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Klangspuren Schwaz

5. bis 22.9.2024

Klangspuren Schwaz, das Tiroler Festival für neue Musik, wurde 1993 von Thomas Larcher, Maria-Luise Mayr und Anton Hütter gegründet und hat sich seitdem zum größten und erfolgreichsten Festival für zeitgenössische Musik in Westösterreich entwickelt. Das ursprüngliche Konzept, der zeitgenössischen Musik im Westen Österreichs eine professionelle, stetig wachsende Plattform zu bieten und gleichzeitig ihre Ursprünge und ihren innovativen Charakter zu würdigen, bildet nach wie vor die Grundlage der Programmgestaltung. Darüber hinaus versteht sich Klangspuren als Arbeitgeber, Vermittler und Förderer junger Komponist:innen und Interpret:innen auf lokaler und internationaler Ebene. Dies geschieht vor allem durch ihre systematische Einbindung in das Konzertprogramm, die Vergabe von Kompositionsaufträgen und die Entwicklung neuer Projekte. Ein großes Anliegen war und ist es auch, Musikvermittlungsprojekte für Kinder und Jugendliche in das Festivalprogramm zu integrieren.

2024 liegt die Programmierung des jährlich im September stattfindenden Festivals in den Händen des Komponisten, Musikers und Musikkurators Christof Dienz (2022 mit Clara Iannotta, 2023 alleinverantwortlich). Er folgt als künstlerischer Leiter auf Reinhard Kager, Matthias Osterwold, Peter Paul Kainrath und Festivalgründer Thomas Larcher.

Kontakt

Klangspuren Schwaz
Innsbrucker Str. 17 / I / 3
A-6130 Schwaz

Telefon: +43 660 2016169
E-Mail: office@klangspuren.at

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Neue Musik

Eröffnungskonzert 2024

Tiroler Symphonieorchester Innsbruck
Zoi Tsokanou, Dirigentin


Beat Furrer: Lichtung (2024), ÖEA
Mariam Rezaei & Matthew Shlomowitz: six scenes for turntables and orchestra (2023), ÖEA
Didem Coşkunseven: With Eyes Wiser (2024), UA
(Auftragswerk von Klangspuren Schwaz)

Komponieren ist für Beat Furrer ein “Instrument der Welterfahrung, der Welterkenntnis, der Welt um mich herum”, wie er einmal gesagt hat: “Wahrnehmung immer wieder zu thematisieren, Klang, die Faszination am Klang selbst.” In seinem jüngsten Werk, das zu seinem 70. Geburtstag bereits in Luzern uraufgeführt wurde, macht er diesen Ansatz selbst zum Thema: “Lichtbrechung oder ein Flimmern in der Luft waren die Assoziationen zum ersten Klang des Orchesterstücks”, sagt Furrer. “Aus dieser diffusen, oszillierenden Fläche verdichten sich allmählich Gestalten.” Zunächst ist der Klang diffus und unartikuliert und erinnert auf diese Weise an ein Gewirr aus “verschiedene Sprachen”, doch nach und nach entwickelt sich aus diesem Aggregatzustand eine unbändige Kraft. Furrer spricht von einem “reißenden Strudel”, der sich “in Gischt verwandelt und nichts als mit Energie geladene Leere hinterlässt.” Auch in Mariam Rezaeis Musik verändern Klänge ihren Aggregatzustand: Samples, ursprünglich gepresst auf Schallplatte, dazu gemacht, von vorne bis hinten abzulaufen und dann still zu sein, bekommen sie hier eine ganz neue Funktion – Rezaei scratcht, stoppt sie, zieht sie vorwärts und rückwärts wie Kaugummi, mixt sie zu einem neuen pulsierenden Klangkonglomerat zusammen. In den Six scenes for turntables and orchestra entwickeln Rezaei und Matthew Shlomowitz mit Orchester und Plattenspielern eine Reise, ähnlich den Bildern einer Ausstellung von Modest Mussorgsky: höchst heterogene Klangporträts, die in der Reihenfolge aber ihren festen Platz haben.

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Neue Musik

Ensemble Modern

Ensemble Modern
streichquartett quartissimo des Tiroler Landeskonservatoriums
Enno Poppe, Dirigent


Justė Janulytė: Unanime für 8 Trompeten (2020), ÖEA
Beat Furrer: Linea dell’orizzonte für Ensemble (2012)
Justė Janulytė: Unanimus for 8 Streicher (2020), ÖEA
Rebecca Saunders: Skull für Ensemble (2023), ÖEA

Komponist:innen schreiben nicht einfach nur Töne, sie sind immer auch Forschende – auf der Suche nach dem Ursprung der Klänge, nach dem, was sie zusammenhält: „Das Material ist der Klang, aber es ist auch alles dazwischen“, sagt die Siemens-Preisträgerin Rebecca Saunders in einem Interview. Ihr Werk Skull, vergangenes Jahr vom Ensemble Modern uraufgeführt, nimmt die Hörer:innen mit an die Quelle – ins Innere des Schädels, den Ort, an dem die Gedanken entstehen, umherschwirren, scheinbar durcheinanderlaufen. Es bildet nach Scar und Skin den dritten Teil eines Triptychons aus schattenhaften, kontrastreichen Klängen, die dem tiefsten Innern des Orchesters zu entspringen scheinen, sich roh und ungeschliffen aus den Saiten und Trichtern herauswinden und im besten Sinne Einblick geben unter die Oberfläche der kompositorischen Forschungsarbeit.
Beat Furrer wirft in seinem Werk linea dell’orizzonte dagegen den Blick in die Ferne, wo sich aufgrund physiologischer Grenzen die Details verlieren, wo Himmel und Land zu verschwimmen scheinen und nur unscharfe Silhouetten zurückbleiben: Zwei klangliche Extreme – absteigende Glissandi und lang gehaltene hohe Töne – schweben wie von Fliehkräften getragen um eine unsichtbare, unhörbare Mitte herum.

