz finden konnten, erweitern darin das Panorama des Bizarren: „BIZARR“: Die Geschichte des verrücktesten Wortes der Welt, herausgegeben von Moritz Wullen, circa 256 Seiten, circa 160 Farb- und S/W-Abbildungen, deutsch/englisch, Hardcover, E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2026, 49 Euro Ein Audioguide und ein Podcast begleiten die Ausstellung durch ihre acht Sektionen. Darin erkunden der Kriminalbiologe Mark Benecke und Moritz Wullen, Direktor der Kunstbibliothek und Kurator der Ausstellung, gemeinsam die Geschichte des Bizarren und fragen, wo es uns heute begegnet. Im Gespräch schlagen sie den Bogen von Dantes Inferno bis zu den Abgründen und Merkwürdigkeiten der Gegenwart. Eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin (Bild: Illustration aus: Jean-Jacques Grandville, Un autre Monde, Paris 1844, S. 142, Detail Fotonachweis: Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek)
Ausstellungen | Ausstellung

Klangkörper – Variationen über ein Thema der Kunst.
Eine Musik-Intervention im Bode-Museum

Staatliche Museen zu Berlin

Die Ausstellung „Klangkörper“ spürt dem Sound ausgewählter Objekte im Bode-Museum nach – von spätantiken Textilien, mittelalterlichen Engelschören bis hin zu Antonio Canovas „Tänzerin“. Als Zusammenarbeit der Skulpturensammlung und des Museums für Byzantinische Kunst mit dem Hamburger Bahnhof und dem Musikinstrumenten-Museum, erkundet die Intervention den Dialog zwischen plastischer Kunst sowie Klang und Bewegung. Historische und moderne Musikinstrumente treten in Beziehung zu Kunstwerken, in denen Musik dargestellt ist. Dabei entstehen faszinierende Gegenüberstellungen, unerwartete Einblicke und sinnliche Erlebnisse, die Kunst sichtbar und hörbar machen. Eine Sonderausstellung von Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, dem Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart – Staatliche Museen zu Berlin sowie dem Musikinstrumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz (Bild: Violine, F. Krolikowski, Foggia (Italien), 1946, Plexiglas. Liebhaberarbeit, in Kriegsgefangenschaft hergestellt © SIMPK/Barnes Ziegler)
Ausstellungen | Ausstellung

Sophie Calle: Is It Better?

Staatliche Museen zu Berlin

Sophie Calle zeigt ihre erste Einzelausstellung in Berlin seit über 20 Jahren im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Sechs Werkkomplexe der letzten drei Jahrzehnte aus Fotografie, Text, Installation und Video geben einen Einblick in die Medienvielfalt der französischen Konzeptkünstlerin. Calle befasst sich oft autobiografisch, düster aber zugleich humorvoll mit den Auswirkungen von Erinnerung, Verlust und Geschichte. Anlässlich des 30. Jubiläums des Museums entsteht ein neues Werk, das als Schenkung in die Sammlung des Hamburger Bahnhof eingeht. Ausgangspunkt von Sophie Calles Einzelausstellung ist ein Werk der Serie „Die Entfernung“ aus der Sammlung des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Die Serie entstand in Berlin 1996, dem Gründungsjahr des Museums. Die zwölf Fotografien zeigen öffentliche Orte in Berlin, an denen Symbole der DDR nach der Wiedervereinigung entfernt wurden, verbunden mit Beschreibungen von Passant*innen. Erstmalig nach ihrem Entstehen für das Musée d‘Orsay in Paris wird außerdem die raumgreifende Installation „Les fantômes d’Orsay“ (2022) ausgestellt. Zwischen 1978 und 1981 hielt sich Calle fast täglich in Zimmer 501 des verlassenen Hotels im ehemaligen Bahnhof Gare d’Orsay auf, der wie der Hamburger Bahnhof zum Kunstmuseum wurde. Die Installation vereint gefundene Objekte sowie Fotografien und Texte. Sophie Calle (geboren 1953 in Paris) lebt und arbeitet in Malakoff, Frankreich. Sie arbeitet in den Medien Fotografie, Text, Performance und Video und beschäftigt sich mit Themen wie Voyeurismus, Überwachung, Liebe, Intimität, Gewalt und Tod. In den meisten ihrer konzeptionell angelegten Werkserien kombiniert sie Bild und Schrift. 2007 vertrat sie Frankreich auf der Biennale di Venezia. Internationale Museen zeigten ihre Werke, unter anderem Art Institute of Chicago, Centre Pompidou Paris, Musée d’Orsay Paris, Tate Britain London, Hara Museum Tokyo, Museo de Arte Contemporáneo de Santiago, Musée Picasso. Calles Werke befinden sich in bedeutenden Sammlungen wie dem Metropolitan Museum of Art und dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York sowie dem Louisiana Museum (DNK) und der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin. Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Ausgabe der Katalogreihe des Hamburger Bahnhof, herausgegeben von Silvana Editoriale. Die Ausstellung wird kuratiert von Sam Bardaouil, Direktor des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart und Lisa Hörstmann, Kuratorin am Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Die Ausstellung eröffnet zum Jubiläumswochenende 30 Jahre Hamburger Bahnhof vom 13. bis 15. November 2026. Der Hamburger Bahnhof feiert 2026 sein 30-jähriges Bestehen mit einem Programm, das den Bogen von der Geschichte des Ortes bis in die Zukunft spannt: Acht Sonderausstellungen, eine neue Sammlungspräsentation sowie Performances und Konzerte tragen das Museum weit in den Stadtraum hinaus. Am Jubiläumswochenende vom 13. bis 15. November 2026 findet eine internationale Konferenz zur Zukunft zeitgenössischer Sammlungsmuseen statt, und das Haus ist für 30 Stunden durchgehend geöffnet. Die Ausstellung wird unterstützt von den Hamburger Bahnhof International Companions e. V. und der Alexander Tutsek-Stiftung. Die Abbildungen der Werke von Sophie Calle sind urheberrechtlich geschützt. Eine Vervielfältigung ist nicht gestattet. Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (Bild: Sophie Calle, DDR Wappen (Palast der Republik), 1996, Farbfotografie und Buch, 2-teilig, 120 x 90 x 4 cm (Bild), Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Dauerleihgabe der Commerzbank © Sophie Calle. VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Courtesy of the artist and Arndt Art Agency. Foto: Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart / Thomas Bruns)
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ARTMUC international art fair 2026 - Herbstmesse

