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Musikfest Berlin

28.8. bis 23.9.2026

Das Musikfest Berlin versteht sich als ein Forum für die innovative künstlerische Arbeit der großen Orchester und Ensembles im Bereich der klassischen und modernen Musik. Es präsentiert ein ambitioniertes Festivalprogramm mit wechselnden Schwerpunkten.

Das Orchesterfestival der Berliner Festspiele – veranstaltet in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker – bildet jeweils im Spätsommer den spektakulären Auftakt der Berliner Konzertsaison. Internationale Spitzenorchester, Instrumental- und Vokalensembles präsentieren gemeinsam mit den großen Symphonieorchestern der Stadt Berlin ein ambitioniertes Festivalprogramm mit jeweils wechselnden thematischen Schwerpunkten.

Das Orchester gehört – neben Oper, Theater und Kino – zu den komplexesten, größten und vielgestaltigsten „Maschinen“, die die abendländische Kultur zur Herstellung von Vorstellungen und Emotionen hervorgebracht hat. Die Vielfalt der heute bestehenden Orchesterformationen hat sich unter dem Einfluss der modernen Technologien und in Kenntnis der historischen Aufführungspraxen wesentlich erweitert. Das rund dreiwöchige Festival widmet sich daher nicht nur dem symphonischen Repertoire, sondern insbesondere den bedeutenden, raren, vergessenen, ungewöhnlichen und neuen Werken aus Geschichte und Gegenwart. Das Musikfest Berlin versteht sich als ein Forum für die innovative künstlerische Arbeit der großen Orchester und Ensembles des internationalen Musiklebens.

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Berliner Philharmoniker.

Kontakt

Musikfest Berlin
Berliner Festspiele
Schaperstraße 24
D-10719 Berlin

Telefon: +49 (0)30 254 89-244
Fax: +49 (0)30 254 89-111
E-Mail: musikfest@berlinerfestspiele.de

Bewertungschronik

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Bewertungen & Berichte Musikfest Berlin

© Wikimedia Commons
Konzert

Finnish Radio Symphony Orchestra / Helsinki Chamber Choir

Eröffnungsveranstaltung Musikfest Berlin 2026

Sarah Aristidou – Sopran (Venus und Chef der Gepopo)
Heidi Melton – Sopran (Mescalina)
Andrew Watts – Countertenor (Fürst Go-Go)
Wolfgang Ablinger-Sperrhacke – Tenor (Piet vom Fass)
Leigh Melrose – Bariton (Nekrotzar)
Karl Huml – Bass (Astradamors)
Kathrin Lorenzen – Sopran (Amanda)
Jingjing Xu – Mezzosopran (Amando)
Luke Terence Scott – Bass (Schwarzer Minister)
Tuomas Katajala – Tenor (Weißer Minister)
Jussi Merikanto – Bariton (Schabernack)
Tomi Punkeri – Bariton (Schobiack)
Sakari Topi – Bariton (Ruffiack)

Helsinki Chamber Choir
Nils Schweckendieck – Einstudierung
Frederic Wake-Walker – Bühnenregie

Finnish Radio Symphony Orchestra
Nicholas Collon – Leitung


György Ligeti (1923–2006):
Le Grand Macabre (1978, rev. 1996)
Oper in vier Bildern
Libretto von Michael Meschke und György Ligeti nach La Balade du Grand Macabre von Michel de Ghelderode
Halbszenische Aufführung

Das Musikfest Berlin eröffnet mit Le Grand Macabre von György Ligeti und feiert gleichzeitig das 75-jährige Bestehen der Berliner Festspiele. Ligetis einzige Oper ist eine rabenschwarze Parabel auf den Krieg und das Ende der Welt. Doch letztlich gewinnt der Humor und hilft ganz nebenbei, die Angst vor dem Tod zu überwinden. Kein Wunder, dass die Satire zu den meistgespielten Werken des zeitgenössischen Musiktheaters zählt. Nicholas Collon führt als Chefdirigent des Finnish Radio Symphony Orchestra, unterstützt vom Helsinki Chamber Choir und einem internationalen Solist*innenensemble, durch Ligetis groteskes Endzeitszenario. Dank des Helsinki Festival wird die „Anti-Anti-Oper“, wie der Komponist sie selbst nannte, nur wenige Tage vorher das erste Mal in Finnland zu hören sein.

Le Grand Macabre, nach einem Schauspiel des surrealistischen Dramatikers Michel de Ghelderode, vereint Elemente aus absurdem Theater, mittelalterlichem Totentanz und wildem Jahrmarktsspektakel. „Den Tod“, so Ghelderode 1956 in einem Interview, „habe ich im Grand Macabre auf den Kopf gestellt. Ich habe aus ihm eine komische Type gemacht. Das war meine Rache.“ Ligeti, der die Gräuel des Zweiten Weltkriegs selbst erleben musste und mehrmals nur knapp dem Tod entging, führt mit seiner zweiaktigen Oper in das fiktive Breughelland, einer totalitär regierten, korrupten und völlig heruntergewirtschafteten Republik, die nach den Bildern des flämischen Renaissance-Malers Pieter Bruegel gestaltet ist. Hier treibt neben Mescalina, der Riesenspinnen haltenden Ehefrau des Hofastrologen Astradamors, und Gepopo, dem Chef der Geheimen Politischen Partei, auch der Große Makabre Nekrotzar sein Unwesen, eine demagogische und mehr als zwielichtige Figur. Beim von ihm prophezeiten Weltuntergang überleben alle den Stichtag – alle, bis auf den Großen Makabren selbst, der von sich behauptet hatte, der leibhaftige Tod zu sein.

György Ligetis Musik war seit den 1960er-Jahren immer wieder im Programm der Berliner Festwochen und später beim Musikfest Berlin zu erleben: „Meine Heimat ist eigentlich Berlin, so merkwürdig das auch klingen mag. […] Die Stadt ist durch die Verfügbarkeit von Ost und West sehr interessant geworden“, so der Komponist 2003. Nun eröffnet Le Grand Macabre das Musikfest Berlin 2026, womit zugleich das 75. Jubiläumsjahr der Berliner Festspiele begangen wird. Seit ihrer Gründung 1951 als Berliner Festwochen im Westen der Stadt widmeten sie sich dem kulturpolitischen Brückenschlag zwischen den Systemen, prägten die kulturelle Dimension der Wiedervereinigung und verfügen seit 2001 mit dem Haus der Berliner Festspiele und dem Gropius Bau über eigene Häuser.

Einführungsveranstaltung
18:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 2 h 20 min, inklusive Pause

In englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Eine gemeinsame Produktion von Finnish Broadcasting Company, Finnish Radio Symphony Orchestra und Helsinki Festival

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin mit freundlicher Unterstützung der Botschaft von Finnland, Berlin, dem Finnland-Institut, Berlin, und dem Hotel Berlin, Berlin

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© akg-images / Henning Langenheim
Konzert

Le Concert des Nations

Felix Mendelssohn Bartholdy

Le Concert des Nations
Jordi Savall – Leitung


Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847):
Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 „Schottische“ (1842/43)
Ouvertüre Die Hebriden („Fingals Höhle“) op. 26 (1829–1833)
Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 „Italienische“ (1833/34)

Jordi Savall, Preisträger des Ernst von Siemens Musikpreises 2026, hat mit seinem grandiosen Originalklang-Orchester Le Concert des Nations wesentlich dazu beigetragen, das klassische und romantische Repertoire in neuem Licht erscheinen zu lassen: mit ungemein pointierten und geschärften Lesarten, in denen Beethoven-, Schubert-, Schumann- und Bruckner-Sinfonien kaum lebhafter und frischer klingen könnten. Im Anschluss an die Jordi Savall gewidmete Hommage der Stiftung Berliner Philharmoniker in der Saison 2025/26 widmet sich der für seine Akribie bekannte, visionäre Dirigent beim Musikfest Berlin einem reinen Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Programm, bei dem neben der „Schottischen“ und der „Italienischen“ Sinfonie auch die Ouvertüre Die Hebriden zu hören ist.

Schottland diente dank der von James McPherson herausgegebenen „alten“ Ossian-Dichtung (deren Echtheit man zu Recht frühzeitig anzweifelte), Sir Walter Scotts historischer Romane und nicht zuletzt Johann Gottfried Herders Lieder der Völker als hochromantische Projektionsfläche, die das Europa des 19. Jahrhunderts in den Bann schlug. So auch Felix Mendelssohn Bartholdy, der vor seinem obligatorischen Abstecher ins „Land, wo die Zitronen blühn“ das schottische Hochland bereiste. Auf den Spuren Maria Stuarts schrieb er, inmitten der Ruinen der Klosterkirche nahe des Holyrood Castle, die ersten Takte seiner Schottischen Sinfonie nieder. Über Abbotsford, den Wohnsitz Sir Walter Scotts, verschlug es ihn anschließend bis auf die entfernte Inselgruppe der Hebriden vor der schottischen Nordwestküste. Aus Tobermory, einem kleinen Fischerort auf der Isle of Mull, schrieb er seiner Familie einen Brief, dem er einen Entwurf der 21 Anfangstakte seiner späteren Hebriden-Ouvertüre beifügte: Abwärts rollende Dreiklangsfiguren illustrieren hier den Wellengang der bewegten See, wobei lyrische Themen Bilder von winddurchwehten, schroffen Küsten evozieren. Der eigentlichen Komposition beider Werke, die Jordi Savall mit seinem Orchester Le Concert des Nations beim Musikfest Berlin präsentiert, widmete sich Mendelssohn allerdings erst später – nach einem längeren Italienaufenthalt, in dessen Umfeld als weiterer klingender Reisebericht die populäre Italienische Sinfonie entstand: Musik, die mit wirbelnden Stilisierungen neapolitanischer Volkstänze ins gleißende Licht südlicher Sonne entführt.

Bei dem Konzert spielen erfahrene Mitglieder des Orchesters Le Concert des Nations mit Teilnehmer*innen der von Jordi Savall ins Leben gerufenen Orchesterakademie YOCPA, zu deren Programm das Berliner Gastspiel gehört. Das Projekt YOCPA– Young Orchestra and Choir Professional Academies unter der Leitung von Savall wird von der Fundació Centre Internacional de Música Antiga (CIMA) verwaltet und von der Europäischen Union gefördert. Es bietet Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten für den musikalischen Nachwuchs und vereint mit seinem intergenerationellen Ansatz die pädagogische Arbeit professioneller Musiker*innen mit dem Lernprozess junger Nachwuchskünstler*innen.

Einführungsveranstaltung
18:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 1 h 40 min, inkl. Pause

Mit Unterstützung des Departament de Cultura der Generalitat de Catalunya und des Konsortium Institut Ramon Llull, mit finanzieller Unterstützung der Direction Régionale des Affaires Culturelles Occitanie, kofinanziert von der Europäischen Union

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin mit freundlicher Unterstützung der Botschaft von Spanien

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© akg / mauritius images / Karl Heinrich Lämmel
Konzert

Kansas City Symphony

Neuwirth / Tschaikowsky / Rachmaninow

Blake Pouliot – Violine
Kansas City Symphony
Matthias Pintscher – Leitung


Olga Neuwirth (*1968):
Tombeau I (2024)
für Orchester und Sampler
Dreydl (2022)
für Orchester
Peter I. Tschaikowsky (1840–1893): Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35 (1878)
Sergej Rachmaninow (1873–1943): Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 44 (1. Fassung von 1935)

Wiedersehen in Berlin: Nach dem triumphalen Erfolg ihres Debüts 2024 ist die Kansas City Symphony mit ihrem Musikdirektor Matthias Pintscher erneut beim Musikfest Berlin zu Gast. Auf dem Programm steht neben Tschaikowskys beliebtem Violinkonzert mit dem kanadischen Geiger Blake Pouliot auch die 3. Sinfonie von Rachmaninow, in der Trauer und Abschied mitschwingt. Um Vergänglichkeit und Erinnerung kreisen Olga Neuwirths Orchesterstücke Tombeau I und Dreydl: Das erste ist ein klingendes Grabmal für Pierre Boulez. Im zweiten steht der titelgebende Kreisel für den „fatalen Kreislauf des Schicksals“, so die österreichische Komponistin.