19.15 Uhr, Einführung mit Gunter Schneider

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Neue Musik

PHACE

Alexandra Dienz, Kontrabass
Maria Chlebus, Schlagwerk
SCHTUM - Manu Mayr, E-Bass & Robert Pockfuß, E-Gitarre
Lars Mlekusch, Dirigent


Bernhard Gander: Take Five for Nine für Kontrabass, Schlagwerk und Ensemble, 2024, UA
(Auftragswerk von PHACE und Klangspuren Schwaz)
SCHTUM (Manu Mayr & Robert Pockfuß): loom für E-Bass, E-Gitarre und Ensemble, 2024, UA
(Kompositionsauftrag von PHACE und Klangspuren Schwaz)
Clara Iannotta: They left us grief-trees wailing at the wall, 2020

Die italienische Komponistin und Kuratorin Clara Iannotta spricht lieber von einer „Choreographie des Klangs“ als von einer Orchestrierung – für sie nämlich ist der Moment der Klangentstehung, die Gesten der Musiker:innen, ihre Aufstellung auf der Bühne, das Zusammenwirken von Licht und Bewegung ebenso wichtig wie der Klang, den man hört: Musik ist für sie vor allem eine körperliche Erfahrung. Ihr Werk They left us grief-trees wailing at the wall für Klarinette, Tenor-Saxophon, Percussion, Klavier, elektrische Gitarre, Violine, Bratsche, Cello und Kontrabass schrieb sie als Auftragskomposition des Ars Nova Ensemble, des Riot Ensemble und Wien Modern. Manu Mayr und Robert Pockfuss verschmelzen als Duo SCHTUM rhythmische, melodische, Sound- und strukturelle Elemente der elektronischen Tanzmusik mit experimentellen Methoden zeitgenössischer Musikproduktion – ihre Werke bewegen sich in einer „elektro-akustischen Welt aus Feedback-Schleifen, Sub-Bass-Interferenzen und Noise-Gezwitscher“ (reaktor). Unter anderem spielten sie Konzerte im Berghain, im Reaktor in Wien, bei Sonic Protest in Paris, dem Novas Frequencias in Rio de Janeiro oder de Gamma Festival in St. Petersburg. Ähnlich fluid bewegt sich auch Bernhard Gander in seinen Werken zwischen den Genres der populären und klassischen Musik – er verbindet zeitgenössische Neue Musik unter anderem mit Rap, elektronischer Tanzmusik, Comic-Ästhetik oder Heavy Metal, wobei das Zentrum jeder klanglichen Episode stets der Rhythmus ist. In der Vergangenheit brachte ihm seine Herangehensweise den Ruf als „Ausnahmeerscheinung“ im klassischen Musikbetrieb ein.

19.15 Uhr, Einführung mit Christof Dienz

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Neue Musik

Christian Reiner + Martin Siewert

Christian Reiner, Stimme
Martin Siewert, E-Gitarre, Elektronik
Giorgi Koberidze, Elektronik

Eine Kooperation mit: EU Projekt Slash Transition und openspace.innsbruck

Christian Reiner + Martin Siewert Erstens
support act: Giorgi Koberidze

„Wann wird es endlich Frühling? Ich gebe ihnen den ganzen Käfig mit 24 Vögeln. Jedes Lied ist ab jetzt für Sie.“ Der Vokalist, Stimmkünstler und Autor Christian Reiner, von dem diese Zeilen stammen, hat nicht zum ersten Mal mit Martin Siewert zusammengearbeitet – und trotzdem ist Erstens (wie der Titel verrät) das erste Album, das aus dieser Kollaboration entstanden ist. Siewerts Klangwelt ist rau und geräuschhaft, Reiners Stimme charismatisch und sonor, die Texte erinnern an dadaistische Wortergüsse, machen nachdenklich, bohren sich wie Ohrwürmer ins Gedächtnis: „Es gibt das Meer, mehr gibt es nicht.“ Beide Künstler improvisieren auf ihren Instrumenten – auf der Gitarre und mit Worten, mit Sound und Lauten, mit innermusikalischen Zitaten und sprachlichen Querverweisen auf das Werk etwa von Dichter:innen wie Marie Luise Kaschnitz oder Christian Morgenstern. Die Arbeit Christian Reiners und Martin Siewerts entwickelt beim Hören einen regelrecht hypnotischen Sog, eine beschwörende Kraft und Intensität, ist mitunter „sehr laut und verrückt“, wie Reiner selbst in einem Interview beschreibt. Martin Siewert stelle dabei „eine Verbindung zu meinen Heavy-Metal-Wurzeln dar“, so Reiner weiter. Elf Songs finden sich auf dem Album, jeder einzelne bildet dabei für sich eine eigene Miniatur, witzig und verstörend, poetisch und tiefsinnig – doch immer gilt, wie es in einem der Songs heißt: „Gewöhn dich nicht daran. Du darfst dich nicht gewöhnen.“ (HS)

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Neue Musik

NAMES ensemble

Marco Döttlinger: points of no return für 7 PerformerInnen mit Mini-synthesizern und Live Visuals (2024), UA
(Auftragswerk von Klangspuren Schwaz )
Francesco Filidei: Esercizio di Razzia 1 (2012)
Angélica Castelló: Espacio 7 (2024), UA
(Auftragswerk von Klangspuren Schwaz)
Bernhard Lang: GAME 17-4-7 for Names für Ensemble und E-Violine, (2024)

