Klangspuren Schwaz, das Tiroler Festival für neue Musik, wurde 1993 von Thomas Larcher, Maria-Luise Mayr und Anton Hütter gegründet und hat sich seitdem zum größten und erfolgreichsten Festival für zeitgenössische Musik in Westösterreich entwickelt. Das ursprüngliche Konzept, der zeitgenössischen Musik im Westen Österreichs eine professionelle, stetig wachsende Plattform zu bieten und gleichzeitig ihre Ursprünge und ihren innovativen Charakter zu würdigen, bildet nach wie vor die Grundlage der Programmgestaltung. Darüber hinaus versteht sich Klangspuren als Arbeitgeber, Vermittler und Förderer junger Komponist:innen und Interpret:innen auf lokaler und internationaler Ebene. Dies geschieht vor allem durch ihre systematische Einbindung in das Konzertprogramm, die Vergabe von Kompositionsaufträgen und die Entwicklung neuer Projekte. Ein großes Anliegen war und ist es auch, Musikvermittlungsprojekte für Kinder und Jugendliche in das Festivalprogramm zu integrieren.
Kontakt
Klangspuren Schwaz Innsbrucker Str. 17 / I / 3 A-6130Schwaz
Das zwischen 2012 und 2019 erfolgreiche Format Rent a Musician wird in diesem Jahr zu neuem Leben erweckt: Am Wochenende vor dem offiziellen Festivalstart können Sie Musiker:innen für private Kurzkonzerte zu sich nach Hause einladen – und diesen besonderen Moment mit Freund:innen, Nachbar:innen oder Kolleg:innen teilen. Es geht um die unmittelbare Begegnung mit aktueller Musik auf Augenhöhe, vermittelt von exzellenten Künstler:innen: Hören, Erleben und der gemeinsame Austausch finden hier im intimen Rahmen des eigenen Wohnzimmers, eines Gartens oder schattigen Innenhofs statt. In diesem Jahr stehen die Mezzosopranistin Loré Lixenberg und der Flötist Ignat Khlobystin am 5. und 6. September in Schwaz und Innsbruck für diese Begegnungen zur Verfügung. Beide sind Preisträger des renommierten John-Cage-Preises in Halberstadt und arbeiten als Composer-Performer – sie interpretieren also nicht nur Werke der Musikliteratur, sondern bringen auch ihre eigenen klanglichen Schöpfungen mit.
Eine Kooperation mit dem John Cage Award in Halberstadt.
Anmeldungen möglich ab 08.06.2026
Termine
Sa 5.9.2026
So 6.9.2026
Ort
Klangspuren Schwaz
Innsbrucker Str. 17 / I / 3
A-6130 Schwaz
In „Solo for One“ wird das Konzert zum persönlichen Erlebnisraum. In Slots von 15 Minuten spielt eine Musikerin oder ein Musiker ausschließlich für eine einzige Person – ein intimer Moment, der Musik von jeder Bühnendistanz befreit. In sorgfältig ausgewählten Räumen in Schwaz und Innsbruck entsteht ein konzentriertes Hören, das nicht vermittelt, sondern geteilt wird: unmittelbar, ungefiltert, nah. Die beteiligten Künstler:innen – von Loré Lixenberg und Ty Bouque über Florentin Ginot bis zu Marco Blaauw – bringen ihre je eigene Klangsprache mit und verwandeln jedes dieser Miniaturkonzerte in ein Unikat. „Solo for One“ folgt der Haltung des Festivals, Musik unserer Zeit auf unterschiedlichste Weise zugänglich und erfahrbar zu machen: manchmal überwältigend, manchmal fast flüsternd, wie ein Geheimnis, das nur einem Menschen anvertraut wird.
Termine und Anmeldung ab August 2026
Dauer
Di 8.9.2026 - Fr 25.9.2026 | Eintritt frei!