ARTMUC Kunstmesse

Zeit für neue internationale Kunst – auf der ARTMUC! Vom Freitag 23. bis Sonntag 25. Oktober steht die Landeshauptstadt erneut wieder ganz im Zeichen internationaler Kunst: die ARTMUC, Bayerns größtes Kunstevent, lädt als Höhepunkt des Münchner Kunstherbst mehr als 190 internationale Galerien, Projekte und KünstlerInnen nach München und präsentiert drei Tage lang die Vielfalt des globalen Kunstmarkts. Mit mehr als 190 jurierten, internationalen KünstlerInnen, Galerien und Kollektiven präsentiert die ARTMUC auch in diesem Herbst wieder ein international breites Spektrum künstlerischer Positionen Mit TeilnehmerInnen aus mehr als 15 Ländern präsentiert sich die internationale Kunstszene erneut im Rahmen der aktuellen Ausgabe. Das auf der ARTMUC präsentierte Spektrum reicht von Malerei über Skulpturen, Collagen, Fotografien bis hin zu digitaler Kunst. Die TeilnehmerInnen kommen u.a. aus Portugal, der Schweiz, den UK, Österreich, Italien, Frankreich, Belgien. Spanien und Übersee wie bspw. Australien, Korea, Brasilien etc. Bei der aktuellen Herbstausgabe präsentieren sich ebenfalls internationale Galerien und Projekte, die auch bei anderen internationalen Messen wie der Art Karlsruhe, der ART Basel Hongkong oder der ART Busan aktiv waren - u.a. die die Tableau Gallery aus Seoul / Korea, the Gallery Steiner aus Wien / Österreich oder die ARTLAB Gallery aus Ponzano Veneto / Italien sowie als besonderes Highlight die Sheen Gallery aus Shanghai / China. Die ARTMUC forciert jedoch auch einen starken lokalen Bezug und unterstützt Münchner Institutionen wie die „Geselligen Vereinigung Bildender Künstler Münchens e.V.“ (GVbKM), die erneut Ihre Mitglieder in einer Förderkoje im Oktober vor Ort präsentiert. International global Der bereits seit einigen Jahren ausgebaute Ansatz auf internationale Kunst und Netzwerke fokussiert in diesem Jahr vor allem China. Nach der Präsentation der chinesischen Sammlerin Yan Sun im Mai lädt das Team der ARTMUC um Veranstalter Raiko Schwalbe die junge SHEEN GALLERY aus Shanghai für einen interkulturellen Austausch zur ARTMUC ein. Die Sheen Gallery wurde 2025 in Shanghai gegründet und versteht sich als metaphysischer Erzähler der Gegenwart und hat es sich zur Aufgabe gemacht, als spiritueller Knotenpunkt der Kunst zu fungieren, an dem östliche Weisheit und globale Visionen in der heutigen Kulturlandschaft aufeinandertreffen. Auf der ARTMUC im Herbst 2026 werden vier Künstler der Sheen Gallery den Dialog zwischen dem Metaphysischen und dem Physischen erforschen. Ganz im Sinne des I Ging, das besagt: „Was über der Form steht, ist das Tao; was in der Form ist, ist das Werkzeug“, schlagen die Künstler eine Brücke zwischen beiden Bereichen: YANG Yanlaimit mit der „Guan Ying“-Serie, inspiriert vom Buch der Lieder. Die Vögel und Wolken erschaffen eine spirituelle Utopie, in der sich chinesische Tradition mit Volkskunst verbindet, und geben uns einen Schlüssel an die Hand, um die Tür zu unserer Sehnsucht nach Idylle und reiner Liebe zu öffnen. LIU Yingcong mit der „Simulation“-Serie, welche die visuelle Realität hinterfragt. Weiterhin werden CHEN Jiayi mit der Serie „Qi Xie Ying Zhi“ die zu Urmythen und zur Erde zurückkehrt und WANG Chunwei mit Porträts, die über die Form hinausgehen, um die Seele darzustellen im Rahmen der Herbstausgabe der ARTMUC dem Münchner Publikum in einer Förderkoje präsentiert. Verantwortung tragen – helfen Die ARTMUC Kunstmesse unterstützt seit ihrer Gründung im Jahr 2014 bei jeder Ausgabe verschiedene soziale Projekte. Bei der aktuellen Ausgabe kooperiert die ARTMUC erneut mit den Soroptimisten - eine NGO und weltweit die größte Organisation berufstätiger Frauen mit gesellschaftspolitischem Engagement – bei der aktuellen Herbstausgabe mit Fokus auf den Münchner Akteurinnen. Die ARTMUC möchte Hilfestellung bei einem gesellschaftlich sehr relevanten Ansatz „Frauen in der Obdachlosigkeit – Schutz und Hilfe“ geben und das Thema auch für die breite Gesellschaft sensibilisieren. Dazu möchte die ARTMUC Spenden in Form von Kunstwerken der teilnehmenden KünstlerInnen generieren und die Erlöse dem Projekt der Soroptimisten zugutekommen lassen. Das erklärte Ziel der ARTMUC ist es, jungen, aufstrebenden KünstlerInnen eine Plattform zu geben, damit diese sich einer breiten Öffentlichkeit gegenüber präsentieren und ihre Kunst auch direkt vor Ort an die Besucher verkaufen können. Die ARTMUC fokussiert eine deutliche Steigerung der Sichtbarkeit von KünstlerInnen und deren Förderung sowie der Außenwahrnehmung Münchens als Kunst- und Kulturstadt. Ein Besuch der ARTMUC lohnt sich, denn so viel Kunst, Inspiration und Spaß findet man selten an einem Wochenende. Und wenn man ein Kunstwerk, das einem gefällt, findet, kann man es auch kaufen, mitnehmen und sofort zu Hause in der eigenen Wohnung aufhängen. Öffnungszeiten: Freitag 23.10.2026 / 18:30 – 21:30 Uhr Samstag, 24.10.2026 / 11:00 – 19:00 Uhr Sonntag, 25.10.2026 / 11:00 – 18:00 Uhr Eintritt: Neu: 1x zahlen – an allen Tagen die ARTMUC besuchen Erwachsene einmalig 18 EUR (Zutritt an allen Tagen) Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben freien Eintritt Location und Anfahrt: MTC Supreme Locations / Ingolstädter Straße 45-47 / 80807 München ACHTUNG Baustelle auf der Ingolstädter Straße – Die Zufahrt zur Location über die Ingolstädter Straße ist zurzeit wegen einer Baustelle gesperrt. Ca 100m weiter in Richtung „Frankfurter Ring“ wird es rechts eine neue Einfahrt zum Gelände an der Ingolstädter Straße geben. Unsere Security wird Sie einweisen. Alternativ ist der Zugang über die Taunusstraße problemlos möglich. - ca. 1.000 Pkw-Parkplätze vor Ort - U2 – Haltestelle Frankfurter Ring (dann ca. 7 Min zu Fuß zur Location in Richtung Ingolstädter Straße) - Buslinien 140 / 141 / 177 – Haltestelle Ingolstädter Straße
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ARTfair Innsbruck am Puls der Zeit - REX|LAB – Kunst als experimentelle Praxis