Nachdem Sergej Rachmaninow 1917 Russland für immer verlassen hatte, führte er ein Leben wie auf einer nicht enden wollenden Konzerttournee. Kein Wunder, dass die schöpferische Arbeit dabei fast vollständig zum Erliegen kam – obwohl sie in seinem Leben erklärtermaßen so wichtig war „wie Atmen oder Essen“. Zu den wenigen im Exil entstandenen Werken zählt auch die von üppiger Melodik geprägte 3. Sinfonie. Wie sehr das Herz des Exilanten an der verlorenen Heimat hing, ist darin unüberhörbar: mit wehmütigen Themen, die auf Seufzermotive und Zitate des mittelalterlichen Dies irae -Hymnus treffen. Eingeleitet wird der Abend von Olga Neuwirths ergreifendem Tombeau I, das im Gedenken an Pierre Boulez entstand und musikalisch mit einem großen Aufschrei beginnt. Neuwirths Orchesterstück Dreydl bezieht sich auf das jiddische Kinderlied Ikh bin a kleyner dreydl , wobei der sich ständig drehende Kreisel zum Symbol unerbittlich verstreichender Lebenszeit wird. „Wie das Würfeln“, so die Komponistin, „ist der Dreydl ein Spiel mit dem Zufall. […] niemand weiß, was die Zukunft bringen wird.“

Einführungsveranstaltung
18:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 2 h, inklusive Pause

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© akg-images / Marion Kalter
Konzertante Aufführung

Lucerne Festival Contemporary Orchestra

Wolfgang Rihm Tutuguri

Michael Engelhardt – Sprecher
N. N. – Schlagzeuggruppe
Christoph Sietzen – Schlagzeugeinstudierung Teil II (IV. Bild) und Schlagzeug
Markus Güdel – Licht
Maxime Le Saux – Klangregie
Lucerne Festival Contemporary Orchestra
Jörg Widmann – Leitung


Wolfgang Rihm (1952–2024)
Tutuguri (1980–82)
Poème dansé nach dem Gedicht Tutuguri aus dem Hörspiel Pour en finir avec le jugement de dieu von Antonin Artaud
für großes Orchester, Schlagzeuger, Chor vom Tonband und Sprecher
Konzertante Aufführung

I. Bild (Anrufung … das schwarze Loch …)
II. Bild (schwarze und rote Tänze … das Pferd …)
III. Bild (der Peyotl-Tanz … die letzte Sonne … der schreiende Mann …)
IV. Bild (Kreuze … das Hufeisen … die sechs Männer … der Siebte …)

Einen Musikstrom von enormer Kraft bringen das Lucerne Festival Contemporary Orchestra und sein neuer Leiter Jörg Widmann beim Musikfest Berlin auf die Bühne: Tutuguri von Wolfgang Rihm. Das Poème dansé aktiviert eine gewaltige Schlagwerk-Batterie und übersetzt den „fiebrigen Puls“ des gleichnamigen Gedichts von Antonin Artaud, welches die rituellen Tutugúri-Tänze der indigenen Bevölkerung Nordmexikos imaginiert, in eine mitreißende Musik.

Sowohl in dem überaus produktiven Lebenswerk des 2024 verstorbenen Komponisten als auch in der europäischen Musikgeschichte insgesamt bleibt Tutuguri eine Ausnahmeerscheinung: In keinem anderen Stück wurden bisher solch unbändige Elementarkräfte entfesselt, an keiner anderen Stelle wird der Rhythmus, wird das imponierende Schlagwerk so sehr zur Mitte und zum Ziel wie in dieser Partitur, deren letzten Teil die sechs Solo-Perkussionist*innen mit einem über Lautsprecher zugespielten Chor allein bestreiten.

Wolfgang Rihms Poème dansé basiert auf Antonin Artauds einzigem Hörspiel Pour en finir avec le jugement de Dieu – Schluss mit dem Gottesgericht , einer radikalen Abrechnung mit der Gesellschaft, der Kirche und der Psychiatrie, in der Artaud neun Jahre seines Lebens verbrachte. In dem radiophonen Vortrag entfaltet der Dramatiker sein Konzept des „Theaters der Grausamkeit“, das existenzielle Grenzerfahrungen hervorrufen sollte. Sein Gedicht über die rituellen Tänze der Tarahumaras sollte nicht nur durch das gesprochene Wort wirken: „Alles muss haargenau in eine tobende Ordnung gebracht werden“, so Artaud. Und so ist in Rihms Musik der Text auf verschiedene Weise „in jedem Abschnitt, in jeder Note gleichermaßen präsent. Der Text brachte diese Musik mit hervor – ein rituelles Bild auseinanderstrebender Energien.“

Das Exzellenzorchester der Lucerne Festival Academy widmet sein Konzert Wolfgang Rihm, der die Meisterschule für Neue Musik von 2016 bis zu seinem Tod als ihr Künstlerischer Leiter prägte. Seit 2026 hat Jörg Widmann die Leitung inne.

Einführungsveranstaltung
18:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 2 h 30 min, inklusive Pause

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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Diskussion

Quartett der Kritiker

Kai Luehrs-Kaiser – Freier Musikpublizist
Yvonne Petitpierre – Freie Musikpublizistin
Elisabeth Richter – Freie Musikpublizistin
Michael Stegemann – Musikwissenschaftler
Olaf Wilhelmer – Moderation, Deutschlandfunk Kultur


Auch in diesem Jahr sprechen vier Kritiker*innen des Preises der deutschen Schallplattenkritik (PdSK), moderiert von Olaf Wilhelmer, über ein zentrales Werk der Musikgeschichte: das Konzert für Violine und Orchester d-Moll von Robert Schumann.

„Kritiker*innen und Künstler*innen sind keineswegs natürliche Feinde, auch wenn das gerne karikaturenhalber behauptet wird. Immerhin gab es Zeiten, da spielten sie, wie Hanslick und Brahms, vierhändig miteinander Klavier. Es gibt jedoch keinen Anlass anzunehmen, diese guten alten Zeiten seien vorüber; auch wenn die alten Zeiten in Wahrheit niemals so gut waren, wie ihnen später nachgesagt wird. Deshalb ist es wichtig, dass all diejenigen, denen die Kunst eine Herzensangelegenheit ist und die ihre Sachwalter sind, an einem Strang ziehen, gemeinsam und für die Kunst und – durchaus – kritisch. Inzwischen hat in der Musikkritik das Geschäft der Public Relations (Portraits, Homestory, Interview) den kritischen Diskurs über die Werke und deren Interpretation (Rezension) weitgehend verdrängt. In den Printmedien ersetzen neuerdings Setzung und Werbung das Argument, im Internet wird zwar von vielen sehr viel argumentiert, aber auch viel gefaselt. Und so ist eine kritische Institution wie die Bestenlisten, die der Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK) vierteljährlich veröffentlicht, heute wichtiger denn je.

Eine Handvoll Musikkritiker*innen hatte sich 1963 zusammengetan, um diesen Preis zu gründen mit dem Ziel, für den von Reklame überformten Schallplattenmarkt eine zuverlässige Qualitätskontrolle zu installieren, begründete Empfehlungen zu geben und so die Interpretationskunst zu fördern. Heute gehören 160 Musikkritiker*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu diesem Verein, sie arbeiten ehrenamtlich in 32 Fachjurys und küren, neben den Bestenlisten, in jedem Herbst Jahres- und Ehrenpreisträger*innen. Und manchmal finden sich vier von ihnen zusammen zu einem „Quartett der Kritiker“, um öffentlich über ein bestimmtes Werk zu diskutieren und Platteneinspielungen zu vergleichen.“
— Eleonore Büning

In deutscher Sprache

Eintritt frei, kostenloses Ticket erforderlich

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin in Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Kultur und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik e. V.

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© akg-images / Martina Weinmar
Konzert

Freiburger Barockorchester

Robert Schumann

Isabelle Faust – Violine
Freiburger Barockorchester
Sir Simon Rattle – Leitung


Robert Schumann (1810–1856):
Ouvertüre zur Oper Genoveva op. 81 (1847/48)
Konzert für Violine und Orchester d-Moll WoO 1 (1853)
Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61 (1845/46)

„In mir paukt und trompetet es seit Tagen sehr“, schreibt Robert Schumann 1845 an seinen Freund Felix Mendelssohn Bartholdy. Damit schildert Schumann neben seiner Gefühlslage auch die musikalischen Ideen, die ihn zu seiner 2. Sinfonie führten. Das Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Sir Simon Rattle verbindet dieses beeindruckend vielschichtige Werk mit Schumanns Violinkonzert, das zu seinen Lebzeiten nie gespielt wurde. Auf historischen Instrumenten nähern sie sich gemeinsam mit Isabelle Faust als Solistin der emotional vielschichtigen Klangwelt Schumanns und legen die Wurzeln dieses genialen Komponisten der Romantik frei.

Die Ouvertüre zu Schumanns einziger Oper Genoveva gestaltet den Auftakt des Konzerts. Bevor er nur einen Takt des Opernlibrettos vertonte, komponierte Schumann dieses wirkungsvolle Orchesterstück, das alle Hauptmotive des musikalischen Dramas in sich vereint. Die Komponistenvorbilder Bach, Beethoven, Schubert und Mendelssohn klingen auch in seiner 2. Sinfonie nach, und doch spricht vom melancholischen Beginn bis zum euphorischen Finale aus jedem Takt die ureigene, zutiefst expressive Musiksprache Schumanns. Die überragende Kunst des Geigers Joseph Joachim motivierte Schumann 1853 zu seinem Violinkonzert d-Moll. Vor Publikum erklang es aber zu Lebzeiten des Komponisten nie, und die Uraufführung mehr als acht Jahrzehnte später in Berlin durch Georg Kulenkampff war gekennzeichnet vom Bestreben der Nationalsozialisten, es gegen Mendelssohns e-Moll-Violinkonzert auszuspielen. Schumanns Werk, das heute zu den großen romantischen Solokonzerten zählt, gibt viel von der Innerlichkeit seines Schöpfers preis und lässt den ungeschönten Ausdruck eines Grenzgängers erkennen, der sich keine einfühlsamere Interpretin als Isabelle Faust hätte wünschen können. Ihre intensive Auseinandersetzung mit Schumanns späten Werken gilt seit vielen Jahren als exemplarisch und mündete in hochgelobte Aufnahmen. In ihrem Spiel offenbart die eng mit dem Musikfest Berlin verbundene Geigerin eine nuancenreiche Fragilität und schenkt der Musik Robert Schumanns eine besondere Klarheit und Transparenz.

Dauer: circa 1 h 40 min, inklusive Pause

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Isengardt, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Konzert

Konzerthausorchester Berlin

Hans Werner Henze Sinfonia N. 9

Rundfunkchor Berlin
Florian Helgath – Einstudierung
Konzerthausorchester Berlin
Joana Mallwitz – Leitung


Hans Werner Henze (1926–2012)
Sinfonia N. 9 (1995–97)
für gemischten Chor und Orchester
Dichtung von Hans-Ulrich Treichel nach Anna Seghers Roman Das Siebte Kreuz
Gewidmet den Helden und Märtyrern des deutschen Antifaschismus
Kompositionsauftrag der Berliner Festwochen 1997
I Die Flucht
II Bei den Toten
III Bericht der Verfolger
IV Die Platane spricht
V Der Sturz
VI Die Nacht im Dom
VII Die Rettung

Hans Werner Henze war ein bekennender Antifaschist. In Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands schuf er mit seiner 9. Sinfonie ein erschütterndes Mahnmal gegen Faschismus und Krieg – eine „Apotheose des Schrecklichen und Schmerzlichen“, die er als „Summa summarum“ seines Schaffens bezeichnete. Ursprünglich entstanden im Auftrag der Berliner Festwochen, ist diese „dramatische Dichtung ohne Szene“ nun im Rahmen des Jubiläumsjahres der Berliner Festspiele und anlässlich des 100. Geburtstages des 2012 verstorbenen Komponisten zu erleben. Joana Mallwitz dirigiert das Konzerthausorchester Berlin, es singt der Rundfunkchor Berlin.

„Meine neunte Sinfonie“, bekannte Hans Werner Henze, „befasst sich mit der deutschen Heimat – so, wie sie sich mir dargestellt hat, als ich ein junger Mensch war, während des Krieges und schon davor.“ Anstatt den „schönen Götterfunken“ zu besingen, beschwöre das Werk als „Abrechnung mit einer willkürlichen, unberechenbaren, uns überfallenden Welt“ die Zeit „des Grauens und der Verfolgung“ – auch als „Ausdruck der allergrößten Verehrung“ für diejenigen, „die Widerstand geleistet haben in der Zeit des nazifaschistischen Terrors“ (Henze). Bereits der erste Satz dieses sinfonischen Monuments mit Texten von Hans-Ulrich Treichel nach dem Roman Das siebte Kreuz von Anna Seghers über die Flucht von sieben KZ-Häftlingen, versetzt die Hörer*innen in die beklemmende Situation eines Menschen, der „von Hunden und der SS gehetzt wird“ (Henze). Dabei vermittelt die dunkle, gewalttätige und atemlose Musik eine nicht zur Besinnung kommende Todesangst, die bald in Agonie und Ohnmacht mündet. In allen Facetten bildet die Chorsinfonie das Grauen von Krieg, Verfolgung und Vernichtung ab – auch, wenn im erbarmungslosen Marsch Bericht der Verfolger das Schlagwerk „an die (von einem Laien getippten) Geräusche einer (Polizei-)Büroschreibmaschine“ erinnern soll. Henzes 9. Sinfonie, die 1997 im Rahmen der 47. Berliner Festwochen von den Berliner Philharmonikern uraufgeführt wurde, ist den „Helden und Märtyrern des deutschen Antifaschismus“ gewidmet. Beim diesjährigen Musikfest Berlin dirigiert Joana Mallwitz das Konzerthausorchester Berlin, wobei der Rundfunkchor Berlin – wie schon bei der Uraufführung – den anspruchsvollen Chorpart übernimmt.