Ort
Innsbrucker Str. 17 / I / 3
A-6130 Schwaz
in Schwaz und Innsbruck
Tiroler Symphonieorchester Innsbruck
Edivaldo Ernesto, Tanz und Performance
Valerie Fritz, Violoncello
Elena Schwarz, Dirigentin
Edivaldo Ernesto: Solo Choreographie für einen Tänzer (2026), UA / 5’ Auftragswerk von Klangspuren Schwaz
Robin Hoffmann: Œhr, stummes Musikstück für Hören solo (2006), 5’
Georges Aperghis: Die Wände haben Ohren für Orchester (1972), ÖEA / 16’
Liza Lim A Sutured World für Orchester und Violoncello solo (2024), ÖEA / 29’
Was passiert, wenn die Musik schweigt, damit das Hören selbst zum Ereignis wird? Das Festival beginnt nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einer radikalen Besinnung auf das Ohr als Schnittstelle zur Welt. In Robin Hoffmanns stummem Werk œhr wird das Gehörorgan zum einzigen Akteur: Der Tänzer Edivaldo Ernesto inszeniert den physischen Vorgang des Hörens und macht die Stille greifbar. Das Stück bildet den Ausgangspunkt für ein Festival, das Musik als soziale Praxis begreift. Aus dieser Stille erwächst eine neue Aufmerksamkeit für den Raum. In Georges Aperghis’ Die Wände haben Ohren wird das SZentrum selbst zum Mitwisser: Die Die Mauern erscheinen als Speicher vergangener Erfahrungen, das Orchester lässt die Wände in einem zugleich fröhlich-grotesken und hochvirtuosen Zusammenspiel zu Wort kommen. Doch das Zuhören bleibt kein Selbstzweck. Den tiefsten emotionalen Bogen schlägt Liza Lims A Sutured World. Hier wird das Violoncello zur Nadel, die die Risse unserer Gegenwart behutsam vernäht. Es ist eine Schönheit, die aus der Verletzlichkeit entsteht und das Zerbrochene nicht versteckt, sondern ihm eine Stimme gibt. „Love is Louder“ beginnt an diesem Abend nicht mit Lautstärke, sondern mit der Entscheidung, unsere Zeit radikal hörbar zu machen.
Shuttle von Innsbruck nach Schwaz, Rückfahrt nach der Veranstaltung. Anmeldung erforderlich unter tickets@klangspuren.at
Jonah Haven: Naomi für Ensemble, Sopran und Tape (2026), UA / 40’ Auftragswerk von Klangspuren Schwaz, Rainy Days, hcmf// und Riot Ensemble
Dilay Doğanay: Neues Werk für Ensemble (2026), UA / 10’ Auftragswerk von Klangspuren Schwaz
Ein bisschen Gott spielen wollte der Mensch wohl schon immer. Mittlerweile sind sogar Leben und der Tod zur Ware geworden: Die Longevity-Bewegung verspricht ein längeres Leben, wenn man nur kräftig zahlt, und auch Sterbehilfe ist mancherorts ein Produkt. In Jonah Havens komisch-surrealem Musikdrama „Naomi“ setzt die Firma Exit Mundi Inc. noch eins drauf: Sie verkauft Weltuntergänge, und das seit 20 Jahren. Als eines Tages eine engagierte Mitarbeiterin einem sprechenden Fuchs begegnet, der ihr den Namen Naomi – die Schöne, die Ehrliche – gibt, stürzt diese in die Identitätskrise. Für wie viele Tode ist sie schon verantwortlich? Sopranistin Juliet Fraser schlüpft in dieser Uraufführung virtuos in sechs Rollen. Auch Dilay Doğanays Stück beinhaltet eine kleine Erzählung: Es verklanglicht den Prozess der Interaktion mit einer KI. Wie bei der Generierung eines Bildes durch einen Algorithmus wird eine musikalische Kernidee in permanenten Feedbackschleifen sachte verändert und transformiert, bis das fertige Klangbild im Raum steht.
Ensemble Proton Bern:
Bettina Berger, Flöte; Martin Bliggenstorfer, Oboe; Richard Elliot Haynes, Klarinette; Elise Jacoberger Fagott; Coco Schwarz, Tasten/Elektronik; Vera Schnider, Harfe; Maximilian Haft, Violine; Jan-Filip Ťupa, Violoncello
Georg Friedrich Haas: Ausschweifen (2025), UA / 50’ Auftragswerk von Ensemble Proton Bern in Kooperation mit Klangspuren Schwaz und Muziekgebouw aan 't IJ
Georg Friedrich Haas brach schon immer aus — aus der Tonalität, aus dem Wohlklang und über die Grenzen dessen hinaus, was ein Ensemble leisten kann. Sein neues, einstündiges Werk „Ausschweifen“ (UA) spannt ein symbolisches Dreieck aus drei Klangwelten: schwebende Obertöne auf der Suche nach Transzendenz, dichte mikrotonale Cluster — archaisch, ekstatisch, körperlich — und eine spätromantische Tonalität in Vierteltönen, inspiriert vom fast vergessenen Richard Heinrich Stein (1882–1942). Diese drei Welten suchen keinen Ausgleich. Sie stoßen aufeinander, weichen aus, kehren wieder — eine Klangbewegung, die man weniger hört als spürt. Es ist eine Lautstärke jenseits von Dezibel: nicht das Laute im klassischen Sinn, sondern das, was sich behauptet, was drängt. Das Ensemble Proton Bern kennt sich mit diesen Klangwelten blendend aus.