Wenige Zahlen sind so sehr mit Bedeutung, Sagen und Assoziationen verwoben worden wie die Zahl 7: In Espacio 7 erkundet Angelica Castello die verschiedenen Dimensionen und Möglichkeiten, die der 7 als Symbol innewohnen – sieben Meere, sieben Wunden, sieben Wunder, die Mater Dolorosa und ihre sieben Schwerter, und entsprechend sieben Instrumente, sieben Musiker:innen, sieben Töne, „sieben, sieben, sieben“. Über die Erkundung der Zahl hinaus will Castello „über Schmerz, Wunden und Resilienz nachdenken“, wie sie schreibt. Bernhard Langs Game 17-4-7 Loops for E-Violine ist das siebzehnte Stück der Game-Serie für Anne Lindenbaum und das NAMES-Ensemble. Der Komponist spielt darin mit musikalischen Strukturen und Interaktionen – beinahe zwangsläufig, so scheint es, wird dabei die Partitur geöffnet für spontane Entscheidungen, Unbestimmtheit und auch Unsicherheiten. Das Stück ist in Runden organisiert, wie ein Kartenspiel: „Die Musiker wählen aus gemischten Karten-Sets und folgen dabei einem Set von Spielregeln“, schreibt Lang. „Die Entscheidungen der Spieler sind wechselseitig abhängig, bedingen einander. Die resultierende Form des Stücks bleibt in vielen Aspekten von Aufführung zu Aufführung variabel. Selbstorganisation des Systems ist das Ziel und das Mittel dieser Strategien.“ Spielerisch arbeitet auch Francesco Filidei in seinem Werk Esercizio di Pazzia 1: Der Komponist bemüht hier nämlich keine klassischen Instrumente, sondern Luftballons. Jede:r Instrumentalist:in bekommt sieben Ballons in vier verschiedenen Farben (die sie selbst aussuchen) – die Farben fungieren hierbei als Grundlage für die Struktur der so betitelten „Wahnsinnsübung“. Im Zentrum von Marco Döttlingers Arbeit stehen demgegenüber maximale Feinheiten: minimale zeitliche Veränderungen, kleinste Regungen, Bewegungen, mit denen er die Grenze zwischen Stillstand und Bewegung abtastet.

19.15 Uhr, Einführung mit Eva Reiter

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Neue Musik

Florentin Ginot

Florentin Ginot, Kontrabass, Arrangements
Yann Bouloiseau, Soundprojection


Heinrich Ignaz Franz Biber: Rosenkranzsonaten (um 1674)
(Auszug, arrangiert für Kontrabass und Elektronik)
Clara Iannotta: a blur of fur and bone (ii) (2024), ÖEA
Stefano Scodanibbio: Farewell (1981/83)
Johann Sebastian Bach: aus: Sonata in E Minor, BWV 1023, Partitas N°1, BWV 1002 und Partitas N°2, BWV 1004
Georges Aperghis: Obstinate (2018), ÖEA
Félicia Atkinson: Neues Werk (2024), UA

Der französische Kontrabassist Florentin Ginot hat sich einer Mission verschrieben: Mit seinen Konzertprogrammen, Kollaborationen, Arrangements und Kompositionen will er die Grenzen seines Instruments öffnen – ästhetisch, kulturell und spieltechnisch. Durch die Zusammenarbeit mit Komponist:innen wie Georges Aperghis, György Kurgág, Rebecca Saunders und Helmut Lachenmann etablierte er stückweise ein neues Repertoire – nicht zuletzt ist Clara Iannottas a but of fur and bone (ii) für verstärkten Kontrabass auch eine Frucht dieser Arbeit: Ginot spielte die Uraufführung beim Kölner Achtbrücken Festival in diesem Jahr. Im Programm dieses Abends verbindet der Virtuose nun altbekannte Werke wie Bachs Geigenpartiten BWV 1002 und 1004 und Heinrich Ignaz Franz Bibers Rosary Sonatas mit zeitgenössischen Kompositionen und Yann Bouloiseaus Soundprojektionen. Der Kontrast zur barocken Klangsprache holt die Gegenwart dabei schlagartig in den Konzertsaal zurück. Ginot spricht von „Kollisionen“ zwischen beiden Welten, durch die das Publikum die komplexen melodischen und harmonischen Einzigartigkeiten der Barockwerke neu entdecken kann. „Der Kontrabass ist ein Instrument mit einer chaotischen, ungewöhnlichen Geschichte“, sagt Ginot, durchzogen von Neukonzeptionierungsversuchen und Misserfolgen. Für ihn ist das allerdings eine Chance: „ein Brachland, auf dem alles neu erfunden werden kann.“

19:00 Uhr, Einführung mit Eva Reiter

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Neue Musik

The Lichtenberg Figures

Ictus Ensemble

Eva Reiter: The Lichtenberg Figures (Version 2020)

Wenn sich Elektrizität auf Hochspannung auf oder in einem isolierenden Material entlädt, dann passiert etwas Faszinierendes: Wie von Zauberhand entstehen baumartige Muster mit kleinsten Verästelungen, ähnlich der Form eines in viele Richtungen ausladenden Blitzes. Der deutsche Physiker Georg Christoph Lichtenberg hat zum ersten Mal eine solche Figur erzeugt, auf einer mit Staub bedeckten geladenen Isolatorplatte. „Unter anderem habe ich mit einem einzigen Schlag eine Menge Concentrischer Circkel hervorgebracht“, schreibt er in einem Brief über seine Entdeckung. „Es ist freilich gespielt, allein ein so schönes lehrreiches Spiel, dass ich mich dessen nie schämen werde.“ Mittlerweile gibt es Firmen, die Lichtenberg-Figuren auf Holz brennen und die gezeichneten Gegenstände für viel Geld verkaufen. Mit Eva Reiters Werk hat der sichtbar gewordene, für immer auf einem Material verewigte Blitz vor vier Jahren auch zum Klang gefunden: eine Folge von sieben Titeln für Stimme und Ensemble und sechs instrumentalen Zwischenspielen mit einem vorangestellten Prolog. Reiter beschäftigt sich in ihrer Arbeit immer wieder mit naturwissenschaftlichen Ereignissen und Gegebenheiten und überträgt ihre Auseinandersetzung mit diesen auf andere Kontexte. The Lichtenberg Figures ist für sie demnach ein „klingendes Psychogramm einer Gesellschaft“, wie sie selbst schreibt: „Wir tauchen immer wieder in gespiegelte, verzerrte, gebrochene Klangwelten ein, in denen der Hörer geblendet wird von Täuschungen und halluzinatorischen Sounds.“ Wie ein Text auch kann die metaphernreiche Welt dieses Werks „als eine Art persönliches Koordinatensystem, ein offenes Bezugssystem der eigenen Identität des Hörers verstanden werden.“ (HS)