Einführungsveranstaltung
19:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 1 h, ohne Pause

Eine Veranstaltung des Konzerthaus Berlin in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© akg-images / Marion Kalter
Konzert

WDR Sinfonieorchester I

Alex Nante / Yvonne Loriod (UA) / Felix Mendelssohn Bartholdy

Sarah Aristidou – Sopran
Nathalie Forget – Ondes Martenot
Imsu Choi – Ondes Martenot
WDR Sinfonieorchester
Kent Nagano – Leitung


Alex Nante (*1992): Ein feste Burg (2025)
Komposition für Orchester über den Choral BWV 302 von Johann Sebastian Bach
Yvonne Loriod (1924–2010): La Sainte Face (1945)
Uraufführung
TEIL I
1. Erscheinung auf dem Heiligen Grabtuch von Turin
2. Der schmerzverzerrte Mund
3. Die misshandelte Nase
4. Die zarten Augenlider, die die Tränen – kostbare Diamanten – verhüllen – Heilige Theresa
5. Über geschwollene Wangen fließen brennende Tränen
6. Die Wunden der Dornenkrone
7. Die Augenbrauen, die das Blut der Wunden auffangen
8. Das feine schwarze Haar, mit Spucke besudelt
9. Das zarte, abgezehrte Gesicht
10. Die Züge des Heiligen Antlitzes erscheinen auf uns wie eine unsterbliche Träne
11. Gesicht des Friedens, vom Dickicht der Haare umrahmt... Göttliches Vorbild der Klöster, die seine Ruhestätte werden
12. Gott aufgeben
13. Betrachten wir mit halbgeschlossenen Augen das Heilige Antlitz, so scheint es uns, als sähen wir in seinen Zügen die Verzweiflung und das Ungleichgewicht der Natur im Augenblick des Todes
14. Die wütende Qual des Bösen auf dem Heiligen Antlitz
TEIL II
15. Nachsinnen über die Lilie
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847): Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 „Reformations-Sinfonie“ (1830)

Eine musikalische Sensation: Die hoch expressive Musik von Yvonne Loriod wird aus der Taufe gehoben. Die brillante Pianistin und legendäre Klavierpädagogin, 1924 in Paris geboren, war zu Lebzeiten vor allem als Interpretin der Musik ihres Mannes Olivier Messiaen bekannt. Das WDR Sinfonieorchester und Kent Nagano bringen erstmals eine ihrer zahlreichen eigenen Kompositionen für große Besetzung ans Tageslicht: La Sainte Face , eine 15-sätzige musikalische Beschreibung des heiligen Antlitzes für Sopran und Orchester. Sarah Aristidou verleiht dieser lange im Verborgenen gebliebenen, religiös inspirierten Musik ihre Stimme. Außerdem erklingen Felix Mendelssohn Bartholdys „Reformations-Sinfonie“ und das 2025 uraufgeführte Stück Ein feste Burg von Alex Nante.

Zu Martin Luthers bekanntesten Kirchenliedern gehört Ein feste Burg ist unser Gott , das zu einem klingenden Symbol der kirchlichen Erneuerung wurde: Noch Heinrich Heine bezeichnete das Stück als „Marseiller Hymne der Reformation“. Insofern war es naheliegend, dass Felix Mendelssohn Bartholdy in seiner „zur Feyer der Kirchenreformation“ komponierten d-Moll-Sinfonie auf eben diese Luther-Hymne zurückgriff, die auch Grundlage des gleichnamigen Bach-Choralsatzes BWV 302 ist. Letzteren nahm Alex Nante zum Ausgangspunkt seines Orchesterstücks, wobei auch Bachs Choral So gehst du nun, mein Jesu, hin, den Tod für mich zu leiden anklingt: „Als Christ“, so der argentinische Komponist, „empfand ich das Bedürfnis, beide Aspekte – das Leiden und die Herrlichkeit Christi – musikalisch darzustellen, da das eine ohne das andere nicht existieren kann.“

Eine weitere Sicht auf den Glauben eröffnet Yvonne Loriods La Sainte Face . Das mit schwarzer Tinte auf 280 Partiturseiten von Hand niedergeschriebene Werk für Sopran und Orchester besteht aus 15 ganz unterschiedlich instrumentierten Stücken. Als 21-jährige Studentin von Darius Milhaud komponierte Loriod für eine ungewöhnliche Besetzung: Solo-Sopran, 8 Flöten, Holz- und Blechbläser, ein großes Aufgebot an Schlagwerk, wenige Streicher, 2 Harfen, Klavier, Celesta und 2 Ondes Martenot – ein frühes elektronisches Instrument. Eine musikalische Sensation, da das bereits 1945 entstandene Orchesterwerk nun über 80 Jahre später seine Uraufführung erlebt. Loriods kompositorisches Schaffen wird erst noch entdeckt – unter anderem von Kent Nagano, der als Dirigent das Musikleben Berlins entscheidend geprägt hat. Etliche groß angelegte Orchesterwerke seiner früheren Lehrerin hat Nagano in der Pariser Nationalbibliothek erstmals in den Händen gehalten und entreißt sie mit dem WDR Sinfonieorchester nun dem Vergessen.

Einführungsveranstaltung
18:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 1 h 40 min, inklusive Pause

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Hans Werner Henze-Stiftung
Konzert

RIAS Kammerchor Berlin I

Henze / Brahms

GrauSchumacher Piano Duo
Instrumentalist*innen der Jungen Deutschen Philharmonie
RIAS Kammerchor Berlin
Gregor Meyer – Leitung


Hans Werner Henze (1926–2012) : Notturno (1995)
Serenade für Blasinstrumente, Kontrabass und Klavier
Musen Siziliens (1966): Konzert für gemischten Chor, zwei Klaviere, Bläser und Pauken
auf Eklogen-Fragmente des Vergil
Johannes Brahms (1833–1897): Liebeslieder (1868/69)
Walzer für vier Singstimmen und Klavier zu vier Händen op. 52

„Spaß machen“, so Henze, solle sein 1966 im Rahmen der Berliner Festwochen uraufgeführtes Konzert Musen Siziliens – dem Publikum ebenso wie den ausführenden Musiker*innen. Gleiches dürfte sich auch Johannes Brahms gedacht haben, als er in mannigfaltiger Liaison mit dem „wienerischen“ Dreivierteltakt seine Liebeslieder-Walzer für Gesang und Klavier zu vier Händen komponierte. Der RIAS Kammerchor Berlin widmet sich beiden Werken beim Musikfest Berlin, gemeinsam mit dem Klavierduo GrauSchumacher, das laut Süddeutscher Zeitung „das Klavierspiel für vier Hände perfektioniert“ hat, und Instrumentalist*innen der Jungen Deutschen Philharmonie. Als atmosphärischer Opener erklingt Henzes entrückt-geheimnisvolles Notturno . Die Leitung übernimmt Gregor Meyer.

„Leider nicht von mir!“, war Johannes Brahms’ Kommentar zum Walzer An der schönen blauen Donau von Johann Strauß (Sohn), der ursprünglich als Chorstück für den Wiener Männergesangsverein entstand. Gerade in seinen Anfangsjahren ließ sich der in den Worten Eduard Hanslicks „ernste, schweigsame“ Hamburger Komponist von der Walzerseligkeit seiner neuen Wahlheimat inspirieren, was auch zu den Liebeslieder-Walzern op. 52 auf Gedichte aus Georg Friedrich Daumers Polydora führte. Die geschmeidigen Vertonungen, die mal kapriziös-kokett, mal melancholisch und mal leidenschaftlich ausfallen, hatten gewaltigen Erfolg – auch, weil die Stücke trotz ihrer Bindung an den Walzerrhythmus mit einer unerschöpflichen Fülle an eingängigen Melodien aufwarten.

Nicht die Liebe, sondern innere Kontemplation im Angesicht der Unermesslichkeit des Kosmos stellte Hans Werner Henze ins Zentrum seines ruhig-schwebenden Notturno für Blasinstrumente, Kontrabass und Klavier: einer instrumental neu gedachten Variante vom Schluss der zweiten Szene „Mond und Sterne“ aus der Henze-Oper Die englische Katze . Anschließend führt das Konzert Musen Siziliens in die idyllische Schäferwelt aus Vergils Bucolica. In dem ungewöhnlich besetzten dreiteiligen Werk wollte Henze bewusst „weg vom Klang des großen Orchesters, von Polyphonie und Dodekaphonie. […] In Musen Siziliens wollte ich […] auf ganz einfache Formulierungen gehen, Einzeltöne umkreisen, Rotation um tonale Zentren. Es sollte mit Spaß zu singen sein, […] und das Spiel der beiden Solo-Klaviere sollte Spaß machen und mit Spaß anzuhören sein.“ In transparenter Instrumentation folgt in dem dreiteiligen Werk auf eine tänzerische Pastorale ein versonnenes Adagio und ein spielerisches Vivace, wobei der Chorsatz durchgehend von melodischem Erfindungsreichtum und ausdrucksreicher Klangschönheit geprägt ist.

Dauer: circa 1 h 10 min, ohne Pause

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin in Kooperation mit dem RIAS Kammerchor Berlin

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© WDR, Katja Engelhardt
Kinderkonzert

Das Konzert mit der Maus

Zum ersten Mal in Berlin!

Die Maus
Jana Forkel und Johannes Büchs – Moderation
WDR Sinfonieorchester
Bar Avni – Leitung


Das Konzert mit der Maus: Musik, Lach- und Sachgeschichten rund um das Leben von Wolfgang Amadeus Mozart

Das Konzert mit der Maus feiert seine Berlin-Premiere und lädt zu mitreißender Musik und spannenden Lach- und Sachgeschichten rund um das Leben des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart in die Philharmonie Berlin ein. Unterstützt wird die legendäre Maus durch die Moderator*innen Jana Forkel und Johannes Büchs und das WDR Sinfonieorchester – gemeinsam begeben sie sich auf die Spuren des österreichischen Wunderkindes. Ein Konzert zum Entdecken, Lernen und Erleben.

Die Sendung mit der Maus ist eine der erfolgreichsten Kindersendungen und eine Institution des deutschen Fernsehens. Seit 1971 bezaubern die vom WDR produzierten Lach- und Sachgeschichten am Sonntagvormittag Zuschauer*innen jeden Alters, die von Hans Posegga komponierte Titelmelodie ist Groß und Klein bekannt. Das Format Das Konzert mit der Maus , das seit 2017 in enger Zusammenarbeit mit der Sendung mit der Maus entwickelt wird, öffnet den Konzertsaal für ein junges Publikum und macht klassische Musik auf spielerische, humorvolle und zugleich hochwertige Weise erfahrbar. Jede Ausgabe widmet sich einem*einer großen Komponist*in und verknüpft spannende musikalische Geschichten mit live gespielter Orchestermusik – so sind bereits Programme zu Ludwig van Beethoven, Edvard Grieg, Johannes Brahms oder Peter Tschaikowsky entstanden.

Neben den charmanten Moderator*innen des Konzerts mit der Maus tragen international renommierte Dirigent*innen wie Cristian Măcelaru, Howard Griffiths oder Bar Avni zum Erfolg bei. Sie bringen nicht nur musikalische Exzellenz ein, sondern schaffen eine Atmosphäre, in der Kinder und Familien klassische Musik neugierig und ohne Schwellenangst erleben können. 2026 geht Das Konzert mit der Maus zum ersten Mal außerhalb von Nordrhein-Westfalen auf Tour und feiert beim Musikfest Berlin seine Berlin-Premiere.

Dauer: circa 1 h, ohne Pause

Empfohlen ab 5 Jahren

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© akg-images / Marion Kalter
Konzert

London Symphony Orchestra

Gubaidulina / Bruckner

Eivind Ringstad – Viola
London Symphony Orchestra
Sir Antonio Pappano – Leitung


Sofia Gubaidulina (1931–2025): Konzert für Viola und Orchester (1996)
Anton Bruckner (1824–1896): Sinfonie Nr. 9 d-Moll (1887–96)

„Während ich komponiere, bete ich“, bekannte die im März 2025 verstorbene Komponistin Sofia Gubaidulina. Die gesteigerte Intensität ihres Konzerts für Viola und Orchester changiert zwischen „Erdverbundenheit“ und „himmlischem Streben“. Sir Antonio Pappano stellt das Werk mit „seinem“ London Symphony Orchestra vor, ebenso wie die unvollendete 9. Sinfonie von Anton Bruckner. Die überlieferte Widmung „an den lieben Gott“ deutet an, was Bruckner mit dieser buchstäblich auf dem Sterbebett komponierten Musik zum Ausdruck bringen wollte: eine Auseinandersetzung mit den „letzten Dingen“ im Stil einer monumentalen „Sinfonia da chiesa“.

Musik ist für Sofia Gubaidulina die „wichtigste Form des Widerstands der Menschheit gegen den geistigen Verfall“. In der Sowjetunion standen ihre religiös geprägten Werke auf der „Schwarzen Liste“. Nach dem Ende der Sowjetunion zog Gubaidulina 1992 in ein kleines Dorf bei Hamburg, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Im „tiefsten Sinne“ sei das Musizieren eine Art von Gottesdienst, so die in ihrem Schaffen immer um spirituelle Fragen kreisende Komponistin. Dies ist auch ihrem Konzert für Viola und Orchester anzuhören, das der erste Solobratschist des London Symphony Orchestra Eivind Ringstad interpretiert: „Das eigentümlich Mysteriöse und das Verschleierte des Bratschentimbres sind für mich stets rätselhaft gewesen“, so die Komponistin.

Auch Anton Bruckner war zutiefst gläubig. An seiner unvollendet hinterlassenen 9. Sinfonie – dessen Skizzen zum Final-Entwurf Andenkenjäger*innen und Autografensammler*innen in alle Winde verstreut haben – hat er so lange gearbeitet, wie an keinem anderen Werk. Ob hierfür das Beethoven-Erbe, die Tonart d-Moll von Beethovens 9. Sinfonie oder die dem Zahlenmystiker Bruckner natürlich bekannte symbolische Bedeutung der Zahl Neun verantwortlich war (als potenzierte Drei das Symbol höchster Vollkommenheit), ist ungewiss. Mysteriös, wie aus dem Nichts kommend, beginnt der „feierliche“ erste Satz, der sich als existenzielles Erlebnis bald ins Monumentale steigert. Nach dem Scherzo mit spukhaftem Trio folgt dann eines der schönsten Adagios , die Bruckner je geschrieben hat: verklärende Klänge, die der Komponist „Abschied vom Leben“ nannte.

