Das Residenztheater (Bayerisches Staatsschauspiel) ist eines der traditionsreichsten und mit einem Ensemble von über 50 Schauspieler*innen und mehr als 450 Mitarbeiter*innen größten Sprechtheater im deutschsprachigen Raum. Seine Historie beginnt im 18. Jahrhundert als Kurfürstliches Hof- und Nationaltheater. Bespielt werden drei Spielstätten: das Residenztheater am Max-Joseph-Platz mit 881 Plätzen, das Cuvilliéstheater mit 437 Plätzen und der Marstall mit ca. 146 Plätzen, alle in unmittelbarer Nachbarschaft der Residenz im Herzen Münchens.
Seit 2019 ist Andreas Beck Intendant. Das Residenztheater unter seiner künstlerischen Leitung steht für ein Ensembletheater, das den Schwerpunkt auf zeitgenössische Dramatik mit Uraufführungen und Neudichtungen neben der Pflege eines klassischen Repertoires legt. Klassische Stoffe und Texte werden aus dem Hier und Jetzt heraus befragt und erfahren eine Neudichtung oder Übertragung. Mit der Uraufführung von Ewald Palmetshofers für das Residenztheater als Auftragswerk entstandenem Theatertext «Die Verlorenen» wurde die erste Spielzeit der neuen Intendanz am 19. Oktober 2019 im Residenztheater eröffnet.
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Residenztheater Max-Joseph-Platz 1 D-80539 München
nach dem gleichnamigen Roman von Sebastian Haffner für die Bühne bearbeitet von Matthias Rippert
Ein letzter Tag in Paris, die letzten Stunden einer großen Liebe und die Gewissheit, dass nichts so bleiben wird, wie es war. In «Abschied» erzählt Sebastian Haffner von der letzten Begegnung mit seiner Geliebten Teddy. Zwischen Cafés, Museumsbesuchen, flüchtigen Begegnungen und intensiven Gesprächen verdichtet sich das noch unbeschwerte Lebensgefühl der frühen 1930er-Jahre. Der Roman begleitet die beiden durch Stunden voller Nähe, Zweifel und Hoffnung bis zum Moment am Bahnsteig, der sie unwiderruflich trennt. Poetisch, atmosphärisch dicht und sehr persönlich schildert Sebastian Haffner nicht nur das Ende einer großen Liebe, sondern auch den Abschied von der eigenen Jugend und einer Epoche kurz vor ihrem Untergang. Nur wenige Wochen benötigte Haffner 1932 für die Niederschrift dieses bis vor kurzem noch unveröffentlichten Romans. Regisseur Matthias Rippert bringt den Stoff nun erstmals auf die Bühne und setzt damit nach dem Erfolg von «Blind» seine Arbeit am Residenztheater fort.
Inszenierung: Matthias Rippert
Bühne: Sarah Schmid
Kostüme: Marie Sophie Heinen
Musik: Hans Könnecke
Dramaturgie: Michael Billenkamp
1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause
Termin
Di 21.7.2026, 19:30
Ort
Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München
Eine Utopie in memoriam Klaus Lemke
von Albert Ostermaier
Ein Ufo in Weißwurstform landet vor der Bayerischen Staatskanzlei: Film oder Realität? Albert Ostermaiers neues Stück ist eine liebevolle Hommage an den 2022 verstorbenen Filmpoeten Klaus Lemke und zugleich Hymne auf und Abrechnung mit seiner Heimatstadt München.
«Hier München, mein Stripclub, Schillerstraße, Klassiker, Goethestraße, Gomorra und Paradies, Techno, Punk und Zwiefacher, Protest und Party, Bayern und Babylon, Gerd Müller und der Bomber, alles, was du nie zusammendenken könntest, steht hier nebeneinander wie ein Fitnessgerät neben dem anderen.»