ARTfair INNSBRUCK

Das REX|LAB der Universität Innsbruck unter der Leitung von Prof. Marjan Colletti präsentiert auf der ARTfair Innsbruck Oktober 2026 die künstlerischen Möglichkeiten robotischer additiver Fertigung. Beim Fused Deposition Modeling (FDM) werden digitale Entwürfe live und Schicht für Schicht in physische Formen übersetzt. Im Zusammenspiel von Algorithmus, Maschine und Material entstehen individuelle Strukturen, Muster und fließende Farbübergänge. Der experimentelle Prozess macht sichtbar, wie digitale Präzision und die Eigenlogik des Materials zu neuen gestalterischen Ausdrucksformen verschmelzen. An der Schnittstelle von Architektur, Kunst, Robotik und Materialforschung zeigt das REX|LAB additive Fertigung nicht nur als Technologie, sondern als eigenständiges künstlerisches Medium – live produziert und unmittelbar Teil der Ausstellung.
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ARTfair Innsbruck meets future – KI in der Kunst:

ARTfair INNSBRUCK

Die Medienkünstler und Performer Attila.Attila aus Innsbruck zeigt eine faszinierende Installation und Objekte, welche mit KI umgesetzt und schon in großen internationalen Ausstellungen gezeigt wurden. Das Konzept der Präsentation ist, den Besuchern einen interaktiven Zugang zu AI in der Kunst zu zeigen.
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ART-Special IV:
Phantastischer Realismus gestern und heute