Einführungsveranstaltung
19:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 2 h, inklusive Pause

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Malcolm Crowthers
Konzert

NDR Elbphilharmonie Orchester

Henze / Brahms

Tamara Stefanovich – Klavier
Holger Busse – Klangregie
NDR Elbphilharmonie Orchester
Alan Gilbert – Leitung


Hans Werner Henze (1926–2012): Tristan
Préludes für Klavier, Tonbänder und Orchester (1973, rev. 1991)
I Prolog – II Lamento – III Präludien und Variationen – IV Tristans Wahnsinn – V Adagio: Burla I, Burla II, Ricercare I, Burla III, Ricercare II – VI Epilog
Johannes Brahms (1833–1897): Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68 (2. Fassung von 1878)

Hans Werner Henze war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Anlässlich seines 100. Geburtstags präsentieren das von Alan Gilbert dirigierte NDR Elbphilharmonie Orchester bei seinem Musikfest-Berlin-Debüt und die Pianistin Tamara Stefanovich Henzes Préludes für Klavier, Tonbänder und Orchester mit dem hintergründigen Titel Tristan . Eine ergreifende Trauermusik, in der unter anderem Johannes Brahms’ 1. Sinfonie zitiert wird, die ebenfalls im Konzert erklingt.

Seine Tristan -Préludes für Klavier, Tonbänder und Orchester aus dem Jahr 1973 wollte Hans Werner Henze „audio-visuell“ verstanden wissen: als Klang-Drama auf dem Konzertpodium. Dabei spiegelt sich in der hochemotionalen Musik vom ersten Takt an neben Schmerz auch Sehnsucht, Liebe, Trauer und Abschied – Henze selbst sprach vom „Todesschrei“ des Orchesters. In dem sechsteiligen Werk samt „coup de théâtre“ finden sich neben Wagner-Anspielungen ( Tristan und Isolde und Wesendonck-Lieder ) und Brahms-Zitaten auch verfremdete Tonbandklänge von Frédéric Chopins Trauermarsch aus der Klaviersonate b-Moll, „gleißend, wie das Meer am Herbstabend“ (Henze). Im Epilog schließlich rezitiert eine von Tonband zugespielte Kinderstimme in englischer Übersetzung Verse des anglo-normannischen Dichters Thomas d’Angleterre aus dem 12. Jahrhundert, in denen Isoldes tragischer „Liebestod“ beschrieben wird. Nach Henzes Trauermusik mit exponiertem Klavierpart, die um jene Toten trauert, „um die die Menschheit nun verarmt ist“, widmen sich Alan Gilbert und das NDR Elbphilharmonie Orchester Johannes Brahms’ 1. Sinfonie, die dramaturgisch Beethovens Devise „Per aspera ad astra“ (durch Dunkel zum Licht) folgt. Dem düsteren Ringen des c-Moll-Kopfsatzes mit seinen schweren Paukenschlägen und zerklüfteten Umschwüngen steht ein Finale gegenüber, das schließlich zu strahlendstem C-Dur findet.

Einführungsveranstaltung
19:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 1 h 50 min, inklusive Pause

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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Konzertante Aufführung

Orchester der Deutschen Oper Berlin

Stockhausen / Cage / Wagner

Attilio Glaser – Tenor (Parsifal)
Tareq Nazmi – Bass (Gurnemanz)
Paul Hübner – Solo-Trompete
Paula Breland – Solo-Bassetthorn
Orchester der Deutschen Oper Berlin
Titus Engel – Musikalische Leitung
Paul Jeukendrup – Klangregie


Karlheinz Stockhausen (1928–2007): Michaels Reise um die Erde (1978)
2. Akt aus Donnerstag aus Licht
Oper in drei Akten, einem Gruß und einem Abschied
Konzertante Aufführung
John Cage (1912–1992): 4′33″ (1952)
Richard Wagner (1813–1883): Parsifal (1865–82)
Ausschnitte aus dem 3. Aufzug des Bühnenweihfestspiels
Konzertante Aufführung

Wenige Tage vor der Premiere der Oper Mittwoch aus Licht widmet sich Titus Engel in seinem ersten Konzert als Conductor in Residence mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin einer Szene aus einem anderen Tag von Karlheinz Stockhausens wochenumspannenden Opernzyklus – dem zweiten Akt der Oper Donnerstag aus Lich t. Als reiner Instrumentalteil zeichnet Michaels Reise um die Erde einen Heldenweg mit abschließender Himmelfahrt. Offenkundig sind die Parallelen zu Parsifals Weg, der zutiefst von Richard Wagners Affinität zur religiösen Spiritualität geprägt ist und in Ausschnitten zum Abschluss des Abends erklingt. Als Bindeglied und Einstimmung auf die quasi-sakrale Atmosphäre erklingt John Cages Stück 4′33″ , das durch die Entdeckung der musikalischen Pause als Klangraum das Hören und Zuhören neu ausgerichtet und herausgefordert hat.

Karlheinz Stockhausen gilt als Erfinder der punktuellen Musik und der Moment-Form. Als Hauptvertreter des Serialismus war er Pionier der aleatorischen und elektronischen Musik, ebenso wie der abstrakten Raumkomposition. Wie kaum ein anderer hat er die europäische Nachkriegsmoderne geprägt – weil er die „Stunde Null“ nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs als historische Chance für einen radikalen Neuanfang verstand. Mit seinem zwischen 1977 und 2003 komponierten Opernzyklus Licht – die sieben Teile entsprechen den einzelnen Wochentagen – schuf er ein synkretistisches Schöpfungs- und Welttheater, das mit seinen rund 29 Stunden Musik um den Erzengel Michael, seinen Gegenspieler Luzifer und das „Sternenmädchen“ Eva kreist: ein monumentales Gesamtkunstwerk der Superlative. In Michaels Reise um die Erde repräsentiert die Solotrompete den Protagonisten bei seiner symbolischen Exkursion in das eigene Ich – wobei die Musik stilistisch den einzelnen Stationen (unter anderem Japan, Bali, Indien und Zentralafrika) nachempfunden ist. In Jerusalem trifft Michael schließlich auf Eva, mit der er in Himmelfahrt musikalisch in einem „dichten Triller“ (Stockhausen) verschmilzt. Anspruch auf religiöse Tiefendimension und kultische Erhabenheit erhob auch Richard Wagner in seinem Parsifal , aus dem nach der Pause Ausschnitte auf dem Programm stehen. Ungeachtet aller christlicher Symbolik verschmelzen auch in diesem „Bühnenweihfestspiel“ (Wagner) unterschiedlichste religiöse Traditionen – inklusive Naturspiritualität und buddhistisch-schopenhauerischem Gedankengut. Zwischen beiden Stücken, die bis heute ein mystischer Nimbus umgibt, erklingt mit John Cages 4′33″ ein Schlüsselwerk der Neuen Musik – und zwar eines, mit dem der vom Zen-Buddhismus beeinflusste Cage eine faszinierende Übung im achtsamen Hören schuf. Die konzertante Aufführung von Michaels Reise um die Erde bildet den Auftakt des von Titus Engel mitkuratierten Themenschwerpunkts der Deutschen Oper Berlin zu Stockhausen und Cage.

Einführungsveranstaltung
18:15 Uhr, Musikclub

Dauer: circa 2 h 20 min, eine Pause

Eine Veranstaltung der Deutschen Oper Berlin in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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Konzert

Staatskapelle Berlin

Mozart / Bruckner

Rudolf Buchbinder – Klavier
Staatskapelle Berlin
Christian Thielemann – Leitung


Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) : onzert für Klavier und Orchester Nr. 21 C-Dur KV 467 (1785)
Anton Bruckner (1824–1896): Sinfonie Nr. 4 Es-Dur „Romantische“ (2. Fassung von 1878/80)

Festlicher Glanz, sinfonische Feierlichkeit und anspruchsvolle Virtuosität halten sich in Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert in C-Dur in vollendeter Weise die Waage. In der maßstabsetzenden Lesart des legendären Pianisten Rudolf Buchbinder, der auf eine mehr als 60 Jahre andauernde Karriere zurückblicken kann, eröffnet das Werk diesen Abend der von Christian Thielemann dirigierten Staatskapelle Berlin. Nach der Pause folgt Anton Bruckners 4. Sinfonie, deren klingende Naturidyllen samt „Gesang der Kohlmeise Zizipe“ (Bruckner) in den Worten des Komponisten einer „religiös-misteriös[en]“ Romantik „à la Lohengrin “ verpflichtet sind.

Anton Bruckner gab seiner 4. Sinfonie den Beinamen „Romantische“, was erklärtermaßen auf das Geheimnisvolle, Gottesfürchtige und Reine abzielen sollte. Und weil der Komponist – wohl zu Recht – bei seinem Publikum das Bedürfnis nach einer assoziativen Musikbeschreibung vermutete, zeichnete er die Musik in verschiedenen Charakterbildern. Von der „Morgendämmerung“ in einer mittelalterlichen Stadt ist da die Rede, von deren Türmen die „Morgenweckrufe“ ertönen: „die Tore öffnen sich – auf stolzen Rossen sprengen die Ritter hinaus ins Freie – der Zauber der Natur umfängt sie – Waldesrauschen, Vogelgesang – und so entwickelt sich das romantische Bild weiter.“ Wie in Beethovens „Pastorale“ wird auch in Bruckners Vierter die Verbindung von Natur und Glückseligkeit unmittelbar greifbar. Zugleich treten jene abrupten Dynamikwechsel und Klangballungen hervor, die wesentlich zum monumentalen Charakter des Ganzen beitragen. Nicht zufällig wurden Bruckners Sinfonien mit großen Kathedralen verglichen, auch wegen ihrer orgelartigen „Register-Instrumentation“, bei der der Komponist die Akustik des Kirchenraums mitdachte, die er von der Orgel gewohnt war. Sinfonische Monumentalität findet sich auch in Mozarts Klavierkonzert in C-Dur – nur dass hier zum Dialog der Stimmen ein Solist hinzutritt, gewissermaßen als Primus inter Pares. Für dieses Werk gilt ebenso, was Mozart allgemein über seine Wiener Klavierkonzerte sagte: dass die Musik „sehr brillant“ sei, ohne dabei ins „leere zu fallen“. Kein Wunder, dass KV 467 mit seinen eingängigen Melodien zu den beliebtesten Klavierkonzerten Mozarts avancierte.

Einführungsveranstaltung
19:15 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 2 h, eine Pause

Eine Veranstaltung der Staatsoper Unter den Linden in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© akg-images / De Agostini / Biblioteca Ambrosiana
Konzert

Wiener Philharmoniker

Dvořák / Prokofjew

Hilary Hahn – Violine
Wiener Philharmoniker
Tugan Sokhiev – Leitung


Antonín Dvořák (1841–1904): Konzert für Violine und Orchester a-Moll op. 53 (1879–82)
Sergej Prokofjew (1891–1953): Romeo und Julia op. 64 (1935) (Auszüge)

Nach ihrem spektakulären Debüt beim Musikfest Berlin 2024 sind die Wiener Philharmoniker erneut zu Gast, dieses Mal mit Tugan Sokhiev am Pult. Die dreifache Grammy-Gewinnerin Hilary Hahn übernimmt den Solopart in Antonín Dvořáks brillantem Violinkonzert, das dank der tschechischen Folklore-Tänze nicht nur im mitreißenden Finale für beschwingte Leichtigkeit sorgt. Die Kunstform des Tanzes wählte auch Sergej Prokofjew, um die wohl berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten mit seiner Musik zu erzählen: die Tragödie Romeo und Julia nach William Shakespeare.

Sie zu preisen, hieße in den Worten von Richard Strauss „Geigen nach Wien tragen“. Denn kaum ein anderes Sinfonieorchester ist enger mit der europäischen Musikgeschichte verbunden als die Wiener Philharmoniker. Der einzigartige Klang dieser traditionsreichen Formation ist im Zusammenspiel mit Hilary Hahn zu erleben. „Es fühlt sich an wie Tanzen“, so empfindet die amerikanische Stargeigerin Dvořáks Violinkonzert. „Selbst in den langsamen Abschnitten überwiegt dieser lyrische Aspekt, der immer dahinzufließen scheint, auch wenn man sich viel Zeit für eine Note nimmt.“

Mit seiner Ballettmusik Romeo und Julia knüpft Prokofjew an die große Tradition der Ballette Tschaikowskys und Glasunows an. Allerdings geht Prokofjews differenziertes Tanzdrama mit scharf gezeichneten musikalischen Charakterstudien in seiner Konzeption weit über die bis dahin gesetzten Standards hinaus. Kein Wunder, dass Romeo und Julia , wovon Prokofjew nicht weniger als drei Suiten für den Konzertsaal zusammenstellte, als eines der erfolgreichsten Tanztheater-Projekte des 20. Jahrhunderts in die Musikgeschichte einging.