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Neue Musik

Nachthorn

LATE NIGHT – ORGEL-CLUBBING
Maxime Denuc: Orgel mit Roboter, ÖEA

Kris Verdonck, Licht

Die Orgel, sagt der belgische Komponist Maxime Denuc, ist der älteste und beste Synthesizer der Welt: Die verschiedenen Register verkörpern unterschiedliche Klänge und Klangfarben, und die Orgel erschafft aus diesen Klängen eine Synthese. Gleichzeitig stellte die Traktur, also die Mechanik zwischen Taste, Luft und Pfeife, schon in der Antike ein technisches Meisterstück nicht nur des Instrumentenbaus dar. Denuc fügt der Orgel in seinem Album Nachthorn (2022) eine weitere Ebene hinzu: Er spielt das Instrument nicht mit den eigenen Händen und Füßen, sondern mittels einer Vorrichtung, die er auf die Tasten des Manuals legt – und diese mit einem Midi-Controller bedient. „Meine Arbeit mit Midi zielt darauf ab, Stücke zu schreiben, die nicht von Menschen gespielt werden könnten“, sagt er dazu in einem Interview – unter anderem hinsichtlich verschiedener Aspekte wie einer unbestechlichen Regelmäßigkeit und Präzision, die nur eine Maschine aufbringen kann. Klanglich verschwimmen scheinbar die Grenzen zwischen analog und digital erzeugten Sounds, auch rein harmonisch erinnern Denucs Soundgemälde eher an Rave als an Kirche – repetitiv, hypnotisch, soft. „In meiner Arbeit mit Midi habe ich versucht so weit wie möglich von dem wegzukommen, wie Orgelmusik üblicherweise klingt“, sagt er. (HS)

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Musiktheater

Liebesgesang

Mimi Doulton, Stimme – Sie
Benjamin Chamandy, Stimme – Er

Hansjörg Sofka & Stefan Politzka, Musikalische Leitung
Marcos Darbyshire, Regie
Martin Hickmann, Bühne, Kostüme
Anselm Fischer, Video, Lichtdesign
Katharina Duda, Dramaturgie


Oper von Georg Friedrich Haas (2022), ÖEA
Händl Klaus Libretto

Ein Raum, ein Paar, ein langer Moment, in dem zwei Menschen um Sprache ringen, um ihre Liebe – wie sie war, wie sie noch und wie sie nicht mehr ist. Eine verschwiegene Krankheit, Glück und Verletzun­gen, Erinnerungen, Bilder, Trümmer, Silben verdichten sich zu einer rauschhaften Begegnung. Der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas und der Librettist Händl Klaus loten in ihrer Oper Liebesgesang die unendlichen Nuancen einer Beziehung aus. Eine beinahe alltägliche Situation wird hier in ihren mikroskopischen Extremen hörbar. Genauso extrem ist die Aufführungssituation: Mit nichts als ihren Stimmen, ohne Orchester oder Dirigent:in, fächern eine Sängerin und ein Sänger das musikalisch­ literarische Prisma der Partitur zu einem intensiven Gefühlsdrama von höchster Genauigkeit und ebenso großer Freiheit auf. Der argentinische Regisseur Marcos Darbyshire gibt sein Hausdebüt in den Kammerspielen und wagt sich mit seinem Team in die Extreme der menschlichen Seele.

Kooperation mit Tiroler Landestheater

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Neue Musik

Ula Sickle + Ictus

Ictus Ensemble
Ula Sickle, Konzept, Choreografie
Tom Pauwels, Konzept, Musikalische Leitung


Holding Present (2023), ÖEA

Musik von Didem Coşkunseven, Alvin Lucier, Pauline Oliveros, Stellan Veloce Zwischen Januar und März sind in Deutschland über drei Millionen Menschen auf die Straße gegangen, um gegen das Erstarken der rechtsextremen AfD zu protestieren. Junge Menschen kleben sich auf der Straße fest, weil sie kein anderes Mittel sehen, um die Entscheidungsträger:innen zu einer klimagerechten Politik zu bewegen. Fridays For Future begann mit Schulstreiks einzelner, teilweise nicht einmal volljähriger Menschen – und hat sich zu einer globalen Protestbewegung entwickelt. Einzelne Menschen ohne Geld und Einfluss mögen vielleicht keinen großen Einfluss auf das Geschehen in der Welt haben, in der Masse aber können sie eine solche Macht entwickeln, dass sie ganze Systeme zu Fall bringen. Holding Present von Ula Sickle und dem Brüsseler Ensemble Ictus thematisiert den Übergang von der individuellen Geste zur kraftvollen kollektiven Aktion: Tänzer:innen und Musiker:innen performen symbolische Bewegungen, Klänge und Gesten, die sich zu einem alles vereinenden, hochenergetischen Höhepunkt steigern – und mehr und mehr wird auch das Publikum in das dynamische Gewebe integriert. Ungewöhnliche Instrumente spielen bei diesem Stück genauso eine Rolle wie auch in der Realität – denn Protest muss auf gewisse Weise immer auch kreativ sein: Aluminiumrohre, Steine, Megaphone, ein schwingender Stierbrüller und ein modularer Synthesizer geben der Musik eine ungewöhnliche Haptik. Die Performance probt sozusagen, im sicheren Raum Theater, die Grundlagen und den Aufbau revolutionärer Kollektivität.

19.15 Uhr, Einführung mit Eva Reiter

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Neue Musik

Klangwanderung 2024

Carmen Gratl, Sprecherin
Kinderchor KidZ Only Musikschule Schwaz (Leitung Sofia Pisching)
Schüler:innen Paulinum Schwaz (Leitung Petros Moraitis)
Ensemble Lautstark


Mike Schmid: Breathcore
Eva Reiter: tube orchestra
Tom Pauwels: pitch pipe collective
Carolina Schutti: Textpartitur (2024)

Entlang der Strecke in der Silberregin Karwendel gestalten sich in Anlehnung an das diesjährige Festivalthema Konspirationen die unterschiedlichen künstlerischen Beiträge als konspirativ-inspirative Räume. Der Fokus aller Stationen liegt auf dem interaktiven und experimentellen Hörerlebnis.