ARTfair INNSBRUCK

Ein weiteres Highlight stellt die erneute Teilnahme der Galerie Dikmayer Berlin Mitte dar, die – wie in den Vorjahren – eine Neuauflage des ART-Specials zum Thema „Positionen des phantastischen Realismus der Wiener Schule und in zeitgenössischen Interpretationen“ präsentiert. Diese kuratierte Sonderschau unter der Leitung des Dipl.-Kulturwissenschaftlers Joachim Dikmayer entsteht in Kooperation mit dem Henry van de Velde Museum – Haus Schulenburg Gera. Gezeigt werden unter anderem Werke von Rudolf Hausner, Ernst Fuchs, Jens Faesel, Bernd Schiller, Thorsten Gebhard und weiteren Künstlern, die die Tradition des Phantastischen Realismus auf beeindruckende Weise fortschreiben oder neu interpretieren.
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ART-Special II:
Bilderwald

ARTfair INNSBRUCK

Ein Opus der Tiroler Künstlerin Philomena Pichler wandelbares Gesamtkunstwerk., das zum Schauen, Entdecken und Staunen einlädt. Über viele Jahre hinweg entwickelte und erschuf die Künstlerin eine ganz eigene Welt aus Bäumen, die auf den ersten Blick wie farbenprächtige Objekte erscheinen. Bei genauerem Hinsehen eröffnet sich jedoch eine schier unendliche Fülle an Bildern, Formen, Farben und kleinen Geschichten. Die einzelnen Bäume lassen sich drehen und eröffnen dadurch immer neue Perspektiven. Genau diese spielerische Idee war Philomena Pichler wichtig: dass man immer wieder etwas Neues findet und Freude am Schauen hat.
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ART-Special I:
Museale Schau Bettina Heinen-Ayech Foundation München

ARTfair INNSBRUCK

Kunst als Brücke zwischen Europa und Algerien – zwischen Kunstgeschichte und Gegenwart - hochkarätige museale Sonderausstellung der Bettina Heinen-Ayech Foundation München als Zeichen für die Verbindung von Kunstmarkt, kulturellem Erbe und kunsthistorischer Forschung Erstmals erfährt die Bettina Heinen-Ayech Foundation der deutsch-algerischen Malerin Bettina Heinen-Ayech (1937–2020) eine umfassende Solo-Ausstellung im Rahmen einer internationalen Kunstmesse. Gezeigt werden ausgewählte Hauptwerke aus ihrem umfangreichen Nachlass, darunter zahlreiche selten sowie teilweise bislang noch nie öffentlich präsentierte Arbeiten. Sie dokumentieren eindrucksvoll die künstlerische Entwicklung einer außergewöhnlichen Malerin, deren Werk heute verstärkt kunsthistorische Aufmerksamkeit erfährt. Mit dieser hochkarätigen musealen Sonderausstellung der Bettina Heinen-Ayech Foundation München setzt die ARTfair Innsbruck, Österreichs traditionsreichste internationale Kunstmesse, zugleich ein Zeichen für die Verbindung von Kunstmarkt, kulturellem Erbe und kunsthistorischer Forschung und richtet den Blick auf eine der herausragendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts ​ Eine außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit zwischen Europa und Nordafrika Bettina Heinen-Ayech zählt zu den eigenständigsten Landschaftsmalerinnen der europäischen Nachkriegskunst. Nach ihrer Ausbildung an der Kölner Werkschule sowie an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf entwickelte sie früh eine unverwechselbare Bildsprache, deren besondere Qualität in der unmittelbaren malerischen Erfassung von Licht, Atmosphäre und Farbe liegt. Ihre meist unmittelbar vor der Natur entstandenen Aquarelle und Ölgemälde zeichnen sich durch außergewöhnliche Leuchtkraft, gestische Freiheit und hohe emotionale Dichte aus. Einen entscheidenden Wendepunkt nahm ihr Leben Anfang der 1960er-Jahre mit ihrer Reise nach Algerien. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, den algerischen Architekten Mohammed Ayech, kennen. Nach der Unabhängigkeit des Landes entschied sie sich bewusst für ein Leben in Algerien – eine außergewöhnliche Entscheidung für eine europäische Künstlerin jener Zeit. Dort entstand über Jahrzehnte ein einzigartiges Werk, das Landschaften, Städte und Menschen Nordafrikas mit großer Sensibilität und künstlerischer Eigenständigkeit festhält. Bis heute genießt Bettina Heinen-Ayech insbesondere in Algerien einen außergewöhnlichen Stellenwert. Sie gilt als bedeutende Kulturvermittlerin zwischen Europa und Nordafrika und als eine der wichtigsten europäischen Künstlerinnen, die das Land über Jahrzehnte hinweg malerisch dokumentiert haben. Ihre Werke befinden sich in öffentlichen Museen und renommierten Privatsammlungen in Europa und Nordafrika und waren Gegenstand zahlreicher Ausstellungen. Die Foundation als wissenschaftliche und kulturelle Institution Die in München ansässige Bettina Heinen-Ayech Foundation versteht sich als Kompetenzzentrum für Leben und Werk der Künstlerin. Sie widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung, Dokumentation und Digitalisierung des umfangreichen Nachlasses ebenso wie dessen konservatorischer Sicherung. In Zusammenarbeit mit Museen, Universitäten, Stiftungen und weiteren Kulturinstitutionen entstehen Ausstellungen, Publikationen und Forschungsprojekte, die das Werk Bettina Heinen-Ayechs dauerhaft im kunsthistorischen Diskurs verankern. Darüber hinaus engagiert sich die Foundation für den kulturellen Austausch zwischen Deutschland, Österreich, Algerien und dem Mittelmeerraum. Damit bewahrt sie nicht nur das künstlerische Vermächtnis Bettina Heinen-Ayechs, sondern führt deren lebenslanges Anliegen fort: Kunst als verbindende Sprache zwischen Kulturen und Gesellschaften zu verstehen. Die Präsentation auf der ARTfair Innsbruck markiert einen weiteren Meilenstein dieser Arbeit. Erstmals wird das Werk Bettina Heinen-Ayechs im Rahmen einer bedeutenden Kunstmesse in einer eigens kuratierten musealen Ausstellung vorgestellt und damit dem Kunsthandel ebenso wie Museumsvertreter:innen, Kurator:innen und einem breiten kunstinteressierten Publikum zugänglich gemacht.
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A Blaze of Mutes