Einführungsveranstaltung
19:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 1 h 40 min, inklusive Pause

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Pawel Kopczynski
Konzert

Berliner Philharmoniker I

Dean / Debussy

Jennifer France – Sopran
Berliner Philharmoniker
Brett Dean – Leitung


Brett Dean (*1961):
Conversations with Schumann (2026)
für Sopran und Orchester
And once I played Ophelia (2013)
für Sopran und Orchester
Claude Debussy (1862–1918): La cathédrale engloutie (1910)
Bearbeitung für Orchester von Colin Matthews
Brett Dean: Beggars and Angels (1999)
für Orchester

Wenn Brett Dean für Streicher komponiert, weiß er, wovon er schreibt. Schließlich war er als exzellenter Viola-Spieler 14 Jahre lang Mitglied der Berliner Philharmoniker, bevor er zu einem der erfolgreichsten Komponisten seiner Generation avancierte. Für dieses Konzert am Pult seiner ehemaligen Orchesterkolleg*innen präsentiert Dean sein Orchesterstück Beggars and Angels , zu dem er durch eine Ausstellung in Potsdam inspiriert wurde, bei der sich Skulpturen von Bettlern und Gemälde von Engeln gegenüberstanden – für den australischen Musiker nur scheinbar gegensätzliche Sphären, da ihm einige der Engel bei genauerem Hinsehen als Abbilder der Bettler erschienen. Neben zwei weiteren Werken Deans ist Debussys La cathédrale engloutie in der raffinierten Orchesterversion von Colin Matthews zu hören: entrückter Klangzauber, der eine sagenhaft-mystische Welt heraufbeschwört.

Brett Dean hat schon eine ganze Reihe von Werken geschrieben, die sich ausdrücklich auf das Schaffen von Robert und Clara Schumann bzw. auf deren persönliches Umfeld beziehen – Bezüge, die weniger durch direkte Zitate vermittelt werden als vielmehr durch verfremdete Anklänge und bruchstückhafte Reminiszenzen, in denen Momente der musikalischen Romantik wie ein historisches Echo im zeitgenössischen Kontext wahrnehmbar werden. Die ursprüngliche tonale Harmonik wird dabei durch mikrotonale Verschiebungen und Cluster wie in einem Hohlspiegel verfremdet, was einen oft irreal anmutenden Dialog zwischen ferner Vergangenheit und Gegenwart entstehen lässt, wobei Dean bisweilen auch mit kontrastierenden Klangzuständen auf die beiden poetischen Alter Egos von Schumann Bezug nimmt (Florestan und Eusebius). Einen solchen Dialog komponierte Dean auch mit seinen Conversations with Schumann für Sopran und Orchester – eine „Suite“, die zwischen impulsiven (Florestan) und introvertiert-lyrischen (Eusebius) Teilen wechselt. In seinem Werk And once I played Ophelia für die gleiche Besetzung dreht sich die entrückte Musik um die singend in den Tod gehende Geliebte von Shakespeares Hamlet, deren Solopart der Sopranistin allerhand abverlangt: von vierteltönigen Klagerufen bis zum dreigestrichenen f. Mit Debussys La cathédrale engloutie in der brillanten Orchesterversion von Colin Matthews folgt eine atmosphärische Musik, die mit Assoziationen an mittelalterlichen Gesang, Glockenton und Orgelklänge das Bild der Kathedrale von Ys heraufbeschwört, die nach einer bretonischen Legende im Morgengrauen aus dem Meer aufsteigt und wieder versinkt. Der Abend schließt mit Brett Deans Orchesterstück Beggars and Angels , in dem bedrohliche Klangeruptionen auf flirrende Streicher-Flageoletts treffen: Die Himmelsgeschöpfe erweisen sich als unbeständige, vielleicht sogar gefährliche Wesen.

Einführungsveranstaltung
jeweils 45 Minuten vor Konzertbeginn, Südfoyer

Veranstaltungen der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Chaloklum Diving, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Konzert

Matinee: Orgel & Harfe

Marie-Pierre Langlamet

Marie-Pierre Langlamet – Harfe
Shin-Young Lee – Orgel


Alexander Borodin (1833–1887) : Polowetzer Tänze
aus Fürst Igor (1869–87)
Bearbeitung für Orgel von Shin-Young Lee
Franz Liszt (1811–1886): Un sospiro
aus Trois Études de concert (1848)
Bearbeitung für Orgel und Harfe von Marco-Enrico Bossi
Georg-Friedrich Händel (1685–1759):
Passacaglia
aus Suite Nr. 7 in g-Moll HWV 432 (1720)
Bearbeitung für Orgel von Shin-Young Lee
Orgelkonzert op. 4 Nr. 6 B-Dur HWV 294 (1736)
Bearbeitung für Harfe und Orgel mit einer Kadenz von Marcel Grandjany
Camille Saint-Saëns (1835–1921): Mon cœur s’ouvre à ta voix
aus Samson et Dalila op. 47 (1868–77)
Bearbeitung für Orgel von Shin-Young Lee
Gustav Mahler (1860–1911): Adagietto
aus Sinfonie Nr. 5 cis-Moll (1901–04/11)
Bearbeitung für Orgel und Harfe von Joachim Dorfmüller
Louis Vierne (1870–1937): Carillon de Westminster
aus Pièces de Fantaisie pour Grand Orgue op. 54 (1926/27)

Wenn sie am Spieltisch der Orgel Platz nimmt, glaubt man ein großes Sinfonieorchester zu hören – inklusive raffinierter Soli von Flöten, Posaunen und anderen Bläserstimmen. Denn Shin-Young Lee liebt Programme, in denen sie originales Repertoire mit Orgeltranskriptionen berühmter Orchesterwerke kombiniert. Gemeinsam mit Marie-Pierre Langlamet, Harfenistin der Berliner Philharmoniker, präsentiert die international gefeierte Konzertorganistin beim Musikfest Berlin ein spektakuläres Programm, das von Liszts virtuoser Konzertetüde Un sospiro (bei welcher der Eindruck dreier Hände auf der Tastatur entsteht) bis zu Louis Viernes Paradestück Carillon de Westminster reicht.

Die „ganze Farbenpracht des Orients“ wollte Alexander Borodin in seinen Polowetzer Tänzen in Musik fassen. Hinter dem Titel verbirgt sich die berühmte Ballettmusik aus dem 2. Akt der Oper Fürst Igor , deren Triumphzug durch die internationalen Konzertsäle mit einer Aufführung der Ballets Russes 1909 begann. Bei ihrem Gastspiel in Berlin präsentiert die koreanische Organistin Shin-Young Lee ihre eigene, atemberaubend virtuose Version dieses Orchesterklassikers, bevor sie sich mit Marie-Pierre Langlamet Liszts nicht weniger anspruchsvoller Konzertetüde Un sospiro widmet, in der nicht nur das schnelle Überkreuzen der Hände für haarsträubende technische Herausforderungen sorgt. Mit zwei Werken Georg Friedrich Händels geht es dann in die opulente Musik des Barockzeitalters: Auf die berühmte Passacaglia aus der Cembalosuite in g-Moll in der Bearbeitung von Shin-Young Lee folgt das Konzert für Harfe in B-Dur, zu dem der französische Harfenist Marcel Grandjany 1930 eine klangprächtige Kadenz beigesteuert hat. Dass die Orgel nicht umsonst als „Königin der Instrumente“ in die Musikgeschichte einging, belegt dann Shin-Young Lees Version von Camille Saint-Saëns’ Mezzo-Arie Mon cœur s’ouvre à ta voix aus der biblischen Oper Samson et Dalila . Nach dem bekannten Adagietto aus Gustav Mahlers 5. Sinfonie in der Version für Orgel und Harfe klingt der Abend schließlich mit Louis Viernes Carillon de Westminster aus den Pièces de Fantaisie op. 54 aus, einer brillanten Orgel-Adaption der Westminster-Glocken, die sich zu größter Klangpracht aufbaut.

Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© akg-images / Lothar M. Peter
Konzert

Ensemble Resonanz

Britten / Djordjević / Rameau / Poppe (UA)

Anna Prohaska – Sopran
Ensemble Resonanz
Enno Poppe – Leitung (Djordjević, Poppe)


Benjamin Britten (1913–1976): Les Illuminations op. 18 (1939)
Liederzyklus nach Gedichten von Arthur Rimbaud
Milica Djordjević (*1984): Sky limited (2014)
Fassung für Streichorchester
Jean-Philippe Rameau (1683–1764): Suite aus dem Opéra-ballet Les Indes galantes (1735)
Enno Poppe (*1969): Kreis (2026)
für Sopran und Kammerorchester
auf Texte von Angelus Silesius
Kompositionsauftrag des Ensemble Resonanz und der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin
Uraufführung

Mit einem exzentrischen Programm voller kreativer Widersprüche und Überraschungen präsentiert sich das Hamburger Ensemble Resonanz in Berlin. Orte und Zeiten, Stile und Ideen bringen den musikalischen Kompass in Verwirrung. Milica Djordjević entfesselt Naturgewalten und beschwört die Energie des Geräuschs. Benjamin Britten besänftigt die Geister der Moderne, während der Sprung zurück in die französische Barockmusik den Komponisten Jean-Philippe Rameau als Visionär enthüllt. Enno Poppe indessen schafft in seinem neuen Werk eine rätselhafte Verbindung zurück in die Zeit, als die Stimmungen unseres Tonsystems noch bunt und alles andere als normiert waren.

Vier musikalische Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten, stoßen im Programm des Ensemble Resonanz mit Werken von Benjamin Britten, Milica Djordjević, Jean-Philippe Rameau und Enno Poppe aufeinander. Aber die Streicher*innen aus Hamburg sind bekannt für ihre stilistische Flexibilität. So wie Rameau 1735 von neuen Welten träumte, lässt sich das Kammerorchester auf die aktuellsten Entwicklungen der Musik unserer Zeit ein und schafft zugleich überraschende Begegnungen mit der Ära des Barock. Die Aufführungspraxis beider Epochen beherrschen die Musiker*innen virtuos. Wenn Enno Poppe in diesem Konzert die Fäden als Dirigent zusammenhält und zugleich ein eigenes Werk für die Solistin Anna Prohaska aus der Taufe hebt, stellt sein „mikrotonales Continuo“ die Selbstverständlichkeiten des Fortschritts in Frage. Seine Stimmungen bringen den Boden des Vertrauten verlässlich ins Wanken und erinnern dabei an die blühende Vielfalt des Barock. Djordjević hingegen beschwört in ihrer frühen Musik für Streichorchester die Energie des Geräuschs. Ganz anders richtet sich der Blick kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bei Benjamin Britten. Auf Gedichte des Symbolisten Arthur Rimbaud komponierte er fein gesponnene Streichertexturen, die den Gesang in eigenartige neue Sphären transportieren, die sich kaum mit dem Verstand erklären lassen – und die Solistin singt frei nach Rimbaud: „Ich allein habe den Schlüssel zu dieser wilden Parade.“

Einführungsveranstaltung
16:10 Uhr, Oberes Foyer

Dauer: circa 1 h 50 min, eine Pause

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© akg-images
Konzert

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Denisov / Vieru / Rachmaninow

Galina Cheplakova – Sopran
Anton Rositskii – Tenor
Vladislav Sulimsky – Bariton
Rundfunkchor Berlin
Florian Helgath – Einstudierung
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Vladimir Jurowski – Leitung


Edison Denisov (1929–1996): Peinture (1970)
für Orchester
Anatol Vieru (1926–1998): Sinfonie Nr. 2 (1973/74)
Sergej Rachmaninow (1873–1943): Die Glocken op. 35 (1913)
für Soli, Chor und Orchester

Durchsichtig, filigran, fast schwebend wirkt die Musik von Peinture , mit der Edison Denisov zu einem der führenden Modernisten der damaligen Sowjetunion avancierte – gemeinsam mit Alfred Schnittke und Sofia Gubaidulina, deren Werke ebenfalls beim diesjährigen Festival zu erleben sind, bildete er die in der UdSSR unerwünschte Avantgarde-Troika. Vladimir Jurowski und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin präsentieren das viel zu selten gespielte Orchesterwerk beim Musikfest Berlin, bevor sie mit der 1973 in West-Berlin entstandenen 2. Sinfonie des rumänischen Komponisten und 100-jährigen Jubilars Anatol Vieru für eine echte Wiederentdeckung sorgen. Der Abend schließt mit der Chor-Sinfonie Die Glocken , die Sergej Rachmaninow zu seinen besten Werken zählte. Neben einem international renommierten Solist*innenensemble singt der Rundfunkchor Berlin.

Musik als Spiel der Farben, Schichten und Texturen: Edison Denisov widmete Peinture dem russischen Maler Boris Birger, der mit seinen existenziell und religiös aufgeladenen Arbeiten an die expressive Moderne anknüpfte. Das hochpoetisch-schillernde Klangfresko basiert auf unterschiedlichen Klangmischungen, die in den Worten Denisovs „stets melodisch“ bleiben. „Reine Farben werden nur am Anfang und am Schluss exponiert.“ Demgegenüber treffen in Anatol Vierus 2. Sinfonie schroffe rhythmische Impulse auf irisierende Klangflächen – ein Werk, das Schönbergs Bonmot bestätigt, man könne auch im 20. Jahrhundert noch gute Musik in C-Dur schreiben. Im ersten Satz trifft ein „hinkender“ Walzer im 5/4-Takt auf Burleskes à la Mahler, bevor ein pulsierender Choral sowie aus tiefsten Registern emporsteigende Klangfontänen Bilder der „unendlichen“ Säulen des rumänischen Bildhauers Constantin Brâncuși zu beschwören scheinen. In seiner Sinfonie verarbeitete Vieru die traumatischen Erlebnisse, die er als Jude 1941 in Rumänien erfahren musste. Komponiert hat er das zwischen Spätromantik und Zweiter Wiener Schule changierende Werk als Stipendiat des DAAD in West-Berlin. Gänzlich spätromantisch gibt sich schließlich Sergej Rachmaninows Chor-Sinfonie Kolokola (Die Glocken) nach dem Gedichtzyklus The Bells von Edgar Allan Poe, gesungen in der kongenialen russischen Übertragung des Symbolisten Konstantin Balmont. Musik von abgründigem Fatalismus, in der der Klang von Schlitten-, Hochzeits-, Feuer- und Totenglocke zum Symbol für die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens wird.