Die Klangwanderung, eines der markantesten Formate des Festivals, verbindet Konzert, Landschaft und Bewegung zu einer Erfahrung, die sich nur im Gehen erschließt. 2026 führt die Strecke entlang des Vomperbachs u.a. zum Kraftwerk, einem Ort, an dem Naturraum und Energieinfrastruktur ineinandergreifen. Was sonst verborgen bleibt, wird hörbar: das Rauschen des Wassers, das Dröhnen der Maschinen und der Atem des Windes.
Klanginstallationen entlang der Route machen Energie als sinnliches Phänomen erfahrbar – Wind, Wasser und Klang werden zu Akteuren eines Weges, der das Hören schärft. So lässt das Künstlerduo Siedl/Cao etwa seine windgespielten „Drone & Drone“-Flöten in der Landschaft erklingen, während Hydrophone die Klänge des Vomperbachs verstärken und einen akustischen Blick in die Tiefe eröffnen.
Zwischen den Installationen erscheinen musikalische Interventionen an unerwarteten Orten: Musiker:innen des Riot Ensemble und Ensemble Proton und der Sänger Ty Bouque setzen poetische Kontrapunkte – auf einer Almwiese, in einer Kapelle, im Maschinenraum des Kraftwerks. Die Klangwanderung macht Energie nicht abstrakt vermittelbar, sondern unmittelbar hörbar – als Bewegung, als Naturkraft, als Klang.
Tickets ab Juli erhältlich. Nur über Klangspuren Schwaz buchbar!
ABSCHLUSSKONZERT KLANGWANDERUNG 2026
Love is Louder, neues Programm mit persischer Musik, UA
In Teheran herrscht Krieg – und das Sepidar Ensemble probt. Dieser Kontrast zwischen äußerer Zerstörung und innerer Schöpfungskraft prägt das Abschlusskonzert der Klangwanderung 2026. Sepideh Raissadat, die erste Frau der es gelang nach der Revolution von 1979 im iranischen Fernsehen aufzutreten, die Oud-Virtuosin Yasamin Shahhosseini und das Sepidar Ensemble bewahren eine Kunstform, die ohne Partitur auskommt: den persischen Radif. Der Radif ist das musikalische Gedächtnis des Iran. Er ist eine über Jahrhunderte gewachsene Sammlung von Melodien und Motiven, die nicht in Notenschrift festgehalten, sondern ausschließlich von Mensch zu Mensch weitergegeben wird. Er dient als lebendiges Fundament für die Improvisation und erfordert eine lebenslange Hingabe. Diese Tradition überlebt trotz der politischen Umstände, durch die Entschlossenheit von Künstlerinnen wie Sepideh Raissadat und Yasamin Shahhosseini. In ihrem eigens für das Festival entwickelten Programm wird das Motto „Love is Louder“ zu einem hörbaren Zeugnis von Resilienz und kultureller Kontinuität.
Julia Sanjurjo, Ty Bouque, Stimmen
Katharina Kurz, Spiros Laskarides, Trompete
Pablo Santamaria Navarro, Schlagzeug
Tamara Miller: Aquí nacen; poco importa dónde o cómo
[Hier werden sie geboren; kaum von Bedeutung wo oder wie]
Konzertinstallation für das Rabalderhaus Schwaz (2026), UA Auftragswerk von Klangspuren Schwaz
Die Gegenwart ist durchzogen von Spuren der Vergangenheit. Kaum ein Ort in Schwaz bezeugt dies so eindrücklich wie das Rabalderhaus, das noch aus der Bergbauzeit stammt. Hierfür gestaltet die chilenische Komponistin Tamara Miller eine installative musikalische Performance, in der die Zeitebenen verschwimmen. Millers Ausgangspunkt sind die Spuren des Kolonialismus, die bis heute auf Länder, Städte und die Psyche der Bevölkerung einwirken.