Rainy Days - Festival für neue Musik

Monica Germino, Kuration Eine Ausstellung von einigen hundert Dämpfern für Violine Dauer: 390 / 690 / 780 / 720
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Next Door

Staatliche Museen zu Berlin

Tacita Dean, Thomas Demand, Olafur Eliasson, Henrik Håkansson und Tomás Saraceno kehren zurück zum Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart: In den frühen 2000er Jahren hatten sie Ateliers in angrenzenden Lagerhäusern. Diese Relikte der Berliner Industriegeschichte wurden teilweise in das Museumsgebäude integriert. 20 Jahre später treffen sich die fünf Künstler*innen anlässlich des 30. Jubiläums des Hamburger Bahnhof und zeigen in der Gruppenausstellung „Next Door“ neue und großformatige Werke. Das Wiedersehen bringt unterschiedliche künstlerische Werdegänge zusammen, die an diesem gemeinsamen Arbeitsort ihren Ausgangspunkt nahmen. Für die Gruppenausstellung „Next Door“ im Hamburger Bahnhof arbeiten Tacita Dean und Bruce Nauman an einem neuen Film, der sich auf Naumans ortspezifische Installation „Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care“ (1984/2010) am Ende der Rieckhallen bezieht. Thomas Demand lässt Pavillons mit großformatigen Fotografien durch den Raum schweben. Olafur Eliasson übersetzt Audiowellen in visuelle Phänomene, in denen überblendende Lichtkreise auf eine Klangkomposition reagieren. Henrik Håkanssons Videoinstallation untersucht ökologische Systeme anhand einer Choreographie des Flügelschlags eines Schmetterlings. Tomás Saraceno zeigt erstmals seit über 15 Jahren die Installation „14 Billions (Working Title)“ sowie eine fortlaufende Recherche zu Spinnennetzen und wie aus Spinnenangst (Arachnophobie) Spinnenliebe (Arachnophilie) wird. Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Ausgabe der Katalogreihe des Hamburger Bahnhofs, herausgegeben von Silvana Editoriale Milano. Die Ausstellung wird kuratiert von Sam Bardaouil, Direktor Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart und Ulya Soley, Kuratorin am Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogramms „30 Jahre Hamburger Bahnhof“. 2026 feiert der Hamburger Bahnhof sein 30-jähriges Bestehen mit einem Programm, das den Bogen von der Geschichte des Ortes bis in die Zukunft spannt: Acht Sonderausstellungen, eine neue Sammlungspräsentation sowie Performances und Konzerte tragen das Museum weit in den Stadtraum hinaus. Höhepunkt ist das Jubiläumswochenende vom 13. bis 15. November, an dem eine internationale Konferenz zur Zukunft zeitgenössischer Sammlungsmuseen stattfindet und das Haus für 30 Stunden durchgehend geöffnet ist. Die Ausstellung wird unterstützt von den Hamburger Bahnhof International Companions e. V. Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin (Bild: Tomás Saraceno, 14 Billions (Working Title), 2010. Installaton view at Bonniers Konsthall, Stockholm © Photo: Studio Tomás Saraceno; Courtesy of the artist with Arachnophilia and neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York; Andersen’s, Copenhagen; Pinksummer Contemporary Art, Genoa; Ruth Benzacar Gallery, Buenos Aires)
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Über Zeiten - Gursky, Lucas, Miró, Warhol und die Kunst des langen 19. Jahrhunderts