Einführungsveranstaltung
19:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 1 h 30 min, eine Pause

Eine Veranstaltung des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Anja Thölking
Oper

Chineke! Orchestra / Cape Town Opera

The Gershwins’ Porgy and Bess

Siyabulela Ntlale – Bassbariton (Porgy)
Nonhlanhla Yende – Sopran (Bess)
Lukhanyo Moyake – Tenor (Sportin’ Life)
Conroy Scott – Bariton (Crown)
Brittany Smith – Sopran (Clara)
Siphamandla Moyake – Sopran (Serena)
Lungelwa Mdekazi – Mezzosopran (Maria)
Magdalene Minnaar – Regie
Malika Rosalind – Dramaturgie, Textfassung
Shaun Oelf, Grant van Ster – Choreografie
Maritha Visagie – Kostüme, Leitung Garderobe
Cape Town Opera Vocal Ensemble
Antoinette Huyssen – Einstudierung
Chineke! Orchestra
Enrique Mazzola – Leitung


The Gershwins®’: Porgy and Bess® (1935)
Oper in drei Akten
von George Gershwin, Erwin DuBose Heyward, Dorothy Heyward und Ira Gershwin
Halbszenische Aufführung

Mehr Vielfalt in der klassischen Musik! Diesem Ziel hat sich das 2015 in London gegründete Chineke! Orchestra verschrieben, das sich als Katalysator für Veränderungen versteht und sich für mehr Diversität innerhalb der Klassik-Branche einsetzt. Anlässlich ihrer Europa-Tournee mit der Cape Town Opera aus Südafrika präsentieren sie beim Musikfest Berlin George Gershwins Meisterwerk Porgy and Bess in einer halbszenischen Neuproduktion. Die Leitung übernimmt Enrique Mazzola.

Als George Gershwin an Porgy and Bess arbeitete, war die Rassendiskriminierung in weiten Teilen der USA noch immer Normalität im öffentlichen Leben. Die quasi veristische Oper zählt heute zu den meistgespielten Bühnenwerken des 20. Jahrhunderts. Bereits 1952 stand Porgy and Bess bei den Berliner Festwochen im Titania-Palast im damaligen West-Berlin auf dem Programm, gefolgt von Aufführungen 1976 und 2012. Die Oper handelt vom Schicksal der sozial benachteiligten Afroamerikaner*innen im Süden der USA. Schauplatz ist die Cattfish Row, eine schäbige Gasse nahe dem Hafen von Charleston in South Carolina. Gershwin, der damals zu den erfolgreichsten Broadway-Komponist*innen seiner Zeit gehörte und sich in Porgy and Bess an den unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen orientierte (inklusive Jazzeinflüssen und Spirituals in teilweise höchst verwickelten musikalischen Sätzen), sorgte dafür, dass das Werk nicht nur einem elitären Opernpublikum zugänglich wurde. Zudem wollte er, dass Porgy and Bess ausschließlich von schwarzen Sänger*innen aufgeführt würde: ein ideales Projekt für das erstklassige Cape Town Opera Vocal Ensemble aus Südafrika und das Chineke! Orchestra, das seit seinem umjubelten Debüt 2017 bei den prestigeträchtigen BBC Proms in der Royal Albert Hall aus dem britischen Musikleben nicht mehr wegzudenken ist. Dirigent ist Enrique Mazzola, derzeitig Musikdirektor an der Lyric Opera of Chicago.

Einführungsveranstaltung
19:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 2 h 40 min, inklusive Pause

in englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Kseniia Neruk
Konzert

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin I

Britten / Mahler / Lim / Beethoven

Francesco Piemontesi – Klavier
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Simone Young – Leitung


Benjamin Britten (1913–1976): Four Sea Interludes op. 33a
aus der Oper Peter Grimes (1944/45)
Gustav Mahler (1860–1911): Adagio
1. Satz aus der Sinfonie Nr. 10 (1910)
Liza Lim (*1966): Sappho/ Bioluminescence (2019/20)
für Orchester
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73 (1808/09)

Das Konzert wird mit einer Rede von Michel Friedman eröffnet.

Mit einer wilden Sturmmusik enden Benjamin Brittens Sea Interludes aus seiner Erfolgs-Oper Peter Grimes . Die Vision des tragischen Helden von Glück und innerem Frieden wird hier von einem letzten Orchesterausbruch hinweggefegt. Beim Konzert des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Simone Young folgt das Adagio aus Gustav Mahlers unvollendeter 10. Sinfonie: ein „Lebenstornado“ (Jens Malte Fischer), der in einer der schwersten Krisen entstand, die der Komponist im letzten Sommer seines Lebens zu durchleiden hatte. Oszillierende Flächen prägen die Klanglandschaft Sappho/ Bioluminescence der australischen Komponistin Liza Lim, bevor der Abend mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 ausklingt.

Britten widmete seine Oper Peter Grimes dem „ewigen Kampf der Männer und Frauen, deren Lebensunterhalt vom Meer abhängt“. Noch vor der Premiere fasste er vier der orchestralen Vor- und Zwischenspiele zu den Sea Interludes zusammen – einer Abfolge ungemein plastischer Miniatur-Tondichtungen, die die englische Nordseeküste mit ihren dramatischen Steilklippen, malerischen Fischerdörfern und tosenden Stürmen in Klang fasst. Einen Seelensturm komponierte Gustav Mahler mit dem berühmten Adagio der 10. Sinfonie, nachdem er von der Affäre seiner Frau Alma mit Walter Gropius erfahren hatte: Musik, die konsequent auf die Katastrophe ausgerichtet ist, mit einem gleißend dissonanten Neuntonklang, der sich nach einem schrill ausgehaltenen A der Geigen (A wie Alma!) allmählich aufbaut. Sprechende Musik: Mit ihr ließ der britische Regisseur Ken Russell in seinem Mahler-Film von 1974 das berühmte Komponierhäuschen Mahlers in Flammen aufgehen. Flirrende Streicherflächen, irisierende Bläserklänge und mikrotonale Glissandi bestimmen wiederum das atmosphärische Orchesterstück Sappho/ Bioluminescence von Liza Lim. Der zweiteilige Titel verweist auf die fragmentarisch überlieferte, geheimnisvolle und zeitlos wirkende Liebeslyrik der im Titel erwähnten antiken Dichterin, die mit dem Bild eines inneren, körperlichen Leuchtens verbunden wird. In die Zeit der Napoleonischen Kriege führt schließlich Beethovens Fünftes Klavierkonzert, in das der Komponist seine patriotischen (nun antinapoleonischen) Ansichten einfließen ließ. Bezugnehmend auf den im angelsächsischen Sprachraum gebräuchlichen Beinamen „The Emperor“ brachte der Musikwissenschaftler Harry Goldschmidt daher auch den weitaus treffenderen Titel „The Anti-Emperor“ ins Spiel.

Einführungsveranstaltung
19:15 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 2 h, eine Pause

Eine Veranstaltung des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© akg-images / Michel Dieuzaide
Konzert

Berliner Philharmoniker II

de Falla / Milliken (UA) / Janáček

Rinat Shaham – Mezzosopran
Dominik Wollenweber – Englischhorn
Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle – Leitung


Manuel de Falla (1876–1946) : Der Dreispitz (1917–19)
Ballett in zwei Akten
Konzertante Aufführung
Cathy Milliken: why feather yellow (2026)
Konzert für Englischhorn und Orchester
Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker
Uraufführung
Leoš Janáček (1854–1928): Taras Bulba (1915–18)
Rhapsodie für Orchester

In seiner Ballettkomödie Der Dreispitz übernahm Manuel de Falla Stilmerkmale des Cante Flamenco sowie Tanzmodelle von Farrucca, Fandango und Jota. Das Ergebnis? Ein folkloristisches Klangfeuerwerk in idealisiertem iberischen Nationalidiom, zu dem Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker einladen. Nach der Uraufführung von Cathy Millikens why feather yellow für Englischhorn und Orchester folgt mit Leoš Janáčeks sinfonischem Triptychon Taras Bulba nach der gleichnamigen Novelle von Nikolai Gogol ein Abstecher in die Weiten Russlands: mit eingängiger, rhapsodischer Musik zwischen verinnerlichter Lyrik und zupackender Dramatik, die in einem klangvollen Choral endet.

Es war der geniale Impresario Sergej Diaghilew, der Manuel de Falla dazu bewegte, seine pantomimische Farce El corregidor y la molinera für die Ballets Russes umzuarbeiten und weitere Tänze sowie eine Gesangseinlage für Mezzosopran zu komponieren – und das, ohne authentische Folklore zu zitieren. Die Musik „ohne Authentizität“ (de Falla) führte schließlich zum zweiaktigen Ballett El sombrero de tres picos (Der Dreispitz) , für dessen gefeierte Londoner Premiere neben Léonide Massine (Choreografie) auch Pablo Picasso (Bühnenbild, Dekorationen und Kostüme) verpflichtet wurde. Musik und Inszenierung, in die auch Anregungen des jungen spanischen Flamenco-Tänzers Felix Fernandes García einflossen, avancierten zu einer der berühmtesten Produktionen der Ballets Russes.

Nach der konzertanten Aufführung dieser sonnendurchfluteten Komödie, in der Rinat Shaham den Mezzosopran-Solopart übernimmt, steht mit dem Philharmoniker Dominik Wollenweber die Premiere des Englischhorn-Konzerts der Oboistin, Komponistin und Musikpädagogin Cathy Milliken auf dem Programm, die von 2005 bis 2012 Leiterin des Education-Programms der Berliner Philharmoniker gewesen ist. Im Anschluss folgt Leoš Janáčeks suggestive Orchesterrhapsodie Taras Bulba nach Gogol, die von den ukrainischen Befreiungskriegen gegen die polnische Okkupation im 17. Jahrhundert handelt. Obwohl der Kosakenhauptmann, nach dem das Werk benannt ist, am Ende katastrophal scheitert, endet der dritte und letzte Satz (Prophezeiung und Tod Taras Bulbas) in einem klangvollen Choral, der mit Orgelklängen und Glockengeläut zum Symbol einer Freiheitsvision wird.

Einführungsveranstaltung
jeweils 45 Minuten vor Konzertbeginn, Südfoyer

Dauer: circa 1 h 30 min, inklusive Pause

Veranstaltungen der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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Konzert

Ensemble Modern / Neue Vocalsolisten Stuttgart / SWR Experimentalstudio

Iannotta / Illés (UA)

Neue Vocalsolisten Stuttgart
SWR Experimentalstudio
Michael Acker, Maurice Oeser – Klangregie
Ensemble Modern
Michael Wendeberg – Leitung


Clara Iannotta (*1983):
They left us grief-trees wailing at the wall (2020)
für 9 verstärkte Instrumente und Elektronik
echo from afar (ii) (2022)
für sechs Musiker*innen und Elektronik
Márton Illés (*1975): von mund zu mund (2026)
für Stimmen, Ensemble und Live-Elektronik
nach einem Text von Felix Reinhuber
Kompositionsauftrag des Ensemble Modern, der Neuen Vocalsolisten Stuttgart, des SWR Experimentalstudio und der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin, ermöglicht durch die Ernst von Siemens Musikstiftung
Uraufführung

Partituren, die in Grenzbereiche führen: Anfang, Übergang und Ende. Das neue Werk des ungarischen Komponisten Márton Illés folgt dem Dichter Felix Reinhuber auf seiner Suche nach dem Ursprung der Sprache vor Millionen von Jahren. Die spekulative Klang- und Laut-Forschung bringt die Neuen Vocalsolisten Stuttgart und das Ensemble Modern unter Michael Wendeberg mit dem SWR Experimentalstudio aus Freiburg zusammen, wobei die Geburt der Sprache eine Geschichte der Anfänge verheißt, voller Möglichkeiten, voller überschüssiger Potentiale. Mit They left us grief-trees wailing at the wall blickt Clara Iannotta hingegen – auf den Spuren der Dichterin Dorothy Molloy – auf das ultimative Ende: klagend, geheimnisvoll, aber zugleich voller Liebe zum Leben. Das Werk echo from afar (ii) der italienischen Komponistin untersucht ihre Erfahrung einer Strahlentherapie sowie die damit verbundenen Geräusche als Klangerlebnis.

Ist die Musik aus der Sprache entstanden oder umgekehrt? Der Ursprung gibt Rätsel auf, dabei gab es wahrscheinlich ohnehin nicht einen, sondern mehrere Anfänge. Clara Iannotta und Márton Illes – zwei im besten Sinne eigenwillige Vertreter*innen der zeitgenössischen Musikszene – lassen sich von Lyriker*innen inspirieren. Die Gedichte der Irin Dorothy Molloy begleiten Iannotta schon lange und bereiteten den Boden für Werke wie They left us grief-trees wailing at the wall . Auf die surreale Szene einer akustischen Klagemauer antwortet die Italienerin mit einer Reise durch eine Klangwelt, in der kaum etwas an den vertrauten Klang der klassischen Instrumente erinnert. Mit Klebestreifen, Styropor und Pappe präpariert, aber auch ungewöhnlich gespielt, verwandeln sich die Instrumente, offenbaren eine andere Identität und verrücken die Koordinaten des gewohnten Systems.