Aus Lautsprechern tönen Klänge lateinamerikanischer Metropolen, Música criolla – in der sich indigene und spanische Einflüsse mischen – sowie zeitgenössische Popsounds, die nur scheinbar ohne Ballast sind. Fünf Musiker:innen (Stimmen, Trompeten, Schlagzeug) bespielen dazu im Raum verteilte Klanginseln. Die Stimmen und Schritte des Publikums werden live aufgenommen, digital bearbeitet und in den Raum zurückgespielt. So klingt das Haus mit jeder Begehung anders und spannt ein Netzwerk musikalischer Beziehungen zwischen damals, gerade eben noch und dem Hier und Jetzt auf.
Termine
Mi 16.9.2026, 19:00 | Eintritt frei! | Zum Angebot
Do 17.9.2026, 19:00 | Eintritt frei! | Zum Angebot
Fr 18.9.2026, 19:00 | Eintritt frei! | Zum Angebot
Florentin Ginot, Germain Zambi: Intimacy (2025), 60’
Doppel-Solo für Musiker und Tänzer
Arm Swings, Chest Pops, Stomps – das ist das Vokabular des Krump. Die energetische Tanzform entstand um das Jahr 2000 in der afroamerikanischen Community von Los Angeles und ist eng mit dem Widerstand gegen Polizeigewalt verbunden. Zugleich lässt sich Krump als Liebeserklärung an den eigenen Körper verstehen, der in der Welt sichtbar sein soll – Love is louder!
Der kongolesisch-französische Tänzer Germain Zambi ist unter dem Pseudonym JR Sniper ein Star der Krump-Szene. In Intimacy trifft er auf Florentin Ginot, einen der vielseitigsten Kontrabassisten der zeitgenössischen Musik. In einem Doppel-Solo mit Momenten der Verschmelzung tanzt Germain Zambi zu traditioneller Musik aus Galizien, Irland, Schottland und Frankreich, die Ginot behutsam um elektronische Elemente und Klänge der Drehleier erweitert. Die künstlerischen Sprachen mögen unterschiedlicher Herkunft sein – doch eint sie die Freiheit der Struktur, die konzentrierte Präsenz im Augenblick und die Poesie des Körpers.
Zara Ali:
Passing Fragrance, Hidden Veil (2023), ÖEA / 5’21
Circular scrape for electronics (2021), ÖEA / 2’51
thermo_doxa für Klarinette, Viola, Drumset und Elektronik (2024), 8’30
Red City – an acousmatic, purely electronic piece (2021), ÖEA / 10’30
Corie Rose Soumah:
neues Werk (2026), UA / 10’ Auftragswerk von Klangspuren Schwaz
We, to be so transformed for string quartet (2025), ÖEA / 20'
2023 fand die kanadische Komponistin Corie Rose Soumah während einer Europa-Reise Trost im Roman einer österreichischen Autorin: Marlen Haushofers „Die Mauer“ berührte Soumah so sehr, dass sie sich ihrer Trauer hingeben konnte und genau darin Trost und die Fähigkeit zu Veränderung und Wachstum fand. Unter diesen existenziellen Eindrücken entstand ihr Streichquartett We, to be so transformed, dem bei Klangspuren ein Auftragswerk für das Ensemble PHACE zur Seite gestellt wird.
Die anderen vier kurzen Stücke des Abends stammen von Zara Ali. Die elektronische Komposition Red City lässt Samples der Neuen Vocalsolisten Stuttgart in einer dreidimensionalen Klangästhetik durch den Raum flirren. In thermo_doxa befasst sich Ali damit, was Hitze und Dogma verbindet, oder genauer: mit dogmatischen Religionen aus heißen Klimazonen. Das kammermusikalische Passing Fragrance, Hidden Veil ist von einem Gemälde des pakistanischen Malers Abdur Rahman Chugthai inspiriert, während in Circular scrape die Klänge einer sich drehenden Münze darauf warten, mit digitalen Mitteln ebenfalls verwandelt zu werden.
Bewertungen & Berichte Auf dass wir so verwandelt werden
Neue Musik
Concert in the Dark
Zara Ali: Neues Werk für Live-Elektronik (2026), UA / 15’
Corie Rose Soumah: Neues Werk für Live-Elektronik, (2026), UA / 15’
Rojin Shafari: Sinthome für Live Elektronik (2026) / 30’
Ein klanglicher Zustand der Verflechtung, ein komponierter Knoten aus disparaten Klängen – das ist Rojin Sharafis Sinthome. Die iranische Musikerin bezieht sich dabei auf eine Idee des Psychoanalytikers Jacques Lacan. Er bezeichnet damit einen (imaginären) Knoten in der Psyche, der es dem Menschen ermöglicht, Unterschiedliches zu verarbeiten und Genuss zu erleben. Diesen findet Rojin Sharafi insbesondere darin, wenn Härte und Zerbrechlichkeit gleichzeitig in der Musik stattfinden. Leichtfüßig formt sie folkloristische Elemente und abstrakte Geräusche zu einem Klanggebilde, das gar nicht erst entknotet werden will.