Staatliche Museen zu Berlin

In der Sonderpräsentation der Alten Nationalgalerie begegnen sich im Haus punktuell Werke von Künstlern des langen 19. und späten 20. Jahrhunderts. 1876 wurde die Nationalgalerie als Haus für zeitgenössische Kunst eröffnet. Heute ist sie unter dem Namen Alte Nationalgalerie das Stammhaus der Nationalgalerie und das Museum für die Kunst des langen 19. Jahrhunderts. Alle inzwischen sechs Häuser der Nationalgalerie eint eine gemeinsame Sammlung, von der Alten Nationalgalerie über die Neue Nationalgalerie bis hin zur Nationalgalerie der Gegenwart – Hamburger Bahnhof. Im Jubiläumsjahr bietet die Alte Nationalgalerie auf allen drei Etagen punktuelle Begegnungen von Werken des 20. Jahrhunderts und Arbeiten von Gegenwartskünstler*innen mit der Kunst des 19. Jahrhunderts und lädt zum assoziativen Schauen ein. Eine Sonderpräsentation der Alten Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, ermöglicht durch die FREUNDE der Nationalgalerie und großzügig unterstützt durch die Eva Leinemann Kunststiftung.
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Dschingis Khan und die Welt der Mongolen

Staatliche Museen zu Berlin

2027 jährt sich das Todesjahr Dschingis Khans, des Begründers des mongolischen Weltreiches, zum 800. Mal. Aus diesem Anlass stellt das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin diese zentrale Herrscherfigur in den Fokus einer großen Ausstellung und beleuchtet archäologisch die hierzulande nahezu unbekannte Welt der Mongolen. In der Ausstellung werden hochrangige Exponate aus einem halben Jahrtausend reiternomadischer Lebenswelten in bisher noch nicht gesehener Vielfalt gezeigt. Archäologische Schätze aus der Mongolei, von denen viele noch nie in einer Ausstellung außerhalb der Mongolei zu sehen waren, werden bereichert durch Leihgaben aus Polen und Rumänien sowie aus dem Deutschen Historischen Museum, aus der Staatsbibliothek zu Berlin und aus anderen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin. Sie geben einzigartige Einblicke in das „Mongolischen Jahrhundert“, das zwischen 1250 und 1350 die Welt nachhaltig veränderte. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Ergebnisse der mongolisch-deutschen Forschungen der letzten beiden Jahrzehnte, die unsere Vorstellungen vom Reich der Mongolen in vielerlei Hinsicht revidiert und erweitert haben. Die Eröffnung der Ausstellung in Berlin im Oktober 2026 wird in Anwesenheit des mongolischen Präsidenten im Rahmen eines Staatsbesuches in Deutschland stattfinden. Die Gesamtleitung des Ausstellungsprojektes liegt bei Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin. Kuratoren der Ausstellung sind Jan Bemmann (Universität Bonn) sowie Heino Neumayer, Anton Gass und Benjamin Wehry (Museum für Vor- und Frühgeschichte). In Kooperation mit: Chinggis Khaan National Museum; Mongolian Academy of Science Gefördert durch: Hauptstadtkulturfonds; Gonvernment of Mongolia - Ministry of Culture, Sports, Tourism and Youth; MIAT Mongolian Airlines (Bild: Reenactment mongolischer Krieger © Ghenggis Khaan National Museum)
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Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka

Staatliche Museen zu Berlin

Wie sehen wir uns selbst – und wie wollten Menschen zu verschiedenen Zeiten gesehen werden? Mit der großen Sonderausstellung „Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka“ lädt die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zu einer faszinierenden Reise durch die Geschichte des Bildnisses ein. Ungewöhnliche Gegenüberstellungen von Werken aus sechs Jahrhunderten offenbaren verblüffende Gemeinsamkeiten, lassen die Werke auf neue Weise lebendig werden und bieten die Möglichkeit, über Fremd- und Selbstdarstellung, Inszenierung, Rolle und Charakter nachzudenken. Dabei treffen Meisterwerke von Künstler*innen wie Botticelli und Lempicka, Dürer und Giorgione, Mino da Fiesole und Rogier van der Weyden oder Rubens und Gainsborough aufeinander. Das besondere Konzept: Bildnisse aus unterschiedlichen Jahrhunderten, Regionen und Kulturen kommen in Paaren zusammen und sprechen miteinander. Werke, die sich bisher nie begegnet sind, stehen sich in der Ausstellung erstmals gegenüber und ermöglichen eine frische Auseinandersetzung mit Aspekten wie Identität, Schönheit, Status oder Macht. Die neuen Konstellationen stellen nicht nur vertraute Erzählungen der Kunstgeschichte infrage, sondern machen sichtbar, wie eng individuelle Darstellung und gesellschaftliche Ordnung miteinander verknüpft sind. Denn Porträts sind mehr als nur Abbilder des Äußeren von Menschen. Sie erzählen von Selbstverständnis und Charakter, von Emotion und Inszenierung. Kleidung, Haltung und Accessoires sind Codes sozialer, politischer oder geschlechtlicher Zugehörigkeit. Porträts waren und sind ein wirkmächtiges Mittel der sozialen Repräsentation. Durch die Gegenüberstellung von Bildnissen aus unterschiedlichen Regionen und Zeiten werden künstlerische Entscheidungen und visuelle Strategien in der eigenen Anschauung für die Besucher*innen unmittelbar nachvollziehbar und verständlich. In den überraschenden Begegnungen der Werke offenbaren sich Unterschiede in der Gleichzeitigkeit ebenso wie Gemeinsamkeiten in der Ungleichzeitigkeit. Rund 90 Meisterwerke in vier Ausstellungskapiteln Ausgangspunkt der Ausstellung ist die international herausragende Sammlung von Bildnissen der Gemäldegalerie, die durch ausgewählte Leihgaben aus anderen Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin ergänzt wird – darunter der Alten Nationalgalerie, der Neuen Nationalgalerie, dem Ägyptischen Museum und der Skulpturensammlung. So entsteht ein vielstimmiges Panorama der Porträtkunst vom 15. bis ins 20. Jahrhundert. Rund 90 Meisterwerke von Künstler*innen wie Petrus Christus, Mino da Fiesole, Botticelli, Giorgione, Dürer, Cranach d. Ä., Holbein d. J., Sofonisba Anguissola, Rembrandt, Zurbarán, Anna Dorothea Therbusch und Tamara de Lempicka breiten eine große Vielfalt der unterschiedlichen Aspekte des Bildnisses aus – vom glanzvollen Herrscherporträt über intime Freundschaftsbilder bis zu stolzen Selbstzeugnissen. Jede Begegnung erzählt eine eigene Geschichte, jede Gegenüberstellung lädt zum Staunen, Vergleichen und Entdecken ein. In vier Ausstellungskapiteln werden verschiedene Formen und Funktionen des Porträts in den Blick genommen. Ein Prolog verweist auf die erstaunlichen, viele Jahrhunderte überbrückenden Konstanten einer mimetischen Bildniskunst und beleuchtet außerdem die Wurzeln der Gattung in Europa. Porträttypen diesseits und jenseits der Alpen Das Kapitel zeichnet die Herausbildung der Porträtkunst in Italien und dem Norden während der Renaissance nach. Verschiedene Grundtypen, etwa das nördliche Dreiviertelprofil bei Rogier van der Weyden und das strenge Profil bei Filippo Lippi, sowie die unterschiedlichen Tendenzen zum Naturalismus und zur Idealisierung durchdringen einander schon bald und bestimmen die Entwicklung der Porträtkunst in den folgenden Jahrhunderten. Selbstdarstellung der Elite Bildnisse waren ein wirkmächtiges Mittel der sozialen Repräsentation und Distinktion. Kleidung, Posen, aber auch die schiere Größe einer Darstellung bekunden Ansprüche und Stellung der Dargestellten. Die Herzogin Margarete von Parma von Anthonis Mor erscheint ebenso im repräsentativen Kniestück und mit herrscherlichem Blick wie Moronis Edelmann Don Gabriel de la Cueva. Familie, Freundschaft und Intimität Demgegenüber widmet sich das Kapitel zu Familie, Freundschaft und Intimität den privaten Aspekten des Bildnisses. Verwandte, nahestehende und geliebte Menschen werden in Bildern festgehalten, die der persönlichen Erinnerung dienen – Sofonisba Anguissolas Mutter Bianca blickt ähnlich vertraut zu ihrer malenden Tochter wie 380 Jahre später die Frau des Malers Eugen Spiro zu ihrem Mann. Bildnisse von Toten halten den letzten Blick auf Verstorbene fest. Bildnisse von Kunstsammler*innen und Künstler*innen In einem abschließenden Kapitel werden Bildnisse von Kunstsammler*innen und Künstler*innen betrachtet. Selbstbildnisse dienen über Jahrhunderte hinweg der Selbsterforschung, aber auch der Verortung der eigenen Person und des eigenen Schaffens in Traditionszusammenhängen. Tizian und Therbusch tragen Seidengewänder und verweisen auf ihren gehobenen gesellschaftlichen Stand, Rembrandt und Graff dagegen zeigen sich im Moment spontaner Selbstbetrachtung. Reflexionen über das „Ich“ im Zeitalter von Selfies „Porträts!“ ist mehr als eine kunsthistorische Ausstellung, sie ist zugleich eine Reflexion über unsere heutige Bilderwelt: Wie konstruieren wir Identität im Zeitalter von Selfies und Social Media? Wie lesen wir Gesichter? Und was verrät unser Blick über uns selbst? Nirgends lassen sich diese aktuellen Fragen besser studieren und verstehen als im Spiegel von Meisterwerken der Vergangenheit. Es erscheint ein reich bebilderter Katalog, der die Werke und ihre wechselseitigen Bezüge vertiefend vorstellt. Die Ausstellung wird kuratiert von Sven Jakstat und Stephan Kemperdick unter Mitarbeit von Marie-Luise Hugler. Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung der Länder, die Fondation Etrillard, den Kaiser Friedrich Museumsverein und die Fontana Stiftung. Eine Sonderausstellung der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (Bild: Sebastiano del Piombo, Junge Dame mit Fruchtkorb, Detail, 1512/13 | Wilhelm Schadow, Italienerin, Detail, 1831 Fotonachweise: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders | Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie / Andres Kilger)
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Rubens, Jordaens, van Dyck
Flämische Meisterzeichnungen