Ausgehend von der Erfahrung, dass alles, was sicher scheint, seine Selbstverständlichkeit plötzlich verlieren kann, entstand die Kammermusik mit Elektronik echo from afar (ii) . Geschrieben nach einer Strahlentherapie, verarbeitet Clara Iannotta in diesem Werk ihre akustischen Erinnerungen an die Behandlung zwischen Furcht und Zuversicht. Die Musik ist dabei kein Abbild der Krankheit, vielmehr sucht die Komponistin nach einem Ausdruck für „diese unsichtbare Kraft, die einen von innen verändert“ – und vertraut damit auf einen Neubeginn.

Márton llés, ein Komponist, der kaum ein Detail seiner differenzierten Klang- und Geräuschfindung dem Zufall überlässt, spekuliert mit dem Dichter Felix Reinhuber über erste Artikulationen. Die Reise zurück in die Zeit der Anfänge ist ein Versuch, das Etablierte und Gemachte zu vergessen und sich jenseits tradierter Formsprachen zu bewegen. Dass der Traum von der Urzeit vom SWR Experimentalstudio live-elektronisch unterstützt wird, ist kein Widerspruch. Ob beim Aufbruch oder bei der Rückkehr ins Unbekannte: mit Hilfe von Technologie lassen sich manche Schwellen überwinden.

Einführungsveranstaltung
18:10 Uhr, Oberes Foyer

Dauer: circa 1 h 20 min, eine Pause

Ein Projekt des Ensemble Modern, gefördert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung und die Ensemble Modern Patronatsgesellschaft e. V., mit freundlicher Unterstützung des SWR Experimentalstudio

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© akg-images / Matthias Lüdecke
Oper

Deutsche Oper Berlin

Karlheinz Stockhausen Mittwoch aus Licht

Maxime Pascal – Musikalische Leitung
Susanne Kennedy – Regie
Markus Selg – Bühnenbild, Video
Andra Dumitrascu – Kostüme
Marcel Weber – Licht
Florent Derex – Sounddesign
Jeremy Bines – Choreinstudierung Weltparlament
Beate Breidenbach – Dramaturgie
Tarren Johnson, Marie Groothof, Dominic Santia, Ixchel Mendoza, Laurie Young – Performer*innen
Chor der Deutschen Oper Berlin, Ensemble Le Balcon – Chöre
Ensemble Le Balcon, Streichquartett aus dem Orchester der Deutschen Oper Berlin (Anna Matz, Monia Rizkallah, Kirsikka de Leval Jeziersk, Arthur Hornig) – Musiker*innen


Karlheinz Stockhausen (1928–2007): Mittwoch aus Licht (1995–97)
Oper in einem Gruß, vier Szenen und Abschied
Deutsche Erstaufführung
Szenische Aufführung

Mit Beginn der neuen Intendanz von Aviel Cahn wagt sich die Deutsche Oper Berlin an ein Projekt, das Grenzen sprengt: Karlheinz Stockhausens Mittwoch aus Licht ist erstmals als szenische Opernproduktion im deutschsprachigen Raum zu erleben und wird vom mehrfach ausgezeichneten Künstler*innenduo Susanne Kennedy und Markus Selg zu einem immersiven Ritual verdichtet. Die musikalische Leitung liegt beim neuen Principal Guest Conductor und leidenschaftlichen Stockhausen-Kenner Maxime Pascal. Für das spektakuläre Helikopter-Streichquartett verlässt die Aufführung sogar den Theaterraum, denn die vier Streicher*innen sitzen in vier hoch über dem Publikum kreisenden Hubschraubern – ein einmaliges Live-Event für die ganze Stadt, dessen filmische Aufzeichnung anschließend Teil der Inszenierung wird.

Nicht weniger als ein kosmisches Welttheater um Mann und Frau, Gut und Böse, Geburt und Tod entwirft der Klangvisionär Stockhausen in seinem monumentalen Zyklus LICHT. Die sieben Tage der Woche . Während in anderen Teilen des Zyklus der Kampf miteinander streitender Kräfte im Zentrum steht, deren Polarität unser Leben jeden Tag aufs Neue bestimmt, wird im Mittwoch die Utopie der Liebe und der spirituellen Verbindung im Geiste der Musik zelebriert – und der Glaube daran, dass Gemeinschaft und Solidarität möglich sind. Kompromisslos war Stockhausen auf der Suche nach einer neuen Art von Musik; er gilt als einer der innovativsten, aber auch streitbarsten Komponist*innen des 20. Jahrhunderts. Als Pionier der elektronischen Musik hat er nicht zuletzt die Popmusik – bis hin zu Kraftwerk und Björk – über alle Genregrenzen hinweg inspiriert.

Spektakuläres Herzstück des Mittwoch aus Licht ist das Helikopter-Streichquartett. Hier erweitert Stockhausen den musikalischen Raum über den Theaterraum hinaus: Die Mitglieder eines Streichquartetts sitzen in vier hoch über dem Publikum kreisenden Hubschraubern. Die Streicherklänge mischen sich mit den Geräuschen der Rotorenblätter und werden aus luftigen Höhen in den Zuschauer*innenraum geschickt. Für die Produktion der Deutschen Oper Berlin wird das Quartett als einmaliges Event live für die ganze Stadt aufgeführt; die filmische Aufzeichnung des Quartetts wird Teil der Inszenierung.

Das mehrfach ausgezeichnete Künstler*innenduo Susanne Kennedy und Markus Selg, das im Musiktheater mit Einstein on the Beach am Theater Basel sowie mit Parsifal an der Oper Antwerpen Aufsehen erregte, wird Mittwoch aus Licht in seiner ersten Opernproduktion in Berlin zu einem immersiven Ritual verdichten. Maxime Pascal, mit Beginn der neuen Intendanz Principal Guest Conductor, ist ein Kenner und leidenschaftlicher Anwalt der Musik Stockhausens und hat bis auf den Mittwoch bereits alle Teile des LICHT-Zyklus zur Aufführung gebracht.

Einführungsveranstaltung
jeweils 45 min vor Vorstellungsbeginn

Dauer: circa 4 h, mit Pausen

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Eine Koproduktion mit der Philharmonie de Paris

Mit freundlicher Unterstützung der LOTTO-Stiftung Berlin und dem Förderkreis der Deutschen Oper Berlin

Eine Veranstaltung der Deutschen Oper Berlin in Zusammenarbeit mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Bernhard Müller
Musiktheater

Salzburger Marionettentheater

Igor Strawinsky Die Geschichte vom Soldaten

Matthias Bundschuh – Regie, Bühne
Georg Baselitz – Marionetten, Ausstattung
Leonhard Winkler – Ausführender Bildhauer, Figurenbau
Isabelle Faust – Violine
Pascal Moraguès – Klarinette
Giorgio Mandolesi – Fagott
Reinhold Friedrich – Kornett
Ian Bousfield – Posaune
Wies de Boevé – Kontrabass
Raymond Curfs – Schlagzeug
Dominique Horwitz – Sprecher
Die Marionettenspieler*innen und ihre Rollen:
Edouard Funck, Ursula Winzer – Der Soldat
Philippe Brunner, Eva Wiener – Der Teufel
Vladimir Fediakov, Maximilian Kiener-Laubenbacher – Die Prinzessin
Veronika Grimme – Der König / Der Veteran
Marion Mayer – Der Ausrufer / Der Trompeter
Philipp Schmidt – Der Trommler
Ensemble des Salzburger Marionettentheaters – Dorfbewohner


Igor Strawinsky (1882–1971): Die Geschichte vom Soldaten (1917/18)
Ein Bühnenstück zu lesen, zu spielen und zu tanzen
Text von Charles Ferdinand Ramuz, in der deutschen Nachdichtung von Hans Reinhart
Szenische Aufführung

Igor Strawinskys Die Geschichte vom Soldaten ist ein Werk sui generis: keine Oper, sondern ein Stück „zu lesen, zu spielen und zu tanzen“. Matthias Bundschuhs Inszenierung dieses Musiktheaters ist nach der gefeierten Premiere im Rahmen der Salzburger Festspiele 2025 in Kooperation mit dem Salzburger Marionettentheater nun beim diesjährigen Musikfest Berlin zu erleben. Die Marionettenentwürfe der Produktion stammen von Georg Baselitz: Für den Maler, Bildhauer und Grafiker war der Gedanke leitend, dass die Marionetten mit einfachsten Mitteln und auf das Wesentliche reduziert gestaltet sein sollten. Komplettiert wird die bemerkenswerte künstlerische Konstellation durch den Schauspieler Dominique Horwitz als Sprecher sowie ein hochkarätig besetztes Miniaturorchester mit Isabelle Faust und ihren Freunden.

Die Uraufführung der Geschichte vom Soldaten 1918 in Lausanne markierte nicht nur einen wichtigen Moment in der Schweizer Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts, sondern machte sie zu einem Schlüsselwerk der musikalischen Moderne. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs befand Strawinsky sich im Exil am Genfer See, wo er den Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz kennenlernte. Aufgrund ausbleibender regulärer Einnahmen beschlossen die beiden Künstler, gemeinsam eine Art Wandertheater zu realisieren. Die Handlung um einen desertierten Soldaten, den Teufel, eine Geige und eine Prinzessin finden sie in einem russischen Volksmärchen, wobei Strawinsky und Ramuz die Vorlage in wesentlichen Punkten umarbeiteten.

Die Protagonist*innen der Geschichte vom Soldaten erscheinen nicht als individuelle Charaktere, sondern als Figuren aus dem Repertoire des Puppen- und Jahrmarkttheaters. Die Musik ist für ein siebenköpfiges Instrumentarium geschrieben und besteht aus 16 knapp gefassten Nummern, in denen Strawinsky mit allgemeinen musikalischen Topoi vom Marsch bis zum Tango arbeitet. Charakteristisch sind der Aufbau aus kleinen – zwar variierten, in ihrer Substanz aber stabil bleibenden – Elementen, das Überlagern verschiedener Schichten mit je eigenen Rhythmen und eine gewisse klangliche Trockenheit und Härte.

Das Salzburger Marionettentheater zählt zu den traditionsreichsten Figurentheatern weltweit und wurde 1913 von dem Bildhauer Anton Aicher gegründet. Das Ensemble besteht aus zehn Marionettenspieler*innen, die in den unterschiedlichsten handwerklichen Berufen ausgebildet sind, um Figuren, Bühnenbild und Requisiten selbst herzustellen. Im Jahr 2016 wurde die Spielpraxis des Salzburger Marionettentheaters zum immateriellen UNESCO Kulturerbe ernannt. Nach einem Besuch des Künstlers Georg Baselitz, der seit Langem ein Interesse an dieser Kunstform hegt, ergab sich die Zusammenarbeit fast zwangsläufig. Rasch fiel die Wahl auf die Geschichte vom Soldaten , wobei sich die von Baselitz entwickelten Marionetten zum artifiziell Hergestellten und Gemachten des Theaters bekennen: „Also besorgte ich mir ein dünnes Blech, das ich selbst biegen konnte, mit dem ich formal sehr frei umgehen konnte. […] Ich habe alle diese Gestalten selbst zurechtgeknittert, also zurechtgeformt. Den Körper, der ja üblicherweise unter Kleidung versteckt ist, habe ich nur vom Skelett her gezeigt — er besteht ausschließlich aus Pappröhren.“

Dauer: ca. 1h 15 min, ohne Pause

Empfohlen ab 12 Jahren

Eine Koproduktion des Salzburger Marionettentheaters mit den Salzburger Festspielen
mit Unterstützung der Galerie Thaddaeus Ropac

Die Tournee 2026 wird unterstützt von fürst developments, Salzburg.

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Samuel Zeller, CC0, via Wikimedia Commons
Konzert

Late Night Berliner Philharmoniker

Milliken (UA) / Dean / Schumann

Noah Samuel Bendix-Balgley – Violine
Brett Dean – Viola
Ludwig Quandt – Violoncello
Benjamin Hochman – Klavier


Cathy Milliken: In Play (2026)
für Klavierquartett
Uraufführung
Brett Dean (*1961): Imaginary Ballet (2021)
für Klavier und Streichtrio
Robert Schumann (1810–1856): Klavierquartett Es-Dur op. 47 (1842)

Late Night in der Philharmonie Berlin: Noah Samuel Bendix-Balgley, 1. Konzertmeister, und Ludwig Quandt, 1. Solocellist der Berliner Philharmoniker, finden sich zu später Stunde zum Konzert mit ihrem ehemaligen Kollegen Brett Dean (Viola) ein – gemeinsam mit dem Weltklasse-Pianisten Benjamin Hochman, dem die New York Times erst kürzlich „Finesse, Eleganz und Brillanz“ bescheinigte. Nach dem neuen Werk In Play von Cathy Milliken widmen sich die Musiker Deans Imaginary Ballet , einer schwungvollen Suite für Klavier und Streichtrio aus „schnellen, rhythmischen, tänzerischen Sätzen“ (Dean). Der Abend schließt mit Robert Schumanns romantischem Klavierquartett Es-Dur op. 47.