Inspiriert vom Festivalmotto führt die Klangwanderung in diesem Jahr zu musikalischen und künstlerischen Stationen, die das gemeinsame Atmen und das kollektive Improvisieren in den Fokus rücken: Eva Reiter, Mike Schmidt und Tom Pauwels erarbeiten dafür mit Schüler:innen-Ensembles Werke, die mit der menschlichen Stimme, dem Atem und mit alltäglichen und doch kreativ umgedeuteten Gegenständen klangliche Experimente wagen – Ergebnis sind unter anderem ein Atem-Chor (Breathcor), ein Pitch Pipe Collectiv“ und die Tube Orchestras.
Bei einer weiteren Station der Wanderung denkt die Tiroler Schriftstellerin Carolina Schutti in Erinnerung an das ehemalige Schwazer Lager Oradour mit einem neuen Text über die Geschichte und Gegenwart des ehemaligen nationalsozialistischen Zwangsarbeiterlagers und späteren Entnazifizierungslagers nach. Das nach Abzug der französischen Truppen lange Jahre erst zur sogenannten Märzensiedlung für Aussiedler:innen wurde und später als Notunterkunft für Wohnungslose diente. Vor über 35 Jahren riss die Stadt die letzte Baracke ab und errichtete ein Denkmal, mit der sie „ein Zeichen gegen Gewalt und Terror“ und „für Friede, Freiheit und Demokratie“ setzen will. Wie auch im vergangenen Jahr laden die jungen Teilnehmer:innen der Kompositions- und Improvisationswerkstatt Lautstark vom Verein klangang ein, über ihre Kompositionen in Kreativität, Empathie, Teamarbeit, Neugier und Suche nach ungewöhnlichen Lösungen einzutauchen.

Mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung

Genaue Informationen und Tickets für die Klangwanderung sind ab Anfang Juli erhältlich.

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Neue Musik

Abschlusskonzert Klangwanderung 2024

WINDKRAFT – Kapelle für Neue Musik
Andreas Mader, Saxophon
Elisabeth de Roo, Sopran
Kasper De Roo, Dirigent


Johannes Maria Staud: Violent Incidents (Hommage à Bruce Nauman)
für Saxophon, Bläserensemble und Schlagzeug (2005)
Christian Spitzenstätter: Neues Werk (2024), UA
(Auftragswerk von Windkraft, ermöglicht durch das BMKOES)
Wolfgang Mitterer: couleurs de la vent für Sopran, Ensemble und electronics (2022)
Petra Stump-Linshalm: As You Like It (2022), UA
Joanna Bailie: night scenes i & ii (2023), ÖEA

Umami, sauer, bitter, süß, salzig – Petra Stump-Linshalm teilt ihr neues Werk As You Like It auf in fünf nach den bekannten Geschmacksrichtungen benannte Abschnitte. Den Musiker:innen wird dabei offengelassen, wie sie die Musiken nach ihrem eigenen Geschmack noch einmal extra „würzen“, wie die Komponistin schreibt – allein die freie Besetzung lässt den Interpret:innen viel Spielraum, dem Werk einen ganz eigenen Geschmack zu verleihen. Stump-Linshalm ist für As You Like It mit dem 1. Preis der Trondheim Sinfonietta ausgezeichnet worden. Sein Werk Violent Incidents für Saxophon, Bläserensemble und Schlagzeug hat der österreichische Komponist Johannes Maria Staud dem Konzeptkünstler Bruce Naumann gewidmet: Naumann bewegt sich in seinen Werken zwischen Body Art, Aktionskunst und Videokunst, immer wieder thematisiert er existenzielle Zweifel und arbeitet daran Denkgewohnheiten aufzubrechen. Dabei kollaborierte er mit Musiker:innen, unter anderem mit Steve Reich und Meredith Monk, und setzte sich mit der Arbeit John Cages oder Karlheinz Stockhausens auseinander. In seinen couleurs de la vent verbindet Wolfgang Mitterer Sopran, Ensemble und Elektronik miteinander, um sich den Stärken und Farben des Windes zu nähen – von der leichten Brise bis zum alles zerreißenden Orkan. Joana Bailies night scenes i & ii für Blechbläserensemble und Elektronik, das im Januar dieses Jahres beim Ultraschall-Festival in Berlin uraufgeführt wurde, verschmilzt installative und audiovisuelle Elemente zu musikalischen Porträts zweier Orte: das wuselige Genf und der dunkle Schwarzwald. Von Christian Spitzenstätter kommt ebenfalls ein Kammermusikwerk zur Uraufführung: Erste Werke schrieb der Komponist im Alter von neun Jahren, studierte aber zunächst Klarinette – sein bisher größtes Werk, die Oper Stillhang, wurde bei den Tiroler Festspielen Erl 2018 uraufgeführt.

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Neue Musik

Future Lab I: Composers Lab Abschlusskonzert

Chaya Czernowin
Francesco Filidei
NAMES ensemble
Gregor Mayrhofer, Dirigent


Acht Uraufführungen der Teilnehmer:innen des Klangspuren Composers Lab 2024:
Maria Vittoria Agresti, Gaia Aloisi, Yuheng Chen, Atousa Falamarzian, Mikel Iturregi, Adrian Laugsch, Francesco Fausto Magaletti, Gioele Onida

Die eigens für das NAMES Ensemble komponierten Werke der acht Stipendiat:innen des Composers Lab kommen an diesem Abend zur Uraufführung. Gemeinsam mit der Komponistin und Harvard-Kompositions-Professorin Chaya Czernowin und dem Komponisten und Organisten Francesco Filidei haben die Teilnehmer:innen des Composers Lab 2024 eine Woche lang an ihren Ideen, musikalischen Ansätzen und der konkreten Ausformung ihrer Inspirationen gearbeitet und sie während des Meisterkurses einem „Reality Check“ unterzogen. Dirigent des Abends ist Gregor Mayrhofer, der international besonders mit unkonventionellen Konzertprogrammen bekannt geworden ist. Das elfköpfige NAMES Ensemble (New Art and Music Ensemble Salzburg) hat sich 2014 gegründet und auf verschiedene Formen der zeitgenössischen klassischen Musik spezialisiert. Die Musiker:innen sehen sich als experimentelles Liebhaber-Labor für neue Klangideen und Sounds.

Mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung

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Neue Musik

Münchener Kammerorchester

Ilya Gringolts, Violine
Bas Wiegers, Dirigent


Johannes Maria Staud Neues Werk (2024), UA
Iannis Xenakis Voile (1995)
Justė Janulytė Elongation of Nights (2009)
Chaya Czernowin Moths of Hunger and Awe (2024), ÖEA

In diesem Jahr feiert Johannes Maria Staud, der von Beginn an mit dem Festival verbunden ist, seinen 50. Geburtstag – und Klangspuren feiert ihn mit einem neuen Werk für Streichorchester, das das Münchener Kammerorchester aus der Taufe heben wird.
„Auf der einen Seite das Segel: ‚la voile‘, auf der anderen der Schleier: ‚le voile‘“ – ein Wort, zwei Bedeutungen, keine Spur von Eindeutigkeit, dafür Assoziationen: Wind, Weiß, die Weite des Meeres, die menschliche Unfähigkeit zu erkennen. Iannis Xenakis strebt nicht nach Höranleitungen für seine Werke, im Gegenteil: „Der Hörer muss gepackt und, ob er will oder nicht, in die Flugbahnen der Klänge hineingezogen werden“, sagt er. „Der sinnliche Schock muss ebenso eindringlich werden wie der Schlag des Donners oder der Blick in einen bodenlosen Abgrund.“ Wie seine Komposition ist auch Chaya Czernowins Violinkonzert Moths of Hunger and Awe ein Auftragswerk des Münchner Kammerorchesters – eine Stück, mit der die Israelin die Grenzen musikalischer Gestaltungsmittel ausreizt: So klingt ihre Antwort auf eine Gegenwart, die von Um- und Einbrüchen geprägt ist.
Juste Janulytes „Elongation of Nights“ hat seinen Ursprung ebenfalls in einer sehr gegenwärtigen, sehr menschlichen Erfahrung: dem Gefühl, wenn im Herbst die Nacht nach und nach wieder länger wird als der Tag. Zwei musikalische Ebenen verschieben sich in dieser Komposition in der gleichen Balance miteinander und gegeneinander, echohaft, wellenartig – harmonisch basiert alles auf Quinten, den Intervallen der leeren Saiten der Streichinstrumente: Alles ist im Fluss, alles passiert ganz natürlich, bedrückend und doch unaufhaltsam.

19.15 Uhr Einführung mit Gunter Schneider

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Neue Musik

Gunter Schneider – Zum 70. Geburtstag

Sophia Goidinger-Koch, Violine
Klaus Haidl, Gitarre
Kammerchor Stimmpfeffer (Leitung: Maria Luise Senn-Drewes)
Angélica Castelló, Paetzold und electronics
Burkhard Stangl, E-Gitarre
Vinzent Dienz and associates, gestimmte Bierflaschen
free music st. johann
Petra Stump-Linshalm, Bassklarinette
Heinz Peter Linshalm, Bassklarinette, A- und B-Klarinette
Barbara Romen, präpariertes Hackbrett
Gunter Schneider, Kontragitarre


Im Fluss für Violine und Gitarre, Aaah für gemischten Chor und Orgelpfeifen, Übung für kleines Ensemble, Flaschen8er als 7er zu 4t, free music st. johann, PHP für 2 Bassklarinetten und 2 Klarinetten, recycling structures 2, UA

Ein Abend mit Musik von und mit Gunter Schneider – Gesprächskonzert

In Tirol ist Gunter Schneider kein Unbekannter – wenn nicht als Komponist oder Interpret, dann auch mal als belesene, kluge Stimme, die in die wichtigsten Konzerte des Festivals einführt. Im April ist er 70 Jahre alt geworden und blickt in diesem Konzert zusammen mit dem Publikum auf die zentralen Stationen seines Schaffens zurück: Während er an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Gitarre, Improvisation und Musik der Gegenwart unterrichtete, konzertierte er als Solist und im Duo Romen&Schneider mit seiner Frau Barbara Romen, die verschiedene Hackbretter spielt, auf internationalen Bühnen und mit verschiedenen Orchestern. Parallel entwickelten sie gemeinsam Projekte wie das experimentelle „quadrat:sch“, „Stimmen der Steine erspüren“ oder „klopfzeichen“ in Kollaboration mit bildenden Künstler:innen oder „zimt“ und „DUCHAMP DEFAULT“ mit Angéllica Castelló und Burkhard Stangl. Eine wichtige Säule seiner musikalischen Praxis war stets die Improvisation, die eine wichtige Rolle auch in seiner kompositorischen Arbeit spielt. Gunter Schneider komponierte Stücke für Gitarre, (Kammer-)Orchester und Chor – unter anderem wurde sein Werk intension/extension 2012 in Schwaz uraufgeführt.

Herzlichen Dank an Pius Erler, Orgelbau Erler, Schlitters, für die Orgelpfeifen in Aaah...

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Neue Musik

Matthias Pichler

Matthias Pichler: And that’s all there is to it
Songs für Kontrabass solo (2024), UA

1981 in Tirol geboren, begann Matthias Pichler im Alter von sechs Jahren mit dem Trompetenunterricht und studierte ab dem Jugendalter am Tiroler Landeskonservatorium und der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz Kontrabass. Er erhielt 2004 im Rahmen des Hans-Koller-Preises ein New-York-Stipendium, das ihm Unterricht bei John Patitucci, Larry Grenadier und Marc Johnson ermöglichte. 2006 gewann er den Hans-Koller-Preis in der Kategorie „Sideman of the year“. 2010 erhielt er den 1. Preis beim Internationalen Kontrabass-Kongress „BASS2010“ in Berlin in der Kategorie Jazz. 2014 und 2015 war er Finalist beim Neuen Deutschen Jazzpreis. Matthias Pichler war acht Jahre Bassist des Wolfgang Muthspiel Trios und spielte mit zahlreichen international bekannten Musikern. Von 2017-2020 lebte er mit seiner Familie in New York City. Derzeit lebt und arbeitet er wieder in Berlin. Seine „And that’s all there is to it: Songs für Kontrabass solo“ erzählen viel über seine Verbindung zu diesem Instrument, die gemeinsame Geschichte und die unterschiedlichen musikalischen Pfade und Genres, in denen der Kontrabass zu Hause ist. Auf dem Dachboden der denkmalgeschützten Pfarrkirche Maria Himmelfahrt bekommt die Interpretation der Kontrabass-Lieder eine besondere Intimität – von der beeindruckenden Architektur des Dachstuhls und der darin eingeschriebenen jahrhundertealten Geschichte ganz abgesehen.