Staatliche Museen zu Berlin

Erstmals nach fünfzig Jahren präsentiert das Kupferstichkabinett wieder eine Ausstellung mit mehr als 100 herausragenden Zeichnungen von 28 flämischen Künstlern aus seinem Bestand. Die oft erstaunlich malerischen, kraftvollen Zeichnungen entstanden zwischen 1570 und 1650 und erlauben faszinierende Einblicke in den kreativen Schaffensprozess. Die beeindruckende Breite der Themen reicht von christlichen und allegorischen Szenen über mythologische und historische Motive bis hin zu Genreszenen, Porträts, Stillleben und Landschaften. Antwerpen als Kunstmetropole Die Zeit zwischen 1580 und 1660 war geprägt durch fortwährende Auseinandersetzungen der europäischen Mächte einerseits und der religiösen Lager andererseits sowie durch die Entstehung eines weltumspannenden Handelsnetzes. In dieser krisenhaften Epoche entwickelte sich Antwerpen im späten 16. Jahrhundert zum wichtigsten europäischen Handelszentrum und zum Hotspot der Kunstproduktion. Rubens, Jordaens, van Dyck Im Zentrum der Ausstellung stehen Werke der drei großen Protagonisten des Antwerpener Barock: hinreißende Zeichnungen von Peter Paul Rubens, kraftvoll-sinnliche Arbeiten von Jacob Jordaens und kühne Skizzen des Anton van Dyck. Peter Paul Rubens – Maler, Sammler, Humanist, Diplomat – war die dominierende Künstlerpersönlichkeit der Zeit. Einige der ausgestellten Künstler erlernten bei ihm das Malerhandwerk, fast alle kooperierten mit ihm auf die eine oder andere Weise. Nach seiner Rückkehr aus Italien 1609 festigte Rubens seinen Ruf als bedeutendster Historienmaler der Stadt mit einer Reihe großformatiger Altargemälde und Historienbilder in leuchtenden Farben und in einem neuen, dramatischen Stil. Jacob Jordaens lernte wie Rubens bei Adam von Noort. Er unterstützte Rubens bei umfangreichen Aufträgen, etwa bei der mehr als hundert Gemälde umfassenden mythologischen Serie für den spanischen König. Jordaens war früh erfolgreich und stieg nach Rubensʼ Tod zum wichtigsten Maler Antwerpens auf. Anton van Dyck galt als künstlerisches Wunderkind. Mit sechzehn Jahren kam er als ausgebildeter Maler in Rubensʼ Werkstatt, sog dessen kreatives Schaffen ein, kopierte, zeichnete, malte und entwickelte eine zunächst auf Rubens aufbauende, bald aber unabhängige künstlerische Handschrift, bis er ab 1621 eigenständige Wege ging und 1632 als Hofmaler und herausragender Porträtist nach London berufen wurde. Künstlerische Netzwerke und Spezialisierungen Ergänzt wird die Ausstellung durch Werke von Wegbereitern und Lehrern, Werkstattmitarbeitern und Zeitgenossen, die ein dichtes Netzwerk beruflicher Beziehungen widerspiegeln. Zu sehen sind Arbeiten von Jan Brueghel d. Ä., David Teniers d. J., Frans Snyders, Adriaen Brouwer, Sebastian Vrancx, Abraham van Diepenbeeck, Erasmus Quellinus d. J., Pieter de Jode, David Vinckboons, Lucas van Uden, Lodewijk de Vadder und Jacques dʼArthois. Viele der genannten Künstler spezialisierten sich auf bestimmte Themen, etwa Genreszenen oder Landschaften, und arbeiteten in wechselnden Konstellationen zusammen. Zeichnungen als kreative Werkstatt Fast alle ausgestellten Zeichnungen sind in größere Werkzusammenhänge eingebunden: Als schnelle Ideenskizze, detaillierter Kompositionsentwurf oder präzise Einzelstudie bereiteten sie Gemälde, Kupferstiche oder Tapisserien vor. Bildthemen wurden entwickelt, korrigiert und variiert. Das Ringen um die exakte Haltung einer Figur wird ebenso deutlich wie das Entstehen einer ganzen Komposition. Auf diese Weise lassen die Zeichnungen den schöpferischen Prozess noch heute unmittelbar anschaulich werden und veranschaulichen die ungeahnte Vielfalt flämischer Kunst. Die Ausstellung wird kuratiert von Christien Melzer, Kuratorin für Niederländische und Englische Kunst vor 1800 am Kupferstichkabinett. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (100 Seiten, zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-88609-915-3) Ein begleitendes Faltblatt für Kinder zum Zeichnen und Rätseln liegt kostenlos in der Ausstellung aus. Eine Sonderausstellung des Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin (Bild: Peter Paul Rubens, Bathseba erhält das Schreiben Davids, Detail, 1612–1614, Feder in Braun, Pinsel in Grau Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders)

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