Schaffensrausch: Das Es-Dur-Klavierquartett entstand in einer weitgehend schlaflos verbrachten Woche zwischen dem 24. und dem 30. Oktober 1842; nach weiteren 19 Tagen lag die Partitur vollständig vor. Robert Schumanns Ehefrau Clara zeigte sich anlässlich der ersten Aufführung im privaten Rahmen „wahrhaft entzückt“ von diesem „schönen Werke, das so jugendlich und frisch ist, als wäre es das Erste.“ Zweifellos besticht die poetische, von einem individuellen romantischen Tonfall geprägte Musik durch eingängige Themen und eine ausgeprägte Gleichberechtigung aller vier Akteure – wobei der sich aussprudelnde „Champagnergeist“ des Scherzos (Schumann) einen besonderen Akzent setzt. Überschäumend und stürmisch gibt sich auch Brett Deans Imaginary Ballet für Klavier und Streichtrio, dessen tänzerische Teile durch eine Reihe langsamerer Zwischenspiele kontrastiert werden, die das Ganze mit allerhand „Oasen aus Silhouetten und Schatten“ (Dean) bereichern. Geprägt wurde das Stück von den musikalischen Vorlieben des Komponisten während der Corona-Pandemie, in der er sich „energiegeladener, direkter und temperamentvoller Musik“ zuwandte, um dem „manchmal fast überwältigenden Gefühl einer globalen Tragödie bewusst entgegenzuwirken. Diese Hörgewohnheiten während des Lockdowns, zu denen oft auch heimliche Freuden an alten Pop-, Rock- und Dance-Music-Lieblingen gehörten, haben sich irgendwie unbemerkt in dieses neue Stück eingeschlichen. So wurde aus einem abstrakten Kammermusikstück für die klassische Klavierquartett-Besetzung ein ‚Imaginäres Ballett‘ […]“.

Dauer: circa 1 h 5 min, ohne Pause

Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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© Yoshikatsu Hayashi
Konzert

Kanze Nō Theater

Kiyokazu Kanze, XXVI. Großmeister der Kanze-Schule

Kanze Nō Theater – Ensemble
Kiyokazu Kanze, XXVI. Großmeister der Kanze-Schule – Hauptdarsteller


Hagoromo (Das Federgewand): Nō-Drama
(Anonym, ca. 14./ 15. Jh.)
Kaki Yamabushi (Der Persimonendieb): Kyōgen-Komödie
(Anonym, ca. 14./ 15. Jh.)
Shakkyō (Die Steinbrücke): Nō-Drama in verkürzter Form (Han-Nō)
(Anonym, ca. 14./ 15. Jh.)

Im Rahmen seiner Europa-Tournee 2026 ist das Ensemble des Kanze Nō Theaters aus Tokio beim Musikfest Berlin zu Gast. Mit Kiyokazu Kanze – dem 26. Großmeister der Kanze-Schule – als Hauptdarsteller präsentiert die Kompanie drei Werke des klassischen Nō-Theaters. Die genuin japanische Theaterform entstand vor ungefähr 700 Jahren und gilt als eine der ältesten der Welt. Mit seiner Bildsprache, seinem Klangsinn und seiner (musikalischen) Dramaturgie übte das Nō-Theater nicht zuletzt einen starken Einfluss auf die europäische Gegenwartsmusik aus. Zu seinen Charakteristika zählen die bewusste Minimalisierung der Ausdrucksmittel, der Einsatz von Masken sowie die starke Formalisierung körperlicher Bewegungen. Am folgenden Tag gibt Kiyokazu Kanze im Rahmen einer speziell für Kinder und Jugendliche vorbehaltenen Education-Veranstaltung einmalige Einblicke in die Welt des Nō-Theaters.

In der Philharmonie Berlin präsentiert das Ensemble des Kanze Nō Theater die beiden Nō-Dramen Hagoromo und Shakkyō sowie die Kyōgen-Komödie Kaki Yamabushi.

Hagoromo (Das Federgewand) ist bekannt für seinen anmutigen Tanz, der beim Musikfest Berlin von Großmeister Kanze XXVI. aufgeführt wird. Das Werk ist eine Adaption der Legende Hagoromo Densetsu , deren Ursprünge bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen und die deutliche Parallelen zur in Europa bekannten Sage von der „Schwanenjungfrau“ aufweist. Kaki Yamabushi (Der Persimonendieb) gehört zu den meistgespielten japanischen Kyōgen-Komödien. Kyōgen ist ebenfalls eine traditionelle japanische Theaterform und entstand gemeinsam mit Nō im Verlauf des 14. Jahrhunderts. Der heitere, oft burleske Grundton der Kyōgen-Stücke bildet einen bewussten Kontrast zu den ernsten Themen der Nō-Dramen. Als eigenständige, kurze Zwischenspiele werden Kyōgen-Stücke zwischen zwei Nō-Werken zur Aufführung gebracht. Shakkyō (Die Steinbrücke) ist ein berühmtes festliches Nō-Stück, das besonders für seinen spektakulären Löwentanz bekannt ist. Das Stück wird häufig als Abschluss eines Nō-Programms aufgeführt, wobei oft nur der zweite Teil, der eigentliche Löwentanz, gezeigt wird (Han-Nō bzw. Halb-Nō).

Das Gastspiel des Kanze Nō Theater aus Tokio beim Musikfest Berlin 2026 findet im Rahmen des Jubiläumsjahrs der Berliner Festspiele statt. Die Beschäftigung mit der traditionellen japanischen Kultur und ihren Ausdrucksformen ist Teil ihrer 75-jährigen Institutionsgeschichte. Bereits 1985 stellte das Festival Horizonte der Berliner Festspiele, das sich außereuropäischen Kulturen widmete, die Formen und Vielfalt des japanischen Theaters vor; das Pariser Théâtre du Soleil integrierte 1991 in sein Gastspiel Elemente fernöstlicher Bühnenkunst. Der Themenschwerpunkt der Berliner Festwochen, dem Vorgängerfestival des Musikfest Berlin, lautete im Jahr 1993 „Japan und Europa“, wobei Vorstellungen des Nō-Theaters einen wesentlichen Schwerpunkt des Programms bildeten. Zuletzt gastierte im Rahmen des Musikfest Berlin 2019 das Ensemble der Umewaka Kennōkai Foundation Tokio in der Philharmonie Berlin.

Einführungsveranstaltung
18:45 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 2 h, eine Pause

In japanischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Ein Gastspiel im Rahmen der Europa-Tournee 2026 (Berlin – München – Brüssel – Köln) und eine gemeinsame Initiative der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin, des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin, der musica viva des Bayerischen Rundfunks, des Bozar – Centre for Fine Arts, Brüssel, der Kölner Philharmonie I KölnMusik GmbH und des Japanischen Kulturinstituts Köln / The Japan Foundation

Mit freundlicher Unterstützung der Agency for Cultural Affairs, Government of Japan | Japan Arts Council, des Arts Council Tokyo (Creation Grant) sowie des Tokyo Club

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin in Zusammenarbeit mit dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin

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© Yoshikatsu Hayashi
Bildung

Education-Veranstaltung Nō-Theater

mit Großmeister Kiyokazu Kanze für Berliner Schüler*innen

Kiyokazu Kanze XXVI. Großmeister der Kanze-Schule

Eine Reise in die Welt des Nō-Theaters und der traditionellen Bühnenkunst Japans.

Nach dem Gastspiel am 21.9. gibt der Großmeister Kiyokazu Kanze einmalige Einblicke in die Welt des Nō-Theaters im Rahmen einer Education-Veranstaltung für Kinder und Jugendliche von Berliner Schulen. Als eine der ältesten Bühnenkünste der Welt wurde Nō im 14. Jahrhundert von dem Künstler Kan’ami und seinem Sohn Zeami zur Vollendung gebracht und wird seit rund 700 Jahren nahezu unverändert bis in die Gegenwart überliefert. Als musikdramatische Kunstform vereint Nō-Theater Gesang, Tanz und Instrumentalmusik. In poetischen Erzählungen, in denen sich Wirklichkeit und Traum sowie Lebende und Geister begegnen, entfalten Schauspieler mit Nō-Masken in eleganten, stilisierten Bewegungen das Geschehen. Seine einzigartige Ästhetik und Spiritualität haben nicht zuletzt die europäische Kunst und Musik nachhaltig beeinflusst. Im Jahr 2008 wurde Nō in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

für Schulklassen 7–13, Anmeldungen ab dem 8.6.2026
Weitere Informationen für Lehrpersonen unter www.berliner-philharmoniker.de/education/kita-schule

Dauer: circa 1 h, ohne Pause

Eine gemeinsame Initiative der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin, der Stiftung Berliner Philharmoniker und des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin

Eine gemeinsame Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin und der Stiftung Berliner Philharmoniker

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© Heritage Images / akg-images / Heritage Art
Konzert

RIAS Kammerchor Berlin II / Deutsches Symphonie-Orchester Berlin II

Duruflé / Schnittke

Jennifer Johnston – Mezzosopran
Solist*innen des RIAS Kammerchor Berlin
RIAS Kammerchor Berlin
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Justin Doyle – Leitung


Maurice Duruflé (1902–1986): Requiem op. 9 (1941–47)
für Soli, Chor, Orgel und Orchester
Alfred Schnittke (1934–1998): Requiem (1974/75)
für Solostimmen, Chor und Instrumentalensemble
aus der Bühnenmusik zu Don Carlos von Friedrich Schiller

In Maurice Duruflés ätherischem Requiem mischen sich Anspielungen auf gregorianische Choräle mit einem zauberischen Klangfarbenspiel, dessen filigranes musikalisches Gewebe in einer an Claude Debussy und Maurice Ravel geschulten Instrumentation ausgebreitet wird. Das Ergebnis ist eine paradiesische Himmelsvision, die der RIAS Kammerchor Berlin, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und Justin Doyle beim Musikfest Berlin präsentieren. Nach der Pause folgt mit Alfred Schnittkes Requiem ein polystilistisches Klangfresko zwischen Humanismus und spiritueller Glaubenskraft, das anders als viele der bekannten Totenmessen weitgehend auf dramatische Kontraste verzichtet: Hier jubiliert der Chor nicht in höchsten Tönen über die Größe Gottes, sondern sinnt leise, in improvisatorisch anmutenden Linien, über die gesungenen Worte nach.

Sein Requiem komponierte Maurice Duruflé erklärtermaßen auf „der Grundlage von gregorianischen Themen aus der Totenmesse […]. Manchmal ist der Notentext vollständig übernommen, der Orchesterpart dient dort nur zu seiner Unterstützung und Kommentierung; ein anderes Mal habe ich mich lediglich von ihm inspirieren lassen.“ Gleichzeitig verzichtete der französische Komponist auf die Dramatik des Dies irae , während er im impressionistisch-schillernden Orchestersatz die Engel mit „himmlischen“ Harfen- und das Paradies mit Celesta- und Orgelklängen illustrierte.

Auch Alfred Schnittke vertonte den zeitlos gültigen Text der Totenklage mit in sich gekehrter Musik, wenngleich man in der Partitur impressionistische Klangeffekte vergeblich sucht. Kurioserweise entwickelte der damals noch in der Sowjetunion lebende Komponist das Stück aus einer Bühnenmusik zu Friedrich Schillers Don Carlos . Letztere entstand „in Form eines Requiems“ (Schnittke) 1975 für eine Inszenierung am Moskauer Mossowjet-Theater, die vor dem Hintergrund katholischer Kirchenmusik stattfinden sollte. Angesichts des durchweg tragischen Inhalts von Schillers Drama entstand eine Requiem-Vertonung, die ihresgleichen sucht – nicht nur wegen der ungewöhnlichen Besetzung mit Orgel, Klavier, Celesta, Vibraphon, Glocken, Gong, Flexaton, Pauken, Trompete, Posaune und zwei E-Gitarren. Tastende Piani und litaneiartiges Chorflüstern wechseln sich in den 14 Sätzen mit treppenartig sich steigernden Solokoloraturen und Orgelclustern ab, wobei in der immer wieder gespenstische Züge annehmenden Musik Schnittkes polystilistischer Ansatz allgegenwärtig ist.

Einführungsveranstaltung
19:10 Uhr, Südfoyer

Dauer: circa 1 h 35 min, eine Pause

Eine Veranstaltung des RIAS Kammerchor Berlin in Kooperation mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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Musikfest Berlin

Berliner Festspiele

28.8. bis 23.9.2026



Das Musikfest Berlin versteht sich als ein Forum für die innovative künstlerische Arbeit der großen Orchester und Ensembles im Bereich der klassischen und modernen Musik. Es präsentiert ein ambitioniertes Festivalprogramm mit wechselnden Schwerpunkten.



Das Orchesterfestival der Berliner Festspiele – veranstaltet in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker – bildet jeweils im Spätsommer den spektakulären Auftakt der Berliner Konzertsaison. Internationale Spitzenorchester, Instrumental- und Vokalensembles präsentieren gemeinsam mit den großen Symphonieorchestern der Stadt Berlin ein ambitioniertes Festivalprogramm mit jeweils wechselnden thematischen Schwerpunkten.



Das Orchester gehört – neben Oper, Theater und Kino – zu den komplexesten, größten und vielgestaltigsten „Maschinen“, die die abendländische Kultur zur Herstellung von Vorstellungen und Emotionen hervorgebracht hat. Die Vielfalt der heute bestehenden Orchesterformationen hat sich unter dem Einfluss der modernen Technologien und in Kenntnis der historischen Aufführungspraxen wesentlich erweitert. Das rund dreiwöchige Festival widmet sich daher nicht nur dem symphonischen Repertoire, sondern insbesondere den bedeutenden, raren, vergessenen, ungewöhnlichen und neuen Werken aus Geschichte und Gegenwart. Das Musikfest Berlin versteht sich als ein Forum für die innovative künstlerische Arbeit der großen Orchester und Ensembles des internationalen Musiklebens.



In Zusammenarbeit mit der Stiftung Berliner Philharmoniker.

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