Zara Ali, die bei Klangspuren u. a. mit ihrem großen Musiktheater Codeborn präsent ist, zeigt sich in der abgedunkelten Clubatmosphäre von einer anderen Seite: Hier öffnet sie dem Publikum Portale in neue, immaterielle Welten. Komplettiert wird der Abend im Zeichen der elektronischen Live-Musik durch eine Performance von Corie Rose Soumah. Die Kanadierin pflegt einen poetischen, intimen Kompositionsstil, in dem kleine Beobachtungen wie große Fragen des Menschseins nebeneinander Platz finden.
Was passiert, wenn die Stadt selbst zur Bühne wird? Innsbruck verwandelt sich am 19. September in einen Parcours für musikalische Entdeckungen: Ab 11 Uhr finden an sieben Stationen jeweils zur vollen Stunde 30-minütige Kurzkonzerte statt. Die sorgfältig ausgewählten Orte führen als Route durch die Innenstadt und laden dazu ein, den Konzerten von Station zu Station zu folgen oder ganz spontan auf ein Klangereignis zu treffen.
Das Publikum kann alle Stationen nacheinander besuchen; sämtliche Veranstaltungen sind frei zugänglich. Das Programm steht für musikalische Vielfalt und Begegnungen mit zeitgenössischer Musik in unterschiedlichsten Formen. Das Spektrum ist dabei so vielschichtig wie die Stadt selbst: Während bei Florentin Ginot und Germain Zambi tiefe Kontrabass-Klänge auf die physische Rebellion des Krump-Tanzes, bringen das Ensemble konsTellation plus und Windkraft die dichten Strukturen von Julia Wolfe und David Lang direkt auf die Straße, flankiert von der elektrischen Wucht einer Solo-Gitarre und der kraftvollen Präsenz von Brassbands.
STADT.KLANG.SPUREN versteht sich nicht als klassisches Konzertformat, sondern als offenes Musikerlebnis im urbanen Raum. Das Konzert ist hier kein abgeschlossener Ort, sondern eine Situation, in die man hineingerät – im Vorbeigehen, beim Verweilen, aus Neugier oder Zufall.
Termin
Sa 19.9.2026, 11:00 - 18:00 | Eintritt frei! | Zum Angebot
Ort
Innsbrucker Str. 17 / I / 3
A-6130 Schwaz
Innsbruck Innenstadt
PHACE – Ensemble für neue Musik
Lucy Altus, Sopran
Florian Stern, Tenor
Julien Horbatuk, Bariton
Andrea de Majo, Countertenor
Hansjörg Sofka, musikalische Leitung
Zara Ali, Komposition, Konzept & Text
Hannah Dübgen, Bühnenfassung, & Konzept
Marlene Schleicher & Diana Merkel, Dramaturgie
Florentine Klepper, Regie Deva Schubert, Co-Regie & Choreografie
Wolfgang Menardi, Bühne & Kostüme
Zara Ali Codeborn – Musiktheater (2026), ÖEA / 60’
Koproduktion Münchener Biennale und dem Tiroler Landestheater Innsbruck, in Kooperation mit der Bayerische Staatsoper, Ars Electronica Linz und Klangspuren Schwaz. Kompositions- und Librettoauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale mit freundliche Unterstützung der Gisela-Gronemeyer-Stiftung.
Mit Codeborn entfaltet Zara Ali ein Musiktheater von beklemmender Aktualität. In der fiktiven Welt Benthos wird eine Gesellschaft der Macht einer künstlichen Intelligenz ausgesetzt und in einen unaufhaltsamen Transformationsprozess gezogen. Grenzen verschwimmen, alte Ordnungen zerfallen, virtuelle Räume versprechen Nähe und Zugehörigkeit – doch der Preis dieser Freiheit ist hoch. Im Zentrum steht Guy, ein brillanter Programmierer, der erkennt, wie tief der Staat mithilfe sogenannter Dolls in das Leben der Menschen eingreift, sie überwacht und manipuliert. Als er sich in Nur verliebt, eine virtuelle Erscheinung von irritierender Präsenz, gerät seine Wahrnehmung ins Wanken: Zwischen Realität und Simulation, Anpassung und Widerstand entsteht ein Kampf um Selbstbestimmung, Liebe und die Frage, was menschliches Leben in einer radikal veränderten Welt noch bedeuten kann.