Ein Ufo in Weißwurstform landet vor der Bayerischen Staatskanzlei: Film oder Realität? Für den Schwabinger Filmpoeten und Asphaltcowboy Klaus Lemke macht das keinen Unterschied. Doch aus dem Raumschiff steigt ein echter Außerirdischer! Sie sind auf der Suche nach einer Idee, nach einer gesellschaftlichen Utopie für ihren Heimatplaneten. Und München scheint ihnen das ideale Studienobjekt. Lemke wittert einen großen Stoff und so begeben sie sich gemeinsam auf eine ebenso rasante wie wahnwitzige Zeitreise durch die Geschichte Münchens. Sie durchleben die Höhen und Tiefen dieser Stadt und begegnen dabei Legenden wie Helmut Dietls Tscharlie aus den «Münchner Geschichten» beim Ritt durch das Siegestor, dem jungen Franz Josef Strauß genauso wie dem noch unbekannten Wladimir Iljitsch Lenin im Schelling-Salon der Jahrhundertwende. Sie landen mitten in den Schwabinger Krawallen 1962, den Olympischen Spielen 1972 oder werden Zeugen bei der Ausrufung der Räterepublik.
Albert Ostermaiers neues Stück «Munich Machine» ist ein großartiges Theatertriptychon, ein dreiteiliges Altarbild Münchens: zugleich Hymne auf und Abrechnung mit seiner Heimatstadt – über den Munich Sound von DJ Hell und darüber, was die Stadt
einmal war, heute ist und morgen sein könnte. Vor allem aber ist es eine liebevolle Hommage an den großen Münchner Filmemacher Klaus Lemke, der 2022 im Alter von einundachtzig Jahren verstorben ist.
Mit «Munich Machine» gibt der vielfach ausgezeichnete Künstler und Theaterregisseur Ersan Mondtag sein Debüt am Residenztheater. Zuletzt wurde seine Performance «Monument eines unbekannten Menschen» für den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig 2024 von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert.
Albert Ostermaier, 1967 geboren, lebt als freier Schriftsteller in München. Er ist einer der meistgespielten deutschen Dramatiker der Gegenwart. Seine Stücke wurden u.a. von Karin Beier, Andrea Breth, Kay Voges und Nuran David Calis uraufgeführt. Er schrieb für Komponisten wie Peter Eötvös und arbeitet mit DJ Hell. Seine Werke wurden in über 20 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter dem Kleist-Preis, dem Bertolt-Brecht-Preis, dem Ernst-Toller-Preis und dem «Welt»-Literaturpreis für sein literarisches Gesamtwerk. Zudem leitete und rief er international bekannte Literaturfestivals ins Leben. Im August 2025 erscheint sein neuer Roman «Die Liebe geht weiter» bei Matthes & Seitz Berlin.
Inszenierung, Bühne und Kostüme: Ersan Mondtag
Mitarbeit Bühne und Kostüm: Lorenz Stöger
Komposition / Musikproduktion: DJ Hell, Benedikt Brachtel
Licht: Gerrit Jurda
Video: Luis August Krawen
Dramaturgie: Michael Billenkamp, Till Briegleb
3 Stunden, 1 Pause
Termin
Sa 25.7.2026, 19:30
Ort
Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München
Plötzlich klingelt das Telefon und das Leben ändert sich von einem Tag auf den anderen. So auch für Simone de Beauvoir und ihre Schwester, als sie erfahren, dass ihre Mutter im Krankenhaus liegt. Eindringlich und ehrlich schildert Simone de Beauvoir, was es heißt, Abschied zu nehmen von dem Menschen, der einem das Leben geschenkt hat. Nach dem Erfolg von «(Nicht)Mütter!» bringen die Schauspielerinnen Sibylle Canonica, Barbara Horvath und Lisa Stiegler dieses persönliche Stück Weltliteratur erstmals auf eine Theaterbühne.
«Aber nein. Man stirbt nicht daran, dass man geboren worden ist, nicht daran, dass man gelebt hat und auch nicht am Alter. Man stirbt an etwas.»
«Ihre Mutter hat einen Unfall erlitten.» Am 24. Oktober 1963 erhält Simone de Beauvoir einen Anruf. Für einen Moment bleibt alles stehen. Es beginnt eine neue Zeitrechnung: Vier Wochen lang begleitet sie gemeinsam mit ihrer Schwester Hélène die Mutter – im Krankenhaus, zwischen Hoffnung und Bangen, Nähe und Entfremdung. Kurz nach dem Tod ihrer Mutter Françoise entstehen die Aufzeichnungen «Ein sanfter Tod».