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Neue Musik

Nadar Ensemble

I ́ll Be Back, ÖEA
Musik von Johann Sebastian Bach und Werke von Eva Reiter, Simon Steen-Andersen, Niko D. Schroeder und Joanna Bailie

“Du bist ein Museumsstück geworden“, schreibt die niederländische Musikphilosophin Marlies de Munck 2019 in einem Brief an „Herrn Bach“, an „Johann“: „Ein Stück, das schön klingt, aber mit dem man nur schwer reden kann. Bitte nicht anfassen.“ Nun instrumentalisiert der ultranationalistische niederländische Politiker Thierry Baudet die Musik Bachs für seine konservative Botschaft: „Er gibt sich als Ihr Retter und als der unserer gesamten Kultur aus. (…) Sie haben keine Stimme mehr, um dagegen zu protestieren, das weiß der Mann sehr gut“, so de Munck. „Es ist schmerzhaft, aber er zwingt uns, den Tatsachen ins Auge zu sehen: Wir selbst haben Ihnen diese Stimme genommen. Wir haben Sie in eine Institution für Eliten gesperrt, die von Besserwissern bewacht wird.“ Bach wieder eine Stimme geben – das steht wie ein Motto über dem Programm I’ll be back des Nadar Ensembles. Verschiedene Kompositionen bekommen hier einen Raum, von Bach selbst, aber auch von anderen Komponist:innen, die zum Teil mit Elementen aus diesen spielen und arbeiten. Joanna Bailie etwa knüpft in ihrem Werk an einen Eindruck an, den sie beim Hören der Gigue aus Bachs fünfter Cello-Suite hatte: eine „seltsame Ähnlichkeit“ mit einem altmodischen Zug. Simon Steen-Andersen hat Bachs Capriccio sopra la lontananza del suo fratello dilettissimo für Solo-Rückengitarre bearbeitet, und in Eva Reiters In The Wilderness of mirrors begibt sich der Ostinato-Bass aus Bachs 2. Partita in einen „vielschichtigen musikalischen Spiegelpalast“, wie das Nadar Ensemble schreibt. Die Utopie, die Marlies de Munck antreibt, formuliert sie als Frage: „Wenn wir Ihnen versprechen, Sie aus ihrem teuren Gefängnis herauszulassen, würden Sie dann bitte wieder ein Mensch unter Menschen werden?“ Dieser Abend ist vielleicht ein erster Versuch. (HS)

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Neue Musik

Future Lab II: konsTellation plus

Student:innen und Professor:innen des Tiroler Landeskonservatoriums
Ivana Pristašová Zaugg, Leitung
SoloVoices, Stimmen
Michael Wendeberg, Dirigent


Georges Aperghis: Strasbourg instantanés (1998-1999)

Vierzehn Klarinetten, fünf Tuben, sechs Orgelpositive, Cembalo, Klavier, vier Violinen, vier Saxophone, eine Bratsche, eine Trompete, Chor und vier Soprane – im Jahr 1997, als Georges Aperghis am Straßburger Konservatorium Composer in Residence war, waren Besetzungen wie diese ein beeindruckendes Novum. Seine Strasbourg instantanés, also „Momentaufnahmen“, bestehen aus 51 kurzen Partituren, die auf ganz unterschiedliche Weise arrangiert und gespielt werden können. Die Künstler:innen, die dieses Werk interpretieren, sollen sich von der Architektur des Ortes, an dem sie spielen, den dortigen Klängen und der Atmosphäre inspirieren lassen, damit das Werk bei jeder Aufführung zur absolut einzigartigen Performance wird. Zwischendurch klingt die Musik dabei als sei sie improvisiert – obwohl Aperghis alles minutiös ausnotiert hat. Inspirationsgebend waren dennoch Improvisationsstunden mit den Studierenden des Konservatoriums, wie die französische Zeitung Le Monde 1997 nach der Uraufführung berichtet. Als ungewöhnlicher und gleichtzeitig spannender Aufführungsort hat Klangspuren das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck gewählt, der den Konzertbesuchern ermöglicht die Werke aus selbstgewählter Hörperspektive zu betrachten.

Mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung

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Neue Musik

Growing Sideways

Mit: Brigitte Wilfing, Jorge Sánchez-Chiong, Andrew Champlin, Mirjam Klebel, Alfredo Ovalles und David Christopher Panzl, Instrumente und Tanz
Lise Lendais, Szenografie und Kostüme
Florian Bogner, Sounddesign
Jan Maria Lukas, Lichtdesign


Choreografische Komposition (2021)

Eigentlich hätte Brigitte Wilfing viel lieber „Tanz“ über das Werk geschrieben: „Wäre es eine Arbeit für ein Tanzfestival gewesen, hätte ich das auch, weil ich dann weiß, dass bereits eine kleine Verschiebung oder Dekonstruktion einer musikalischen Geste als Tanz gelesen werden kann“. Growing Sideways ist ursprünglich aber eine Arbeit für Wien Modern – eine „choreografische Komposition in rückfälligen Verhaltensmustern“. Die Choreografin und der Komponist Jorge Sánchez-Chiong verschmelzen in ihrer Arbeit den Klang mit der Bewegung, durch die er erzeugt wird. Dabei gibt es zu Beginn immer ein choreografisches Dispositiv – mal liegen die Musiker:innen auf dem Boden wie in Land of the Flats, mal stehen sie auf einem Bein oder spielen mit zur Seite gerichtetem Kopf wie in „growing sideways“: „Der Blick über die Schulter ist unser neues Normal“, sagt Brigitte Wilfing dazu in einem Interview. „Was macht dieser Blick mit mir, mit meiner Bewegung und Orientierung?“ Dabei entsteht allerdings kein einheitliches Bild, kein „corps de ballets“, im Gegenteil: Die unterschiedlichen Körper zeigen mit ihren individuellen Erfahrungen und Beschaffenheiten, was der Blick zur Seite eröffnen aber auch beschränken kann: „Jede Performerin, jeder Performer mit ihrem bzw. seinem Background soll wirklich unterstrichen werden“, sagt Wilfing, „das ist mir choreografisch sehr wichtig.“ (HS)