Musikalisch spannt Ali einen vibrierenden Klangkörper aus vier Solostimmen, Elektronik und den Musikern des Ensemble PHACE: präzise, körperlich und hochsensibel im Detail. So macht Codeborn diesen gesellschaftlichen Umbruch jenseits von Kulturpessimismus und Dystopie unmittelbar hörbar. Ein sinnlicher Möglichkeitsraum, verstörend nah an unserer Gegenwart.
Termine
Sa 19.9.2026, 19:30 | Ticket
Sa 26.9.2026, 19:30 | Ticket
Claudia Molitor: Gedenke die Zukunft (2026), UA
Klangkunstwerk für die Stadt Schwaz Auftragswerk Klangspuren Schwaz
Anto Sophia Manhartsberger: Neues Werk (2026) UA
Klanginstallation im Turm der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt Auftragswerk Klangspuren Schwaz
Zwei Auftragswerke setzen sich in diesem Jahr intensiv mit der Stadt Schwaz auseinander: Claudia Molitor und Anto Sophia Manhartsberger arbeiten beide mit wachem Blick für Erinnerung und Gegenwart, mit Klängen und Geschichten, die sonst leicht überhört werden.
Die deutsch-britische Komponistin und Klangkünstlerin Claudia Molitor, ist in 2026 mehrere Monate in Schwaz als Stadtkünstlerin, wo sie im Auftrag von Klangspuren Schwaz ein neues Werk entwickelt, das sich in verschiedenen Formen realisieren lässt: als Installation, als Soundwalk oder als Performance. Aus Gesprächen, Interviews, Field Recordings und gemeinschaftliche Recherche entsteht das Material: persönliche Erinnerungen von Bewohner:innen der Stadt, prägende Geräusche der Stadt – bilden die Grundlage.
Das Projekt versteht Zuhören als Form von Fürsorge über Generationen hinweg. Erinnerungen werden nicht nur bewahrt, sondern als lebendiges Wissen in die Zukunft getragen. So wird „Gedenke die Zukunft“ zu einem kollektiven Prozess, der individuelle Erfahrungen mit gesellschaftlicher Verantwortung verknüpft.
Anto Sophia Manhartsberger richtet den Fokus auf ein vertrautes akustisches Zeichen: die Glocken der Stadtpfarrkirche Schwaz. Die Installation spielt mit diesem ikonischen Klang, der früher den Rhythmus des städtischen Lebens bestimmte und heute meist im Hintergrundrauschen verschwindet. Durch gezielt eingespielte Klänge, die mit dem Glockenmotiv verwandt sind und es zugleich verfremden, verschiebt sich die Wahrnehmung des Alltags. Ein scheinbar bekanntes akustisches Signal irritiert plötzlich – und rückt damit wieder ins Bewusstsein. So wird der Stadtraum selbst zu einem Ort des aufmerksamen Hörens, in dem jeder Klang ein mögliches musikalisches Ereignis werden kann.
Termin
So 20.9.2026, 17:00 | Eintritt frei!
Ort
Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt
sowie Schwazer Innenstadt Franz-Josef-Straße
A-6130 Schwaz
Carola Bauckholt: Zugvögel (2011/2012), Fragment / 5’
Heinrich Isaac / Johann Sebastian Bach / Johannes Brahms – Ich muss dich lassen / 7’
(alle Kompositionen basieren auf dem Lied Innsbruck, ich muss dich lassen von H. Isaac) (arr. Raaf Hekkema)
Johann Sebastian Bach: Jesu, meine Freude (arr. Raaf Hekkema) / 17’
Daan Manneke: Cantus Fixus (2022) / 13’
Carola Bauckholt: Zugvögel (2011/2012) / 13’
Die Tagundnachtgleiche markiert jene flüchtige Achse, an der Licht und Schatten im Gleichgewicht stehen. In der Stille der Kirche St. Martin wird dieser Moment zu einer Meditation. Das Calefax Reed Quintet – jene legendäre Formation, die das Rohrblatt-Quintett 1985 erfand – ist bekannt für seine unmittelbare, fast pop-affine Spielfreude, die alte und neue Musik unter Hochspannung setzt.