Plötzlich ist nichts mehr selbstverständlich, die Welt schrumpft auf die Ausmaße des Krankenzimmers zusammen. In «Ein sanfter Tod» beschreibt de Beauvoir mit schonungsloser Klarheit und bewegender Offenheit, was es heißt, Abschied zu nehmen von der Frau, die einem das Leben geschenkt hat. Und wie schmerzhaft es ist, loszulassen – in dem Moment, in dem man sich gerade erst wirklich nahekommt.
Warum erschüttert der Tod ihrer Mutter sie so tief, obwohl das Verhältnis lange distanziert war? «Diesmal entzog sich die Verzweiflung meiner Kontrolle. Jemand anders weinte in mir», schreibt de Beauvoir.
«Ein sanfter Tod» ist eine zutiefst persönliche Auseinandersetzung mit dem Sterben, mit familiären Rollen, mit weiblicher Autonomie – und mit der Frage, ob das Tochtersein endet, wenn die Mutter stirbt.
Für Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoirs Lebensgefährten, war es das bedeutendste Buch der großen Philosophin und Schriftstellerin. Nach dem Erfolg von «(Nicht)Mütter!» bringen die Schauspielerinnen Sibylle Canonica, Barbara Horvath und Lisa Stiegler «Ein sanfter Tod» erstmals auf die Bühne. Zwei Spielerinnen und ein Geräuschemacher suchen nach einer sinnlichen, bildhaften Übersetzung der Erfahrungen zweier Töchter mit ihrer sterbenden Mutter: «Wir wohnten der Generalprobe unserer eigenen Beerdigung bei. Unglücklicherweise durchlebt dieses Abenteuer, das allen gemeinsam ist, jeder allein.»
Nach Simone de Beauvoir, aus dem Französischen von Paul Mayer, für die Bühne bearbeitet von Barbara Horvath und Lisa Stiegler.
Konzeption: Barbara Horvath, Sibylle Canonica, Lisa Stiegler
Dramaturgie: Ilja Mirsky
Musical von Joe Masteroff (Buch), John Kander (Musik) und Fred Ebb (Gesangstexte)
nach dem Stück «Ich bin eine Kamera» von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood
aus dem Englischen von Robert Gilbert
Das legendäre Musical «Cabaret» führt uns in die schillernde Welt des Kit-Kat-Clubs der 1930er-Jahre. Jeden Abend begeistert die enigmatische Künstlerin Sally Bowles mit ihrem berühmten Song «Life is a Cabaret» das Publikum, das Dekadenz und Diversität feiert. Der junge Amerikaner Clifford Bradshaw verfällt diesem sinnlich aufgeladenen Kosmos. Doch gleichzeitig zieht etwas Dunkles herauf, das sich immer stärker in den Alltag der lebenslustigen Lebenskünstler*innen einschleicht.
«Willkommen, bienvenue, welcome ... Fremder, étranger, stranger …» So beginnt das legendäre Musical «Cabaret» – mit der lockenden Einladung des Conférenciers, die schillernde Welt des Kit-Kat-Clubs zu betreten, in dem die enigmatische Künstlerin Sally Bowles jeden Abend ihren berühmten Song «Life is a Cabaret» zum Besten gibt. Dieser Einladung folgt auch der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw. Als Fremder ist er in die pulsierende Stadt gekommen, um keine Sekunde von dem zu verpassen, was in dieser pulsierenden Stadt hier vor sich geht. «Ich bin eine Kamera mit offenem Verschluss, ganz passiv, ich nehme auf, ich denke nicht.» Cliff – zunächst nur neugieriger Beobachter – verfällt zunehmend diesem sinnlich aufgeladenen Kosmos. Gleichzeitig zieht etwas Dunkles herauf – politisch und gesellschaftlich –, das sich immer stärker in den pulsierenden Alltag der Lebenslustigen einschleicht. Doch im Zustand des großen «Davor» wird gefeiert, getanzt und gesungen – ausgelassen, jubelnd und … irrsinnig!
Für den britisch-amerikanischen Autor Christopher Isherwood (1904–1986), dessen zwei autobiografische Berlin-Romane als Vorlage für «Cabaret» dienten, war sein erster Besuch in dieser Stadt eines der einschneidendsten Erlebnisse seines Lebens. Hatte er «Berlin-Babylon» zunächst noch für einen «Reklamespruch» im Wettbewerb mit dem mythischen Paris gehalten, erlebte er in Berlin bald einen «gewaltigen Mummenschanz der Perversionen» und eine nie gekannte Freiheit. Als die politische Lage immer bedrohlicher wird, verlässt er schließlich Deutschland Richtung Griechenland: Als Homosexueller weiß er, dass er in Gefahr ist.