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Klangspuren Schwaz

5. bis 22.9.2024

Klangspuren Schwaz, das Tiroler Festival für neue Musik, wurde 1993 von Thomas Larcher, Maria-Luise Mayr und Anton Hütter gegründet und hat sich seitdem zum größten und erfolgreichsten Festival für zeitgenössische Musik in Westösterreich entwickelt. Das ursprüngliche Konzept, der zeitgenössischen Musik im Westen Österreichs eine professionelle, stetig wachsende Plattform zu bieten und gleichzeitig ihre Ursprünge und ihren innovativen Charakter zu würdigen, bildet nach wie vor die Grundlage der Programmgestaltung. Darüber hinaus versteht sich Klangspuren als Arbeitgeber, Vermittler und Förderer junger Komponist:innen und Interpret:innen auf lokaler und internationaler Ebene. Dies geschieht vor allem durch ihre systematische Einbindung in das Konzertprogramm, die Vergabe von Kompositionsaufträgen und die Entwicklung neuer Projekte. Ein großes Anliegen war und ist es auch, Musikvermittlungsprojekte für Kinder und Jugendliche in das Festivalprogramm zu integrieren.

2024 liegt die Programmierung des jährlich im September stattfindenden Festivals in den Händen des Komponisten, Musikers und Musikkurators Christof Dienz (2022 mit Clara Iannotta, 2023 alleinverantwortlich). Er folgt als künstlerischer Leiter auf Reinhard Kager, Matthias Osterwold, Peter Paul Kainrath und Festivalgründer Thomas Larcher.

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Ereignisse / Festspiele Salzburger Festspiele 19.7. bis 31.8.2024
Ereignisse / Festival Lucerne Festival 13.8. bis 15.9.2024
Ereignisse / Festival ImpulsTanz Wien 11.7. bis 11.8.2024
Ereignisse / Festival Gstaad Menuhin Festival 12.7. bis 31.8.2024
Ereignisse / Festival Brühler Schlosskonzerte 11.5. bis 25.8.2024
Ereignisse / Festspiele Tiroler Festspiele Erl 4. bis 28.7.2024
Ereignisse / Festspiele Bregenzer Festspiele 17.7. bis 18.8.2024
Ereignisse / Festival Hohenloher Kultursommer 1.6. bis 29.9.2024
Ereignisse / Festival Nymphenburger Sommer München 7.6. bis 7.7.2024
Ereignisse / Festival Summerwinds Münsterland vom 21.6. bis 1.9.2024
Ereignisse / Festival MDR Musiksommer 2. bis 31.8.2024
Ereignisse / Festival Choriner Musiksommer 22.6. bis 25.8.2024
Ereignisse / Festival Young Euro Classic Berlin 9. bis 25.8.2024
Ereignisse / Festspiele Darmstädter Residenzfestspiele 2. bis 11.8.2024
Ereignisse / Theater Shakespeare Company Berlin Sommertheater am Insulaner
Ereignisse / Festival MeetMUSIC Open Air 6.6 bis 17.8.2024
Ereignisse / Festival Musikfest Berlin 24.8. bis 17.9.2024
Ereignisse / Festival Festival Herbstgold Eisenstadt 11. bis 22.9.2024
Ereignisse / Festival Höri Musiktage Bodensee 8. bis 18.8.2024
Ereignisse / Tanz Dresden Frankfurt Dance Company Dresden / Frankfurt
Ereignisse / Messe INCorporating art fair Hamburg 6. bis 8.9.2024
Ereignisse / Tanz Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Opernhaus Wuppertal
Ereignisse / Festival Lange Nacht der Museen Berlin 24.8.2024
Ereignisse / Messe ViennaContemporary 12. bis 15.9.2024
Ereignisse / Festival Festival-Mediaval in Selb 6.9. bis 8.9.2024
Ereignisse / Festival Leitheimer Schlosskonzerte 22.6. bis 13.10.2024
Ereignisse / Festival Int. Gitarren-Festival Iselohn 28.7. bis 3.8.2024
Ereignisse / Konzert Styriarte Graz 21.6. bis 21.7.2024
Ereignisse / Festival Klangspuren Schwaz Tirol 5. bis 22.9.2024
Ereignisse / Festival Sommermusik im oberen Nagoldtal 30.7. bis 9.8.2024
Ereignisse / Ausstellung Nordart im Kunstwerk Carlshütte 1.6. bis 6.10.2024
Ereignisse / Festival Festival Kammermusik Bodensee 23. bis 25.8.2024
Konzerte / Konzert Tonhalle Düsseldorf Düsseldorf, Ehrenhof 1
Familie+Kinder / Museum Staatliche Museen zu Berlin Berlin, Genthiner Straße 38
Aufführungen / Oper Opernhaus Zürich Zürich, Sechseläutenplatz 1
Aufführungen / Oper Wiener Staatsoper Wien, Opernring 2
Literatur / Wettbewerb Literarischer März Darmstadt 22.3.2025
Aufführungen / Oper Staatsoper Hannover Hannover, Opernplatz 1
Aufführungen / Aufführung HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Karl-Liebknecht-Str. 56
Literatur / Museum Robert Walser-Zentrum Bern Bern, Marktgasse 45
Aufführungen / Theater Theater Münster Münster, Neubrückenstraße 63
Konzerte / Konzert Internationale Stiftung Mozarteum Salzburg Salzburg, Schwarzstraße 26
Konzerte / Konzert Nordwestdeutsche Philharmonie Herford, Stiftbergstraße 2
Konzerte / Konzert Dresdner Philharmonie Dresden, Schloßstr. 2
Aufführungen / Theater Volkstheater München München, Tumblingerstraße 29
Konzerte / Konzert Elbphilharmonie Hamburg Hamburg, Platz der Deutschen Einheit 4
Aufführungen / Theater Theater Konstanz Konstanz, Konzilstraße 11
Konzerte / Konzert Gewandhaus zu Leipzig Leipzig, Augustusplatz 8
Aufführungen / Oper Semperoper Dresden Dresden, Theaterplatz 2
Konzerte / Konzert Fiestravaganza Berlin
Aufführungen / Kabarett Die Wühlmäuse Berlin
Konzerte / Klavierkonzert Ehrbar Saal Wien
Ereignisse / Wettbewerb Neue Stimmen Wettbewerb Güthersloh

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