Im Zentrum steht ein klanglicher Schatten, der seit 500 Jahren durch die Zeit wandert: Heinrich Isaacs Innsbruck, ich muss dich lassen. Von Bachs Sterbe-Chorälen bis zu Johannes Brahms’ letztem Gruß formt diese Melodie eine Architektur des Abschieds. Einen lichten, hochrhythmischen Gegenpol bildet Bachs Motette „Jesu, meine Freude“: In einem virtuosen Wechselspiel aus Trauer und Trotz entfaltet sie eine fast tänzerische Urgewalt – ein kraftvolles „Dennoch“.
Daan Manneke führt mit Cantus Fixus die Kompositionstechnik der alten Meister in zeitgenössischer Klangsprache weiter und wandelt das Hören in ein aktives Durchhören von Zeit- und Klangschichten. Den radikalen Wendepunkt markieren Carola Bauckholts Zugvögel: Hier weicht das menschliche Gefühl der rohen Energie der Natur. Dreizehn Vogelstimmen, täuschend echt imitiert, entfesseln ein klangliches Spektakel, das keine Nostalgie kennt. Es ist ein Aufbruch, der nur dem Instinkt und dem Wind folgt – eine Befreiung vom Abschiedsschmerz im Moment der vollkommenen Balance.
Shuttle-Transfer vom Bahnhof Schwaz zur Kirche St. Martin. Rückfahrt nach der Veranstaltung. Anmeldung erforderlich unter tickets@klangspuren.at.
Stadtmusik Schwaz
Knappenmusik Schwaz
Trompeter des Tiroler Landeskonservatoriums
Musikalische Leitung: Peter Jakober (little beauty), Speak Percussion (March Static)
Peter Jakober: little beauty für 88 Bläser (2024), ÖEA / 20’
Thomas Meadowcroft: March Static (2018), ÖEA
Zwei Blasorchester, eine Stadt: Schwaz spielt – und das Publikum wandelt frei mittendrin.
Die beiden Blasorchester der Stadt Schwaz, die Knappenmusik und die Stadtmusik, bündeln die Kräfte für ein groß angelegtes Projekt. Mehr als 85 Musiker:innen bespielen die großartigen Räume der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt und den Stadtpark Schwaz.
Den Auftakt bildet Peter Jakobers little beauty. Hier überlagern sich unzählige individuelle Tempi zu einem vielstimmigen Klangteppich. Wer zwischen den Musiker:innen flaniert, hört anders: Es entstehen persönliche Hörerfahrungen, die sich mit jedem Schritt und jeder neuen Perspektive verändern.
Vom Offenen führt der Weg in die Stadtpfarrkirche, wo Thomas Meadowcrofts March Static den Raum übernimmt. Unter der Leitung des australischen Ensembles Speak Percussion umkreisen langsam ziehende Bläsergruppen das Publikum – ein sich stetig wandelndes Klangfeld, das den Kirchenraum akustisch neu vermisst.
Adriana Nikolova, Beatbox
Sepideh Raissadat, Gesang und Setar
Solist:innen von Ensemble Musikfabrik: Benjamin Kobler, Laura Álvarez, Yeji Jung, Thibaut Surugue, Klavier/Viertelton-Klavier Dirk Rothbrust, Schlagzeug
Teil 1:
Georg Friedrich Haas: Les Espaces für Vierteltonklavier (2019), ÖEA / 40’
Teil 2
Sepideh Raissadat: Improvisation, solo, Gesang und Setar
Mazyar Kashian: Neues Werk für Gesang, Vierteltonklavier und Schlagzeug (2025), UA Auftragswerk von Klangspuren Schwaz
Teil 3:
Oscar Bianchi: Neues Werk für Streichtrio, Percussion & Beatboxer (2026), UA Auftragswerk von Klangspuren Schwaz
Dieses Triptychon atmet: In drei Blöcken mit zwei Pausen verbindet das Programm mikrotonale Klaviermusik, persische Gesangstradition und Beatbox mit zeitgenössischer Kammermusik. Die bewussten Zäsuren geben dem Gehörten Raum. Jede der drei Begegnungen richtet den Fokus neu aus und lädt zum ständigen Perspektivwechsel ein.