Der international gefragte Opernregisseur Claus Guth nähert sich dem «Cabaret» – die legendäre Verfilmung entstand in München – aus seiner ganz eigenen Perspektive. Das detailliert-dokumentarische Zeitbild der 1930er-Jahre in Berlin wird für ihn zu einer Forschungsreise ins Innere. Ein unsicherer junger Mann, ein Schriftsteller, der noch nicht viel erlebt hat, probiert sich in allen Facetten seiner Möglichkeiten aus und findet – in der Konfrontation mit der größtmöglichen Intensität von Wirklichkeit – zu sich selbst und seiner Identität.
Der erst kürzlich wiederentdeckte Text «Rezitativ» ist eine literarische Sensation: Es ist die einzige Erzählung der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison. Darin treffen zwei junge Frauen aufeinander: Roberta und Twyla, beide aus prekären Verhältnissen, lernen sich in einem Kinderheim kennen und freunden sich an. Immer wieder führt sie der Zufall zusammen, in Schlaglichtern erfahren wir von ihren Männern, ihrer Arbeit, ihren Kindern. Schließlich stehen sie sich bei einer Demonstration gegen Rassentrennung gegenüber. Doch wer von beiden weiß und wer Schwarz ist, lässt die Autorin offen.
«Rezitativ» ist ein poetisches Experiment, «in einer Erzählung mit einer Schwarzen und einer weißen Figur, für die ihre mit ihrer Race verbundene Identität von grundlegender Bedeutung ist, alle rassifizierenden Codes zu entfernen», schreibt Morrison. Sie gibt beiden eine schnörkellose Sprache und erzählt uns stattdessen jede Menge Details: über die Mütter ihrer beiden Figuren – eine tanzt, eine ist meist krank; über ihre Vorlieben, was Essen betrifft – eine mag Salisbury-Steak und Wackelpudding, eine nicht; welche Musik sie hören – eine mag Jimi Hendrix; und in welchem Viertel sie wohnen. Welche Rückschlüsse lassen sich anhand dieser Anhaltspunkte ziehen? «Das Leben ist komplex, es wird begrifflich von binären Strukturen definiert, kann aber nie zur Gänze von ihnen erfasst werden», schreibt die Schriftstellerin Zadie Smith zu «Rezitativ».
Die Regisseurin Miriam Ibrahim macht dieses Experiment zum Ausgangspunkt ihrer Bühnenadaption, indem sie sich verschiedene theatrale Mittel benutzt, um unsere Wahrnehmung herauszufordern: Wie verändert sich unsere Einschätzung einer Person, einer Situation durch die Hautfarbe? «Rezitativ» lädt dazu ein, immer wieder neue Perspektiven einzunehmen und die eigene Sichtweise in jeder Szene auf den Prüfstand zu stellen.
Nach der gleichnamigen Erzählung von Toni Morrison, aus dem Englischen von Tanja Handels, für die Bühne bearbeitet von Miriam Ibrahim.
Inszenierung und Musik: Miriam Ibrahim
Bühne: Mitra Nadjmabadi
Kostüme: Gianna-Sophie Weise
Licht: Barbara Westernach
Video: Amon Ritz
Dramaturgie: Katrin Michaels
Outside Eye: Julienne De Muirier
von Robert Icke sehr frei nach «Professor Bernhardi» von Arthur Schnitzler
aus dem Englischen von Christina Schlögl
Dr. Ruth Wolff ist als Ärztin eine Koryphäe. Sie leitet ein auf Alzheimer-Forschung spezialisiertes Institut in einer angesehenen Privatklinik. Bei ihren Kolleg*innen ist sie wegen ihres wenig diplomatischen Auftretens allerdings nicht wirklich beliebt. Als diensthabende Ärztin hat sie es eher zufällig mit dem Fall eines 14-jährigen Mädchens zu tun, für das es nach einem misslungenen Eingriff keine Rettung mehr gibt. Als ein katholischer Priester ihr die Sterbesakramente erteilen will, verweigert die säkulare Jüdin Ruth ihm den Zutritt ins Krankenzimmer. Für Ruth ist dieser Streit eine Bagatelle, zumal sie sich im Recht sieht, doch der Vorfall schlägt rasch hohe Wellen: intern, weil einige Kollegen mit Ruths Verhalten nicht einverstanden sind, und extern, weil die Auseinandersetzung publik und darum eine Online-Petition gegen sie gestartet wird. Die Folge ist, dass erste Sponsoren drohen, ihre finanzielle Unterstützung von Krankenhaus und Institut einzustellen. Auch ihre Kolleg*innen konfrontieren sie mit antisemitischen und frauenfeindlichen Ressentiments. Am Ende sieht sich Ruth einem karriere- und existenzgefährdenden medialen Shitstorm ausgesetzt, in dem sich unterschiedliche religiöse, gesellschaftliche und ethische Positionen, mit Fragen nach Identität, Herkunft und Geschlecht vermischen und unversöhnlich gegenüberstehen.