Den Auftakt bildet ein Vierteltonklavier: die Optik vertraut, der Klang eine neue Dimension. Vier Pianist:innen bespielen die speziell konstruierte Klaviatur in einer virtuosen achthändigen Choreografie. In Georg Friedrich Haas' „Les Espaces“ schichten sich schwebende Mikrotöne zu dichten Flächen. Diese Klänge tauchen unter die Wahrnehmungsschwelle und füllen dennoch den ganzen Raum.
Danach gehört die Bühne der Stimme. Die persische Sängerin Sepideh Raissadat begleitet sich auf der Setar; in der Tradition ihrer Heimat wird Musik nicht bloß interpretiert, sie wird bewohnt.
In Mazyar Kashians neuem Auftragswerk für Raissadat und Vierteltonklavier begegnen sich dann zwei musikalische Systeme: die Radif-Tradition der persischen Musik und die Mikrotonalität der westlichen Avantgarde. In dieser Begegnung entsteht mehr als ein Dialog – sie wird zur Metapher diasporischer Erfahrung, in der unterschiedliche kulturelle Sprachen gleichzeitig mit und ohne einander existieren wollen.
Im Zentrum des dritten Teils steht die mehrfache Beatbox-Weltmeisterin Adriana Nikolova (Pe4enkata). Ihre Praxis erweitert Beatboxing um komplexe, aus der bulgarischen Volksmusik stammende Taktarten und verschiebt damit die Grenzen einer sonst stark vom 4/4-Takt geprägten Ästhetik. Oscar Bianchis Auftragswerk für Beatbox, Streichtrio und Schlagzeug stellt der präzisen Partitur das intuitive Körperwissen einer Performerin gegenüber, die ihr Instrument aus Zunge, Lippen und Gaumen baut.
Mit seiner intimen Atmosphäre bietet das Brux den idealen Rahmen, diese drei musikalischen Perspektiven aus nächster Nähe zu erleben.
Michael Pisaro-Liu: A Wave and Waves
für 100 Perkussionsinstrumente (2006/2007) / 74’
Speak Percussion
Schüler:innen der Musikschule Innsbruck
Michael Pisaro-Lius A Wave and Waves lebt aus kaum hörbaren Mikroereignissen: Samen auf Glas, Sandpapier auf Stein, das Zerreißen von Papier, eine weiche Bürste auf dem Tamtam. 100 Schlagzeuginstrumente, 100 Ausführende bilden zusammen ein Paradoxon: Aus kaum hörbaren Einzelaktionen wächst ein Gesamtklang, der sich zu einer kontinuierlichen Wellenbewegung verdichtet — ein Ozean aus kleinen Geräuschen.
Pisaro-Liu nennt es selbst: „confounding the small and the large." Die Struktur macht das hörbar: ein einziger, 35-minütiger Klangbogen — gefolgt von vier Minuten Stille — und schließlich hundert kleine Wellen, die durch das Ensemble wandern. Das Publikum sitzt mitten darin, von Klang umgeben statt ihm gegenüber.
Speak Percussion realisiert das Werk gemeinsam mit der Musikschule Innsbruck — ein vielstimmiges Kollektiv , das diesen letzten Abend des Festivals trägt. „Love is Louder" endet hier nicht als Parole, sondern als Erfahrung: im gemeinsamen Lauschen auf das, was man sonst überhört.
Tickets ab August buchbar!
Ort wird noch bekannt gegeben.
Klangspuren Schwaz, das Tiroler Festival für neue Musik, wurde 1993 von Thomas Larcher, Maria-Luise Mayr und Anton Hütter gegründet und hat sich seitdem zum größten und erfolgreichsten Festival für zeitgenössische Musik in Westösterreich entwickelt. Das ursprüngliche Konzept, der zeitgenössischen Musik im Westen Österreichs eine professionelle, stetig wachsende Plattform zu bieten und gleichzeitig ihre Ursprünge und ihren innovativen Charakter zu würdigen, bildet nach wie vor die Grundlage der Programmgestaltung. Darüber hinaus versteht sich Klangspuren als Arbeitgeber, Vermittler und Förderer junger Komponist:innen und Interpret:innen auf lokaler und internationaler Ebene. Dies geschieht vor allem durch ihre systematische Einbindung in das Konzertprogramm, die Vergabe von Kompositionsaufträgen und die Entwicklung neuer Projekte. Ein großes Anliegen war und ist es auch, Musikvermittlungsprojekte für Kinder und Jugendliche in das Festivalprogramm zu integrieren.
Kontakt
Klangspuren Schwaz
Innsbrucker Str. 17 / I / 3
A-6130 Schwaz