Autor und Regisseur Robert Icke hat Arthur Schnitzlers Stück «Professor Bernhardi» (1912) kongenial in die Gegenwart übersetzt. Die Londoner «Times» feierte«Die Ärztin» als eine «Operation am offenen Herzen unserer Gegenwart, die immer komplizierter wird, je tiefer man schneidet». Icke spielt virtuos mit den Erwartungen und Erfahrungen der Zuschauer*innen, denn mit jedem Perspektivwechsel gilt es, nicht nur das Geschehen neu zu interpretieren, sondern auch die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen.
Inszenierung: Miloš Lolić
Bühne: Volker Thiele
Kostüme: Ellen Hofmann
Komposition: Valerio Tricoli
Licht: Verena Mayr
Dramaturgie: Katrin Michaels
Dauer: 2 Stunden, Keine Pause
Termin
Di 28.7.2026, 19:30
Ort
Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München
Maria Stuart, die entthronte schottische Königin, sucht in England Asyl, findet sich aber alsbald in Festungshaft, da ihre Tante, die englische Königin Elisabeth Tudor, Ermittlungen gegen sie aufnimmt: Maria war angeblich im Alter von siebzehn Jahren in die Ermordung ihres Ehemanns verstrickt – so die offizielle Anklage, gerüchtehalber aber auch in ein ganz aktuelles Umsturzkomplott. Schiller zeichnet keine seiner Protagonistinnen in besonders schmeichelhaftem Licht: Maria als impulsive Verführerin, Elisabeth als eifersüchtige und entscheidungsscheue Regentin. An Goethe schreibt er 1799 über seinen «poetischen Kampf mit dem historischen Stoff», bevor es ihm gelingt, «der Phantasie eine Freiheit über die Geschichte zu verschaffen». Und diese Freiheit besteht auch darin, aus der beliebten «Virgin Queen» – die in ihrer Regentschaft jahrelange Querelen mit Frankreich befriedete, den Staatshaushalt konsolidierte, den Grundstein von Seemacht und Commonwealth legte, eine Blütezeit für Künste und Wissenschaft schuf – eine Zauderin zu machen, die lieber sterben möchte, als über den Konflikt mit Maria zu entscheiden. Hier schreibt sich auch Schillers eigene Gegenwart in das Stück ein, in der wenige Jahre zuvor Marie Antoinette als eine der Frontfrauen des Absolutismus auf dem Schafott ihr Ende fand: «Dies Land, Mylady, hat in letzten Zeiten / Der königlichen Frauen mehr vom Thron / Herab aufs Blutgerüste steigen sehn». Denn im Hintergrund dieses Politthrillers um Ämternachfolge und Staatskonfession lauert immer der Volksaufstand, der schließlich beide Königinnen den Kragen kosten könnte.
Schiller lässt nicht nur den Hofstaat, sondern auch seine Majestäten selbst zweifeln, ob es ein einzelner Mensch vermag, im Sinne eines Volks zu entscheiden, und exerziert diese «Furcht, die schreckliche Begleitung der Tyrannei» in allen Schattierungen durch. Er schreibt so nicht nur ein Stück über das Zögern einer Staatenlenkerin, sondern auch über die Notwendigkeit der Demokratie. Dass diese Debatte wie in der antiken «Orestie» ihren Anfang mit einem Gattenmord und ihr Ende im Irren der Entscheidung der Einzelnen findet, ist vielleicht kein Zufall.
«Ein Stück über das NICHT-Handeln. Über die radikale Einsamkeit und unentrinnbare (Ohn-)Macht, in die eine menschliche Machthaberin hineingerät. Mich interessiert die Faszination dieser Frau an der anderen, das Erkennen ihrer selbst in der anderen. Und ihr schlussendliches TROTZDEM-Handeln, getrieben von einem in sich falschen System, in dem es nur die eine Entscheidung geben kann.» Nora Schlocker
Inszenierung: Nora Schlocker
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüme: Jana Findeklee, Joki Tewes
Komposition und Sounddesign: Philipp Weber
Licht: Gerrit Jurda
Choreografie und Körperarbeit: Sabina Perry
Dramaturgie: Constanze Kargl
Bei dieser Inszenierung kommt Stroboskoplicht zum Einsatz.
Die weiblichen Hauptfiguren Maria Stuart und Elisabeth werden beide von Pia Händler und Lisa Stiegler verkörpert. Die Besetzung wird zu Beginn jeder Vorstellung ausgelost.
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Dauer: 2 Stunden 20 Minuten, 1 Pause
Termin
Mi 29.7.2026, 19:30
Ort
Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München
Neun Frauen begleitet Jovana Reisinger in ihrem Roman vom Frühjahr bis zum Sommer eines nicht benannten Jahres, das unserer Gegenwart nicht fern sein dürfte. Sie alle leben in und um München und sie alle tragen Namen von Frauenzeitschriften. Schablonenhaft leben und scheitern sie, jeweils allein und doch gemeinsam, an den Bildern und Vorstellungen von dem, was es gemeinhin heißt, eine Frau zu sein. Hochzeit, Freundschaft, Kündigung – für alles gibt es eine Anleitung, die schließlich doch nicht weiterhilft, aber den Erwartungshorizont ins Unermessliche wachsen lässt. Reisinger erzählt mit bissigem Witz und großer Empathie von Frauen, die den Radius ihres Handlungsspielraums ausloten, von Erfahrungen zwischen Empowerment und Unterdrückung, zwischen Privilegien und Abstiegsangst, zwischen Selbstoptimierung und Selbstermächtigung. Sie stellt Glück neben größte Verzweiflung, Lebenskrisen und Gewalterfahrungen neben die kleinen Aufregungen des Alltags.
Jovana Reisinger und die Regisseurin Yana Eva Thönnes schreiben gemeinsam eine Bühnenadaption des 2021 für den Bayerischen Buchpreis nominierten Romans.
«Ich möchte das Publikum in die mehr oder weniger normativen bayerischen Ideallandschaften eintauchen lassen, vor denen sich die vom Patriarchat zurechtgestutzten Lifestyles der Protagonistinnen entfalten. Hier brechen schließlich die diszipliniert eingeübten Choreografien der Rollenzwänge auf, bis Lisa aus der Haut fahren will, bis sich Tinas Wunden öffnen und Brigitte nichts mehr juckt. Bayern – das viel besagte schönste Land der Welt: Eine Kulisse, eine programmierte Atmosphäre, eine Welt des schönen Scheins, in der sich Laura, Lisa, Barbara, Verena, Jolie, Petra, Brigitte, Emma und Tina schließlich die Frage stellen, wer eigentlich das Skript ihres Lebens schreibt.» Yana Eva Thönnes.
Inszenierung: Yana Eva Thönnes
Bühne: Dominic Huber
Kostüme: Belle Santos
Musik: Nile Koetting
Video: Luis August Krawen
Licht: Barbara Westernach
Dramaturgie: Katrin Michaels
Unter dem gleichgültigen Mond von Soho versucht Londons Unterwelt Mackie Messer dingfest zu machen. Brecht, Hauptmann und Weill erschufen mit »Die Dreigroschenoper« (uraufgeführt 1928) eine völlig neue Form des Musiktheaters, mit Songs und Texten, so geschliffen scharf wie Macs Messer. Ein Stück über eine Gesellschaft, in der alles auf seinen Geldwert reduziert wird und Räuber*innen Bürger*innen sind – und umgekehrt.
Die bevorstehende Krönungsfeier der Königin lässt Jonathan und Celia Peachum, Besitzer*innen der Firma »Bettlers Freund«, auf gute Geschäfte hoffen, schließlich vergeben sie an die Bedürftigen Bettellizenzen und streichen mindestens fünfzig Prozent Gewinnbeteiligung ein. Das ist auch dringend notwendig, denn die Geschäfte laufen schlecht und Mitleid ist Mangelware in diesen Tagen. Dass sich Tochter Polly heimlich mit Macheath, genannt Mackie Messer und Chef einer Banditenbande, verheiratet hat, führt bei den geschäftstüchtigen Eltern zu wenig Begeisterung. Man hat in das Kind schließlich investiert und sie für feinere und vor allem finanzkräftigere Kreise vorgesehen. Kurzerhand beschließen die Peachums, Mackie Messer an den Galgen zu bringen – buchstäblich. Und so zieht sich eine Spur von Verrat, Eifersucht, Bestechung und offenen Rechnungen durch Londons Unterwelt, um dem flüchtigen Macheath endlich das Handwerk zu legen.
»… leider sind auf diesem Sterne eben
die Mittel kärglich und die Menschen roh.«
Basierend auf John Gays Barockopern-Persiflage »The Beggar’s Opera«, 1728 in London uraufgeführt, erschufen Bertolt Brecht, Elisabeth Hauptmann und Kurt Weill eine radikal neue Form des Musiktheaters. 1928 in Berlin am Theater am Schiffbauerdamm zur Uraufführung gebracht, zeigt »Die Dreigroschenoper« eine Welt, in der alles – ob Liebe, Mitleid oder Verbrechen – einen Geldwert hat und dementsprechend bewertet wird. Für die einen heißt es »erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral«, für die anderen kommt einfach nur das Fressen.
Philipp Stölzl, für seine figurenzentrierten Regiearbeiten und poetischen Bühnenbilder gefeiert, inszeniert Bertolt Brechts und Kurt Weills Meisterwerk am Residenztheater.
Inszenierung und Bühne: Philipp Stölzl
Musikalische Leitung: Stephen Delaney
Mitarbeit Bühne: Franziska Harm
Kostüme und Puppen: Kathi Maurer
Puppenbau und Einstudierung Puppenspiel: Christian Blank
Choreografie: Sommer Ulrickson
Licht: Gerrit Jurda
Dramaturgie: Ewald Palmetshofer
Termin
So 27.9.2026, 18:30 | Premiere
Ort
Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München
Die Schauspieler*innen des Residenztheaters spielen, lesen und erzählen kurze Szenen aus den aktuellen Stücken, Ausschnitte aus Lyrik und Literatur – für Sie ganz persönlich und live am Telefon.
30.04.20, 08:38, jen Direkter und persönlicher in der aktuellen Kontaktverbots-Zeit Kultur genießen wie die Idee des Resi
Direkter und persönlicher in der aktuellen Kontaktverbots-Zeit Kultur genießen wie die Idee des Residenztheaters geht kaum noch.
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Residenztheater
Das Residenztheater (Bayerisches Staatsschauspiel) ist eines der traditionsreichsten und mit einem Ensemble von über 50 Schauspieler*innen und mehr als 450 Mitarbeiter*innen größten Sprechtheater im deutschsprachigen Raum. Seine Historie beginnt im 18. Jahrhundert als Kurfürstliches Hof- und Nationaltheater. Bespielt werden drei Spielstätten: das Residenztheater am Max-Joseph-Platz mit 881 Plätzen, das Cuvilliéstheater mit 437 Plätzen und der Marstall mit ca. 146 Plätzen, alle in unmittelbarer Nachbarschaft der Residenz im Herzen Münchens.
Seit 2019 ist Andreas Beck Intendant. Das Residenztheater unter seiner künstlerischen Leitung steht für ein Ensembletheater, das den Schwerpunkt auf zeitgenössische Dramatik mit Uraufführungen und Neudichtungen neben der Pflege eines klassischen Repertoires legt. Klassische Stoffe und Texte werden aus dem Hier und Jetzt heraus befragt und erfahren eine Neudichtung oder Übertragung. Mit der Uraufführung von Ewald Palmetshofers für das Residenztheater als Auftragswerk entstandenem Theatertext «Die Verlorenen» wurde die erste Spielzeit der neuen Intendanz am 19. Oktober 2019 im Residenztheater eröffnet.
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Residenztheater
Max-Joseph-Platz 1
D-80539 München